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Von: - Ausgabe 4/2017 Beitrag 4

Auswirkungen von Schlafmangel auf die Energiebalance

Schlafmangel könnte zu Übergewicht führen. Das deutet diese Meta-Analyse an, die ergab, dass sich die Energieaufnahme bei kurzem Schlaf um durchschnittlich 385 kcal täglich erhöht. Dabei wurde vermehrt Energie aus Fett aufgenommen. Der Energieverbrauch blieb der Analyse zufolge jedoch unverändert, so dass es zu einer Netto-Energieaufnahme kommen kann, die langfristig Übergewicht begünstigt. Demnach könnte ausreichender Schlaf als präventive Maßnahme gegen Übergewicht dienen.

Der moderne Lebensstil mit ausgedehnten Zeiten vor Fernseher und Computer sowie Schichtarbeit birgt die Gefahr der Störung des Tagesrhythmus und des Schlafmangels. Nationalen Empfehlungen zufolge sollten Erwachsene im Alter von 18–64 Jahren 7–9 Stunden täglich schlafen. Weniger als durchschnittlich sechs Stunden Schlaf täglich stehen im Verdacht, das Wohlbefinden und möglicherweise die Gesundheit zu beeinträchtigen.

Konsistente Daten zur minimalen und optimalen Schlafdauer fehlen, jedoch gibt es eine Reihe von Beobachtungsstudien, die einen Zusammenhang zwischen der Schlafdauer und einer Gewichtszunahme oder nichtübertragbaren Krankheiten nahelegen. Ob dies durch eine erhöhte Energieaufnahme oder durch reduzierte Energieausgaben verursacht wird, ist bislang unklar.

Aus fünf Literaturdatenbanken wurden anhand einer definierten Suchstrategie relevante Publikationen gewonnen, in denen bei gesunden Erwachsenen Zusammenhänge von Schlafmangel mit der Energiebalance untersucht worden waren. Ein kompletter Schlafentzug wurde nicht in die Analyse einbezogen, da dieser eine Extremsituation darstellt.

Die Daten für eine tägliche Energie- oder Nährstoffaufnahme sowie zum Energieverbrauch wurden extrahiert und mit der Schlafdauer in Beziehung gesetzt.

16 Studien mit 496 Probanden zwischen 18 und 50 Jahren (222 Männer/244 Frauen/30 unbekannt) wurden ausgewählt. Elf von ihnen gingen in die Meta-Analyse ein: Zehn von ihnen enthielten Daten zur Energieaufnahme, fünf zum Energieverbrauch, sieben betrachteten die Nährstoffaufnahme und vier den Ruheumsatz. Die meisten Untersuchungen fanden im Schlaflabor statt, zwei waren gemischt, und zwei in normalen Lebenssituationen. Die längsten Interventionen wurden über zwei Wochen hinweg durchgeführt, in der Regel dauerten sie jedoch weniger als eine Woche an. In drei Studien wurden nur für eine Nacht die Auswirkungen eines akuten Schlafmangels untersucht. Schlafmangel wurde durch eine Schlafdauer von 3,5 bis 5,5 Stunden bzw. durch eine Verkürzung auf zwei Drittel der gewohnten Zeit verursacht, als Kontrollgruppe dienten Probanden, die sieben bis zwölf Stunden schliefen.

Die Meta-Analyse der fünf Studien, die Zusammenhänge zwischen Schlafmangel und dem Energieverbrauch untersuchten, ergaben keine signifikanten Ergebnisse (n = 146; 88 kcal; 95% CI: −21/198; P = 0,11). Daten aus zehn Studien mit 346 Probanden zeigten hingegen einen signifikanten Anstieg der Energieaufnahme bei Schlafmangel um durchschnittlich 385 kcal pro Tag (95% CI: 252/517; P < 0,0001). Eine Sensitivitätsanalyse ergab sowohl bei randomisierten (364 kcal; 95% CI: 191/538; P < 0,0001) als auch nicht-randomisierten Untersuchungen (411 kcal; 95% CI: 165/657; P = 0,001) ähnliche Ergebnisse. Unter Schlafmangel wurde durchschnittlich 1,6% mehr Energie aus Fett aufgenommen als bei Probanden aus der Kontrollgruppe (95% CI: 0,3/2,9; P = 0,02), die Signifikanz ging bei der Sensitivitätsanalyse jedoch verloren. Die Teilnehmer mit Schlafmangel zeigten eine geringere Energieaufnahme aus Protein (−0.8% der Energie; 95% CI: −1,5/−0,1; P = 0,02). Dieser Effekt blieb nur bei den nicht-randomisierten Studien erhalten. Die Aufnahme von Kohlenhydraten veränderte sich durch Schlafmangel nicht signifikant. Bei 122 Probanden waren die Auswirkungen von Schlafmangel auf den Ruheumsatz untersucht worden. Dieser unterschied sich zwischen der Interventions- und der Kontrollgruppe jedoch nicht.

Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass sich die Energieaufnahme bei Schlafmangel deutlich steigert, während der Energieverbrauch unverändert bleibt. Dies kann zu einer positiven Energiebalance führen, die mit einer Steigerung des Körpergewichts einhergeht. Da die zugrundeliegenden Untersuchungen nur maximal zwei Wochen dauerten, sind für eine Beurteilung der Effekte von chronischem Schlafmangel auf das Körpergewicht Langzeitbeobachtungen erforderlich.

Die Autoren vermuten, dass die höhere Energieaufnahme hedonistisch bedingt ist: Durch die Nahrungsaufnahme werden Belohnungszentren im Gehirn aktiviert, wodurch die Auswirkungen des Schlafmangels gemindert oder verdrängt werden könnten. Dafür würde auch die beobachtete vermehrte Aufnahme von Fett sprechen. Um dies zu untermauern, wären weitere Studien unter normalen Lebensbedingungen in der häuslichen Umgebung erforderlich.

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Quellen: 
Al Khatib HK1, Harding SV1, Darzi J1, Pot GK1,2; gerda.pot@kcl.ac.uk

1Diabetes and Nutritional Sciences Division, School of Life Sciences and Medicine, King's College London, London, UK; 2VU University Amsterdam, Health and Life, Faculty of Earth and Life Sciences, Amsterdam, Netherlands

Eur J Clin Nutr. 2017 May;71(5):614-624. doi: 10.1038/ejcn.2016.201

 


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