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Von: - Ausgabe 5/2016 Beitrag Nr. 3

Psychosoziale Faktoren für das Mundhygieneverhalten bei 9- bis 19-Jährigen: Systematische Übersicht und Metaanalyse

Diese systematische Übersicht und Metaanalyse ergab, dass zwischen der Häufigkeit des Zähneputzens und diversen psychosozialen Faktoren Korrelationen bestehen: Heranwachsende im Alter zwischen neun und 19 Jahren putzten ihre Zähne häufiger, wenn sie eine größere Absicht dazu hatten, bei einem größeren sozialen Einfluss, wenn sie eine größere Selbstwirksamkeit spürten und über bessere Handlungsplanungs- und Bewältigungsstrategien verfügten. Ein gezieltes Ansprechen dieser Determinanten im Rahmen von Präventionsprogrammen könnte in dieser Altersgruppe demnach die Erfolgsaussichten von Interventionen verbessern.

Trotz massiver Verbesserungen der Mundgesundheit bleiben orale Erkrankungen ein großes Problem. Nach Angaben der WHO sind in den hochentwickelten Ländern immer noch 60-90 % der Kinder und fast alle Erwachsenen von Dentalkaries betroffen. Zu einem großen Teil liegt es daran, dass geeignete Mundhygienemaßnahmen nicht oder nur unzureichend eingesetzt werden. Besonders bei Jugendlichen kommt es häufig zu einer höheren Prävalenz von Karies und Parodontalerkrankungen, wenn sie die Qualität ihrer Mundpflege reduzieren.

Psychosoziale Faktoren sind wichtige Determinanten für das Verhalten. Werden sie gezielt verändert, so kann dies entsprechende Verhaltensänderungen nach sich ziehen. Bei Erwachsenen wurde dies für den Bereich der Mundhygienemaßnahmen bereits nachgewiesen. Bei Jugendlichen blieben die psychosozialen Faktoren bislang jedoch weitgehend unberücksichtigt, was den mangelnden Erfolg von Interventionen erklären könnte. Um wirksame Präventionsprogramme zu entwickeln, erscheint es deshalb vorteilhaft, diejenigen psychosozialen Faktoren zu identifizieren, die bei Jugendlichen mit der Mundgesundheit assoziiert sind. In dieser systematischen Übersicht und Metaanalyse wurden Zusammenhänge zwischen dem Verhalten bei der Mundpflege und psychosozialen Faktoren bei Heranwachsenden im Alter von neun bis 19 Jahren analysiert.

Die systematische Übersicht und Metaanalyse wurde nach MOOSE Vorgaben durchgeführt. Bis zum 24.8.2015 wurden Einträge aus fünf einschlägigen Datenbanken gesichtet. Die Suchstrategie war an die jeweilige Datenbank angepasst und erfolgte unter prädefinierten Bedingungen. Der Altersbereich von neun bis 19 Jahren wurde gewählt, da der Einfluss der Eltern auf das Verhalten der Kinder in diesem Alter immer geringer wird. Untersuchungen in den Sprachen Deutsch, Niederländisch und Englisch wurden berücksichtigt. Von zwei Mitarbeitern wurden zunächst unabhängig voneinander Titel und Zusammenfassungen relevanter Publikationen gesichtet. In einem weiteren Schritt wurden die Volltexte der Untersuchungen herangezogen und die Qualität der Studien beurteilt. Die Daten derjenigen Studien, die die Auswahlkriterien erfüllten, wurden extrahiert. Zum Teil wurden die Autoren der Publikationen bei Unklarheiten oder fehlenden Informationen direkt befragt. 

Die Suche in den Datenbanken ergab 3548 Artikel, von denen nach Durchsicht von Titel und Zusammenfassung 203 für die Volltextauswahl verblieben. Daraus wurden anhand der prädefinierten Auswahlkriterien Ergebnisse aus 24 relevanten Publikationen extrahiert, die 31 Datensätze umfassten. Insgesamt wurden darin 104.288 Studienteilnehmer untersucht. In 25 der Datensätze wurde das Zahnputzverhalten dokumentiert, in fünf mehrere Pflegemaßnahmen, in neun der Gebrauch von Zahnseide und in dreien der Plaqueindex. 27 Datensätze aus 22 Publikationen wurden in die Metaanalyse einbezogen. Aufgrund einer großen Heterogenität wurden lineare Paneldatenmodelle (Random-Effect-Model) für die Auswertung verwendet. Es zeigten sich Zusammenhänge zwischen den Mundhygienemaßnahmen und folgenden psychosozialen Faktoren:

Die Häufigkeit des Zähneputzens war positiv mit Bewältigungsstrategien, Handlungsmaßnahmen, dem Vorhaben, der Selbstwirksamkeit und dem sozialen Einfluss assoziiert. Weniger ausgeprägte Zusammenhänge zeigten sich zur inneren Einstellung, dem Kohärenzgefühl und dem Selbstwertgefühl. Eine externale oder internale Kontrollüberzeugung hatte keinen Einfluss auf die Zahnputzfrequenz.

Die meisten Untersuchungen folgten dem Konzept der „Theorie des geplanten Verhaltens“ und hatten entsprechende Variablen als Untersuchungsgegenstand. Handlungs- und Bewältigungsstrategien waren deshalb unterrepräsentiert, und keine der in der Metaanalyse enthaltenen Studien hatten Determinanten wie Selbstbestimmtheit, antizipierte Reue, Handlungssteuerung oder Selbstidentität untersucht. Eine Fokussierung auf selbstregulatorische Prozesse könnte das Verständnis für Mundpflegemaßnahmen in dieser Altersgruppe weiter verbessern.

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Quellen: 
Scheerman JF1,2, van Loveren C2, van Meijel B1,3, Dusseldorp E4, Wartewig E1, Verrips GH4, Ket JC5, van Empelen P4; j.f.m.scheermann@acta.nl

1Department of Health, Sports & Welfare/Cluster Oral Hygiene, Inholland University of Applied Sciences, Amsterdam, The Netherlands. 2Department of Preventive Dentistry, Academic Centre of Dentistry Amsterdam, ACTA University, University of Amsterdam, Amsterdam, The Netherlands. 3VU University Medical Centre, Amsterdam & Parnassia Psychiatric Institute, Parnassia Academy, The Hague, The Netherlands. 4TNO Research Group, Leiden, The Netherlands. 5Departement Medical Library, Vrije Universtiteit Amsterdam, Amsterdam, The Netherlands.

Community Dent Oral Epidemiol. 2016 Aug;44(4):331-41. doi: 10.1111/cdoe.12224


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