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Von: - Ausgabe 3/2017 Beitrag Nr. 2

Intraorale Kameras während der Parodontaltherapie wirken sich positiv auf klinische Parameter und Verhaltensänderungen aus

Wenn Patienten, die an Parodontitis leiden, während der Behandlung Bilder von ihrem Zahnfleisch, Plaques und entzündeten Regionen gezeigt werden, so steigert dies ihre Bereitschaft zu Verhaltensänderungen. Nach vier Monaten hatten die Teilnehmer dieser Studie im Vergleich zu einer Kontrollgruppe, deren Probanden eine identische Behandlung, jedoch ohne den Einsatz einer intraoralen Kamera erhalten hatten, eine geringere Blutungsneigung bei Sondierung, benutzten häufiger Zahnseide und beschrieben eine gesteigerte Selbstwirksamkeit. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass intraorale Kameras auch für andere Fragestellungen, für die Verhaltensänderungen von Patienten erwünscht sind, eingesetzt werden können, da sie das Verständnis für die Problematik und die erforderlichen Maßnahmen fördern.

Eine gute Mundhygiene ist wichtig, um die Entstehung von Parodontalerkrankungen durch persistierende Biofilme zu vermeiden. Wünschenswert wäre dafür unter anderem die regelmäßige Benutzung von Zahnseide. Während die meisten Menschen ihre Zähne täglich putzen, setzen nur wenige regelmäßig Zahnseide zur Reinigung der Zahnzwischenräume korrekt ein.

Üblicherweise versuchen Zahnärzte, Verhaltensänderungen bei ihren Patienten zu erzielen, indem sie ihnen während der Behandlung verbal Informationen und Tipps geben. Häufig führt dies aber nur zu kurzfristigen Verhaltensänderungen.

Intraorale Kameras könnten die Kommunikation verbessern, indem die Patienten Bereiche mit Biofilmansammlungen oder entzündete Bereiche betrachten. Es wird angenommen, dass die Verwendung realer und individueller Bilder die Aufmerksamkeit erhöht, das Verstehen der Problematik und des Krankheitsprozesses fördert und die Bereitschaft steigert, geeignete Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

Inwieweit dies über einen Zeitraum von vier Monaten der Fall war, wurde in dieser Studie untersucht. Als Parameter dienten dafür Blutungen bei marginaler Sondierung (BOMP) sowie Verhaltensänderungen bei der Mundhygiene.

Mit Hilfe von Anzeigen in lokalen Tageszeitungen, Zahnkliniken und Geschäften wurden 89 Freiwillige für die Studie gewonnen. Zwei Wochen vor der ersten Untersuchung erhielten die Teilnehmer einen Fragebogen. Während der ersten klinischen Untersuchung wurden die Probanden in zwei Gruppen mit und ohne Einsatz einer intraoralen Kamera eingeteilt, ihr Zahnfleischstatus bestimmt und der Blutungsindex BOMP ermittelt. Während der etwa einstündigen Behandlung, die durch einen Hygieniker durchgeführt wurde, wurden in beiden Gruppen spezifische Techniken eingesetzt, um Verhaltensänderungen herbeizuführen. Dazu zählten Bestärkung, Feedback und Zielsetzungen wie der Einsatz und richtige Gebrauch von Zahnseide. In der Gruppe mit Einsatz der Kamera (IOC) wurde dies zusätzlich durch die Kamera unterstützt.

Die Befragung und die klinische Untersuchung wurden vier Monate später nochmals durchgeführt.

Mehr als 97,5% der Probanden putzten ihre Zähne einmal täglich, 72,6% zweimal oder häufiger. 77,6% von ihnen benutzten nie oder nur selten Zahnseide. Als Gründe dafür nannten die Teilnehmer Schmerzen, Zahnfleischbluten, Zeitmangel, den komplizierten Gebrauch oder dass sie es als unnütz empfanden.

Der durchschnittliche BOMP betrug 1,17 (SD 0,31) und war in beiden Gruppen vergleichbar, ebenso wie das Verhalten bei der Mundhygiene, der gingivale Status, psychologische Parameter, Alter und Bildungsgrad (p > 0,13).

Die intraorale Kamera wurden von den Probanden in hohem Maße positiv aufgenommen. Beide Gruppen hatten nach vier Monaten sowohl ihre Zahnputzfrequenz als auch den Gebrauch von Zahnseide signifikant erhöht (p < 0,001), in der IOC-Gruppe jedoch stärker als in der Kontrollgruppe (p < 0,05).

Die Blutungsneigung war bei der zweiten klinischen Untersuchung ebenfalls in beiden Gruppen deutlich niedriger als vier Monate zuvor (p < 0,001) und wiederum in der IOC-Gruppe niedriger als in der Kontrollgruppe (p < 0,01). Auch die Selbstwirksamkeit war in der IOC-Gruppe stärker gestiegen als in der Kontrollgruppe (p < 0,05).

Der Einsatz einer intraoralen Kamera bewirkte nach vier Monaten somit einen häufigeren Gebrauch von Zahnseide, eine geringere Blutungsneigung des Zahnfleisches sowie eine Steigerung der Selbstwirksamkeit, die für Verhaltensänderungen und Selbstkontrolle wichtig ist. Die Kamera unterstützt offenbar die Patienten darin, die Informationen besser aufzunehmen und Anweisungen später entsprechend besser umsetzen zu können.

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Quellen:
Araújo MR1, Alvarez MJ2, Godinho CA3,4, Pereira C5; mra@meo.pt

1Faculdade de Psicologia, Universidade de Lisboa, Lisboa, Portugal; 2Faculdade de Psicologia, Universidade de Lisboa, Lisboa, Portugal; 3Instituto Universitário de Lisboa (ISCTE-IUL), CIS-IUL, Lisboa, Portugal; 4University College London, London, UK. 5Universidade Federal da Paraíba, Joao Pessoa, Brazil

Community Dent Oral Epidemiol. 2016 Dec;44(6):523-530. doi: 10.1111/cdoe.12245


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