Ausgabe 5 ⁄ 2009, Beitrag Nr. 1

Körperaktivität ist ein Kofaktor für die Beziehung zwischen der Nahrungsaufnahmefrequenz und der Körperzusammensetzung

In einer kanadischen Beobachtungsstudie kann gezeigt werden, dass prämenopausale
Frauen, die häufiger als andere essen, auch häufig schlanker sind als
solche, die über den Tag verteilt seltener Mahlzeiten verzehren. Allerdings sind
diese Frauen auch körperlich deutlich aktiver. Demnach reicht eine erhöhte
Mahlzeitenfrequenz allein nicht aus, um Übergewicht zu kontrollieren. Gleichzeitig
muss auch die Körperaktivität gesteigert werden.

Wissenschaftlichen Studien zufolge kann die Häufigkeit der Nahrungsaufnahme
die Entwicklung des Körpergewichtes und der Körperzusammensetzung beeinflussen.
So scheint eine geringe Essfrequenz eine Adipositasentwicklung zu begünstigen, während häufiges Essen mit einer besseren Gewichtskontrolle einherzugehen scheint. Allerdings
sind die Befunde der Studien, die bisher zum Zusammenhang von Essfrequenz
und Körpergewicht durchgeführt wurden, nicht immer so eindeutig wie gerade
dargestellt und in einigen Fällen widersprechen sich die Ergebnisse sogar. Außerdem deuten verschiedene Untersuchungen darauf hin, dass häufiges Essen sich bei Männern
und Frauen unterschiedlich auswirken kann.

Die uneindeutige Studienlage sowie die Tatsache, dass in vielen Studien die körperliche Aktivität bei der Beurteilung nicht berücksichtigt wurde, machen weitere Untersuchungen notwendig, um den Zusammenhang von Essfrequenz und Körpergewicht bzw. Körperzusammensetzung klären zu können. Daher evaluieren die Autoren einer
kanadischen Studie, wie sich die Häufigkeit der Nahrungsaufnahme auf die Körperzusammensetzung prämenopausaler Frauen auswirkt und welche Rolle dabei die Körperaktivität als so genannter Kofaktor spielt.

Für die prospektive Beobachtungsstudie werden zunächst 85 prämenopausale
Frauen im Alter von 48-55 Jahren ausgewählt, die über eine Zeitungsannonce rekrutiert wurden. Alle Frauen haben einen regelmäßigen Menstruationszyklus, sind Nichtraucherinnen und haben einen Body Mass Index zwischen 20 und 29 (23,2 ± 2,2). Das Gewicht der Probandinnen ist bei Studienaufnahme seit ≥6 Monate stabil. Es liegen keine bekannten Erkrankungen oder Behinderungen vor und es besteht auch keine Medikation, die die Nahrungsaufnahme oder den Stoffwechsel beeinträchtigen könnte.

Die Energieaufnahme der Teilnehmerinnen sowie deren Verzehr von Makronährstoffen
werden mit Hilfe von 7-Tagesprotokollen aufgezeichnet. Die Teilnehmerinnen
dokumentieren über diesen Zeitraum sowohl die Art als auch die verzehrte Menge der Lebensmittel. Notiert werden auch Zeitpunkt und Ort der Nahrungsaufnahme. Anhand dieser Protokolle wird die mittlere Essfrequenz pro Tag ermittelt. Dabei bleiben Getränke unberücksichtigt, die nicht zusammen mit festen Nahrungsmitteln verzehrt werden. Als einzelne Mahlzeiten werden nur solche Nahrungsaufnahmen gewertet, die mindestens im Abstand von 15 Minuten verzehrt wurden. Zur Messung der Körperaktivität werden biaxiale Accelerometer eingesetzt. Auch sie werden über 7 aufeinander folgende
Tage vom Aufstehen bis zum Zubettgehen getragen, um die tägliche Aktivität
prüfen zu können. Zusätzlich werden bei jeder Probandin das Gewicht, die Körperzusammensetzung (Dual-Röntgen-Absorptiometrie), der Bauchumfang sowie die maximale aerobe Kapazität (maximale Sauerstoffaufnahme VO2max) bestimmt. Frauen, deren Angaben über ihre tägliche Energiemittelaufnahme unter dem errechneten Energieverbrauch liegen („Underreporter“), werden von der Analyse ausgeschlossen (16 Frauen, 18.8 %).

