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Von: - Ausgabe 3/2016 Beitrag Nr. 5

Ein nationales Interventionsprogramm zur Reduzierung der Kariesinzidenz bei Schulkindern in Grenada

Grenada besitzt ein öffentliches Gesundheitssystem, dessen Infrastruktur allerdings im zahnmedizinischen Bereich mit 12-14 Zahnmedizinern pro 110.000 Einwohnern sehr schwach ist. Eine Alphabetisierungsrate von 96% der Erwachsenen erlaubt jedoch ein bildungsbasiertes Präventionsprogramm für Karies bei Kindern. Zu diesem Zweck wurden Betreuungspersonen und Lehrer in einem kurzen Training dafür ausgebildet, Kindergarten- und Schulkinder beim Zähneputzen zu unterstützen und ihnen drei- bis viermal jährlich Fluoridlösungen zu applizieren. Die Zusammenarbeit von ausländischen Institutionen, Behörden, Schulen, Eltern und Betreuungspersonal führte vor allem bei den Grundschulkindern zu einer massiven Reduktion neu auftretender Karies und demineralisierter Zähne von ca. 75%.

Grenada ist ein unabhängiger Inselstaat in der südlichen Karibik und wird zu den Entwicklungsländern gezählt. 2010 lebten dort 108.132 Menschen, darunter 26.000 Kinder. Seit 1979 gibt es ein öffentliches Gesundheitssystem, und aus den Jahren 1984, 1991 und 2000 liegen Untersuchungen über die Kariesinzidenz bei Kindern vor. Der durchschnittliche Kariesindex (DMFT) der Kinder war mit 5,2 hoch, in der Gruppe der 12- bis 15-Jährigen betrug er sogar 7,22. Für das öffentliche Gesundheitssystem arbeiten 14 Zahnmediziner in Voll- oder Teilzeit, wodurch nur eine sehr limitierte Behandlung möglich ist, es werden vorwiegend Zahnextraktionen vorgenommen. Restaurationen sind nur mit privater Bezahlung möglich. Präventionsmaßnahmen wurden zum Teil auch durch das Ausland gefördert, jedoch häufig nicht oder nur zum Teil umgesetzt. Beispielsweise wurde eine Fluoridierung des Trinkwassers nach kurzer Zeit aufgrund von Funktionsmängeln und zu hohen Kosten wieder eingestellt, ebenso kam der Versuch, Mundspülungen mit fluoridhaltigem Mundwasser zu propagieren, bald zum Erliegen. Auch die Fluoridierung von Speisesalz wurde in Erwägung gezogen, aber nicht umgesetzt.

Für eine erfolgreiche Kariesprävention ist es unabdingbar, dass die geplanten Maßnahmen kostengünstig, effizient und einfach durch vorhandenes Betreuungspersonal umgesetzt werden können. Von großer Wichtigkeit ist außerdem die Akzeptanz der geplanten Aktionen durch Kinder, Eltern, Lehrer und Behörden.

Diese Studie  wurde 2010 vom New York University College of Dentistry zur Kariesprävention bei Schulkindern in Grenada durchgeführt. Das Programm wurde landesweit in den bestehenden Bildungseinrichtungen implementiert und umfasste Lehrinhalte über Mundhygiene und tägliches Zähneputzen mit fluoridierter Zahnpasta, regelmäßige Fluoridapplikationen und Fissurenversiegelungen.

In einer Basisuntersuchung wurde vorab im Jahr 2010 eine repräsentative Stichprobe von 1000 Kindern im Alter von 7-8 und 14-15 Jahren klinisch untersucht, wobei ihr Kariesindex bestimmt wurde. Das Interventionsprogramm „Smile Grenada“ war dafür konzipiert, die wenigen vorhandenen Zahnmediziner in der Bereitstellung notwendiger Präventionsmaßnahmen zu unterstützen und damit eine große Lücke zu schließen. Dafür wurde die Zusammenarbeit mit Lehrern, Betreuungspersonen und weiteren Hilfskräften gesucht, um das Programm allen 26.000 Kindern Grenadas zugänglich machen zu können. Für die Kariesprävention wurden im Rahmen der Maßnahme zweimal täglich für zwei Minuten die Zähne mit fluoridhaltiger Zahnpasta geputzt, wobei die Lehrer die Kinder unterstützten und täglich Protokoll führten. Die notwendigen Utensilien verblieben in der Schule und wurden nicht mit nach Hause genommen. Zusätzlich wurde drei- bis viermal pro Jahr eine hochdosierte Fluoridlösung auf die Zähne der Schüler appliziert, nachdem die Lehrer und Betreuungspersonen darin geschult worden waren. Als dritte Maßnahme erfolgte eine Versiegelung der ersten Molaren bei den 6-8jährigen Kindern durch Studenten der Zahnmedizin des New York University College of Dentistry.

In der Folgeuntersuchung nach 2,5 Jahren wurden die Kinder zu ihrer Zahnpflege befragt. Weiter wurde überprüft, inwieweit die tägliche Zahnpflege, die Applikation der Fluoridlösung und der Versiegelungen durchgeführt worden war. In einer klinischen Untersuchung wurden erneut der Kariesindex bestimmt sowie die Qualität der Versiegelung überprüft.

In der Basisuntersuchung wurden 1091 und in der Folgeuntersuchung 2301 Kinder klinisch untersucht. Nur ein geringer Prozentsatz der Kinder gab an, während der Studiendauer ihre Zähne nicht geputzt zu haben (4%), fast alle verwendeten Zahnpasta (94%) und putzten ihre Zähne zweimal täglich (95%). 73% der Kinder waren zuvor nie von einem Zahnarzt untersucht worden.

Die Therapietreue während der Intervention erreichte annähernd 100% in den Grundschulen und 80% in den Vorschulen. Die Akzeptanz bei den Lehrern war sehr gut. Bei den älteren Kindern war die Intervention erfolglos, da die Schüler den Vorgaben nicht folgen wollten, nur 15% zeigten Compliance.

Fast alle Grundschulkinder erhielten dreimal jährlich eine hochkonzentrierte Fluoridlösung appliziert, bei den Vorschülern waren es weniger als 25% in einem unregelmäßigen Rhythmus, und bei den weiterführenden Schulen wiedersprachen die meisten Schüler.

Die Fissurenversiegelung der ersten Molaren bei den 6-8jährigen Kindern war wenig erfolgreich, da auf vorangehendes Anätzen der Zahnoberflächen verzichtet wurde. Bei Kontrolluntersuchungen nach vier Monaten zeigte sich, dass weniger als 5% der Versiegelungen intakt waren. Auch nach erneuter Applikation unter veränderter Technik war die Retention nach weiterhin gering (< 10%).

Die statistische Analyse der zerstörten Zahnoberflächen ergab bei beiden Altersgruppen eine deutliche Kariesreduktion (p < 0,001) und einen deutlichen Rückgang demineralisierter Zahnoberflächen (p < 0,001). Neu aufgetretene Kavitäten und demineralisierte Bereiche zeigten einen Rückgang von 75%.

 

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Quellen:

M.S. Wolff1, R. Hill1, M. Wilson-Genderson2, S. Hirsch1, A.P. Dasanayake1; mark.wolff@nyu.edu  

1Department of Cariology, New York University College of Dentistry, New York, USA; 2Temple University College of Public Health, Philadelphia, USA

 

Caries Res. 2016;50 Suppl 1:68-77. doi: 10.1159/000439058


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