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Von: - Ausgabe 5/2016 Beitrag Nr. 4

Eine Übersicht über Methoden zur Förderung der Mundge-sundheit für Praxisteams

In dieser systematischen Literaturübersicht wurde untersucht, welche Faktoren Präventionsmaßnahmen, die zur Förderung der Mundgesundheit in Zahnarztpraxen durchgeführt wurden, beeinflussen. Sie liefert Hinweise darauf, dass die Mundgesundheit durch gezielt eingesetzte psychologische Methoden verbessert werden kann, die Verhaltensänderungen bewirken. Gesprochene und persönlich vermittelte Inhalte wirken sich dabei stärker aus als geschriebene. Die Motivierung der Patienten und ihre Zufriedenheit mit der Behandlung werden zudem stark von den kommunikativen Fähigkeiten der Fachkräfte in den zahnärztlichen Praxen beeinflusst.

Die Mundgesundheit hat sich in den vergangenen Jahrzehnten massiv verbessert, wovon sozioökonomisch schlechter gestellte Menschen allerdings weniger profitieren. Unter ihnen sind besonders Kinder betroffen. Seit den 1990er Jahren hat sich die Arbeit in den zahnärztlichen Praxen dahingehend verändert, dass der Schwerpunkt weniger auf das Reparieren, sondern auf die Vorbeugung von oralen Erkrankungen gelegt wurde. Dafür wurden von Zahnärzten und Praxisteams zunehmend Präventionsmaßnahmen eingesetzt, die jedoch vielfältig variierten und von bloßer Informationsbereitstellung und Überzeugungsarbeit bis hin zu psychologischen Strategien mit dem Ziel von Verhaltensänderungen reichten. In dieser systematischen Übersicht wurde die Effektivität der verschiedenen Maßnahmen näher beleuchtet, wobei der Fokus auf Methoden lag, die in zahnärztlichen Praxen verwendet wurden. Die zugrunde liegende Fragestellung war: „Ist die Förderung der Mundgesundheit in den Zahnarztpraxen effektiv und wie kann sie weiter optimiert werden?“

Diese Frage wurde in acht Unterpunkte untergliedert: Die Fragestellung, ob psychologische und behavioristische Theorien zu effektiven Interventionsmaßnahmen führen, welches die beste Methode zur Vermittlung ist (verbal, schriftlich, andere), wie der Inhalt aufgebaut sein muss, welche Rolle die Merkmale von „Sender“ und „Empfänger“ spielen, in welchem Umfeld und Zusammenhang die Intervention kommuniziert wird, welche Hürden oder Erleichterungen vorliegen sowie welche Faktoren die Motivation und Zufriedenheit der Patienten beeinflussen.

Insgesamt zwanzig Datenbanken wurden anhand angepasster Suchstrategien auf relevante Publikationen hin gesichtet. Studien in englischer Sprache seit 1994 wurden in die Analyse einbezogen. Nach Eliminierung von Duplikaten wurden die Titel und Zusammenfassungen der verbleibenden Publikationen anhand definierter In- und Exklusionskriterien geprüft, wofür im Zweifelsfall die Volltexte herangezogen wurden. Die Auswahl der einbezogenen Studien erfolgte unabhängig durch zwei Mitarbeiter. Alle verbliebenen Studien wurden auf ihre Qualität hin untersucht und schließlich entsprechend ihrer Fragestellungen gruppiert. Eine Metaanalyse war aufgrund der relativ großen Heterogenität der Publikationen nicht möglich. Wissenschaftliche Hinweise wurden als stark bezeichnet, wenn mehr als eine qualitativ hochwertige Publikation oder mehr als eine randomisierte kontrollierte Studie Effekte beschrieben. Moderate Belege wurden aus ein oder mehr qualitativ durchschnittlichen Publikationen festgestellt und schwache Hinweise wurden aus Studien geringer Qualität gewonnen.

44 Studien wurden in 52 relevanten Publikationen beschrieben. Acht Untersuchungen lieferten starke Hinweise darauf, dass die Mundhygiene und die Mundgesundheit durch orale Präventionsprogramme gefördert werden, denen psychologische und behavioristische theoretische Modelle zugrunde liegen. Mündliche Anweisungen der Mitarbeiter der Praxen beeinflussten das Wissen, das Verhalten und die Mundgesundheit der Patienten, allerdings war zusätzlich der Gebrauch von Fluorid für eine Verringerung von Dentalkaries erforderlich. Geschriebene Informationen hatten einen geringen Effekt auf das Wissen, die persönliche Einstellung und das Verhalten der Patienten und wurden zum Teil als funktional und unpersönlich empfunden. 

Inhaltlich wurden die von den Fachkräften vermittelten Informationen häufig an die Bedürfnisse und Erwartungen der Patienten angepasst und entsprachen nicht immer den offiziellen Empfehlungen und gängigen Standards. Ob sich dies auf die Mundgesundheit auswirkte, wurde jedoch in keiner der Studien untersucht. Auch Zusammenhänge mit der Person des „Senders“ wurden nicht näher beleuchtet. 

Eine Schlüsselposition für den Erfolg von Interventionen hat die Berücksichtigung spezieller Patientengruppen. Besonders für unterprivilegierte Gruppen sind das Verstehen der vermittelten Informationen, die Berücksichtigung sozialer Voraussetzungen und der Aufbau von Beziehungen zu dem zahnärztlichen Personal von großer Bedeutung. Auch behinderte Personen oder Menschen mit speziellen Erkrankungen profitieren von Maßnahmen, die auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind.  

Zum Umfeld, in dem die Intervention kommuniziert wird, fanden sich nur schwache Hinweise darauf, dass es den Erfolg beeinflusst. Barrieren fanden sich z.T. wenn Zahnärzte und Fachpersonal persönliche Überzeugungen statt sachliche Informationen vermittelten. Erleichtert wurde der Erfolg der Intervention beispielsweise, wenn die Patienten den vermittelten Fakten zustimmten sowie Freude und Zufriedenheit im Umgang mit dem Fachpersonal empfanden. Fachkräftemangel wirkte sich entsprechend negativ aus.

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Quellen:

Kay E1, Vascott D2, Hocking A2, Nield H3, Dorr C2, Barrett H2;

elisabeth.kay@plymouth.ac.uk

1Peninsula Dental School, Plymouth University Schools of Medicine and Dentistry, Plymouth, UK; 2SERIO, Plymouth University, Plymouth, UK. 3British Dental Association, London, UK.

Community Dent Oral Epidemiol. 2016 Aug;44(4):313-30. doi: 10.1111/cdoe.12220


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