Die statistische Auswertung der Daten der verbleibenden Frauen ergeben folgende Befunde:

Die mittlere Zahl der Mahlzeiten liegt bei 4,6 ± 0,9 pro Tag (Bereich: 3,0-7,1). Die Mahlzeitenfrequenz korreliert dabei signifikant negativ mit dem BMI (p<0,05), dem Bauchumfang (p<0,01), dem Körperfettanteil (%BF, p< 0,05) und der Fettmasse (p<0,05) der Teilnehmerinnen. Das heißt, dass Frauen weniger zu Übergewicht tendieren und eine günstigere Körperzusammensetzung haben, wenn sie im Vergleich zu anderen Gleichaltrigen häufiger am Tag essen. Die Autoren zeigen aber auch, dass die
Mahlzeitenfrequenz positiv mit der aufgenommenen Energie korreliert. Demnach nehmen Frauen, die häufig essen, auch mehr Energie auf. Auch der Energieanteil, der über verzehrte Kohlenhydrate aufgenommen wird, sowie die verzehrte Kohlenhydratund Proteinmenge steigen mit der Mahlzeitenfrequenz. Trotzdem sind diese Frauen schlanker. Der Grund dafür liegt in folgendem Befund: Die höhere Mahlzeitenfrequenz ist in dieser Studie auch mit einem erhöhten Energieverbrauch durch Körperaktivität (p<0,01) und einer erhöhten maximalen Sauerstoffaufnahme verbunden (p<0,001). Der Grundumsatz bleibt allerdings von der Verzehrsfrequenz unbeeinflusst.

Werden die Daten hinsichtlich der beiden Kofaktoren „Körperaktivität“ und „maximale Sauerstoffaufnahme“ korrigiert, verändern sich die Ergebnisse allerdings: Die Analyse der korrigierten Daten zeigt, dass nun zwischen Mahlzeitenhäufigkeit und Adipositas keine Assoziation mehr besteht. Auch der positive Zusammenhang von Mahlzeitenfrequenz und Energieaufnahme ist nicht mehr signifikant. Dies zeigt, wie wichtig
die Körperaktivität für das günstigere Gewichtsprofil der Frauen ist, die häufig essen. Allerdings ist auch nach Kofaktoren-Korrektur immer noch eine negative Korrelation zwischen Bauchumfang und Mahlzeitenfrequenz sowie zwischen Mahlzeitenfrequenz
und aufgenommener Proteinmenge nachweisbar.

Schlussfolgerung: Die Daten dieser kanadischen Studie weisen darauf hin, dass prämenopausale Frauen mit einer hohen Mahlzeitenfrequenz zwar eine erhöhte Energieaufnahme haben, aber trotzdem aufgrund der gleichzeitig erhöhten Körperaktivität in der Regel schlanker sind als Frauen, die seltener essen. Das bedeutet, dass eine
Erhöhung der Mahlzeitenfrequenz allein, ohne eine gleichzeitige Erhöhung der Körperaktivität, nicht geeignet ist, um Übergewicht zu kontrollieren bzw. vorzubeugen.

Duval, K., I. Strychar, M.-J. Cyr, D. Prud’homme, R. Rabasa-Lhoret, E. Doucet (Institute
of Population Health and the School of Human Kinetics, Faculty of Health Sciences,
University of Ottawa, Ottawa, Kanada): Physical activity is a confounding factor
of the relation between eating frequency and body composition.


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