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Von: - Ausgabe 5/2017 Beitrag Nr. 2

Everybody Brush! – Ein US-amerikanisches Kariespräventionsprogramm

Zweimal täglich betreutes Zähneputzen mit fluoridierter Zahnpasta ist eine effektive und weithin empfohlene Strategie zur Vorbeugung von Karies bei Kindern. Bisherige Untersuchungen deuten an, dass einkommensschwache Bezugspersonen die Empfehlung kennen, aber besonders in dem Alter, in dem ihre Kinder Widerstand leisten oder selbst ihre Zähne putzen wollen, von Hilfestellungen bei der Gesundheitserziehung profitieren würden. Durch die kostenlose Bereitstellung von Zahnpflegeprodukten sowie gedruckten Informationen und Sprachnachrichten sollten Verhaltensänderungen bewirkt werden. Die Zufriedenheit mit dem Programm von Betreuungspersonen mit Kindern im Alter bis 36 Monate wurde evaluiert. Besonders die Bereitstellung der Zahnpflegeutensilien wurde von den Teilnehmern sehr positiv bewertet.

Täglich zweimaliges Zähneputzen mit fluoridierter Zahncreme hat über die letzten Jahrzehnte das Auftreten von Karies deutlich reduziert. Aufgrund der positiven Effekte des Fluorids wird das zweimalige tägliche Zähneputzen offiziell für Kinder aller Altersgruppen empfohlen. Obwohl die Empfehlung in der Bevölkerung allgemein bekannt ist, wird sie nicht von allen Eltern umgesetzt. Ob die Kinder eine optimale Zahnpflege erhalten, hängt hauptsächlich von dem Wissen und den Fähigkeiten ihrer Eltern bzw. Betreuungspersonen ab.

Hemmnisse sind vor allem Unsicherheit darüber, ab wann und mit welcher Zahnpasta die Zahnpflege durchzuführen ist, Kosten für die Pflegeutensilien sowie Widerstand des Kindes. Präventionsmaßnahmen in anderen Ländern, bei denen Zahnpflegesets zur Verfügung gestellt wurden, führten dazu, dass mehr Kinder ihre Zähne täglich zweimal putzten. Noch bessere Erfolge wurden erzielt, wenn zusätzlich eine Wissensvermittlung stattfand. Die Vorteile solcher Maßnahmen wurde nun mit Hilfe des mobilen Gesundheitsfürsorgeprogramm „Everybody Brush!“ näher untersucht, das regelmäßige Lieferungen von Zahnpflegeprodukten sowie gedruckte Informationen und Sprachnachrichten umfasste.

Ziel der randomisierten Kontrollstudie war es, den Zahnverfall bei Kindern und Jugendlichen aus einkommensschwachen Familien durch Verhaltensänderungen bei der Zahnpflege zu minimieren. In drei ländlichen Gegenden Oregons wurden alle Familien mit Kindern im Alter von einem bis 21 Jahren zur Teilnahme eingeladen, die ihre Gesundheitsfürsorge über Medicaid, einem Programm für Personenkreise mit geringem Einkommen, erhielten. Dies waren 12-19 % der Kinder bis 21 Jahre in diesen Bezirken.

Um die gewünschte Routine zu etablieren wurden alle drei Monate kostenlos Zahnputzutensilien zur Verfügung gestellt. Die Sets enthielten mehrere Tuben Zahnpasta, drei Zahnbürsten für Erwachsene, drei für Kinder in verschiedenen Größen sowie eine kindgerechte Erinnerungsnotiz mit visuellen Instruktionen, die an einem Spiegel oder glatten Oberflächen befestigt werden konnte.

Als gedruckte Information oder Sprachnachricht jeweils in englischer oder spanischer Sprache wurden weitere Hinweise zur Wissensvermittlung und Motivation gegeben. Die Tipps sollten helfen, Barrieren zu überwinden, beispielsweise dass es keine extra Zeit kostet, den Kindern ihre Zähne zu putzen, während sie in der Badewanne sind. Gedruckte Informationen mit Verweisen auf Videos wurden über neun Monate hinweg alle zwei Wochen zur Verfügung gestellt. Zudem wurde zweisprachige telefonische Hilfe durch geschulte Mitarbeiter angeboten.

Die Studienteilnehmer wurden nach dem Zufallsprinzip drei Gruppen zugeordnet: Die Testgruppe erhielt alle oben beschriebenen Hilfestellungen. Eine aktive Kontrollgruppe erhielt nur die Zahnpflegesets, und bei der Wartelistengruppe erfolgten keine Interventionen. In der Testgruppe befanden sich 10.797 Familien, in der aktiven Kontrollgruppe 10.796 und auf der Warteliste 150.

Vor und nach der Intervention wurden telefonische Befragungen (englisch/spanisch) mit den Betreuungspersonen von Kindern im Alter bis 36 Monate durchgeführt, in denen der Erfolg der Interventionsmaßnahmen und die Zufriedenheit der Teilnehmer mit dem Programm erfragt wurden.

Positive Rückmeldungen zu „Everybody Brush!“

49,6 % der Betreuungspersonen nahmen an den beiden Befragungen vor und nach Intervention teil. 90 % der Teilnehmer hatten die Zahnpflegesets erhalten. Aus der Testgruppe hatten 84 % der Kinder die Zahnbürsten und 78 % die Zahnpasta verwendet, in der aktiven Kontrollgruppe waren es 95 bzw. 89 %.

Auch die Betreuungspersonen selbst hatten die Utensilien verwendet, in der Testgruppe hatten 70 % die Zahnbürsten und 61 % die Zahncreme benutzt, in der aktiven Kontrollgruppe 84 bzw. 76 %. Zwischen beiden Gruppen wurden keine signifikanten Unterschiede gefunden.

In beiden Gruppen wurden die Bereitstellung der Zahnpflege-Sets sehr gut beurteilt (auf einer Skala von 0-10 mit > 9,4 bis 9,6, SD 1,2-1,8). In der Testgruppe wurden die gedruckten Materialien als sinnvoll betrachtet (Skala von 1-10: 7,2; SD 3,6), die Sprachnachrichten schnitten geringfügig schlechter ab (6,4; SD 3,9).

Insgesamt beurteilten die Studienteilnehmer beider Gruppen ihre Zufriedenheit mit dem Programm mit 9,5 von 10 Punkten (SD 1,1/0,9).

Geringe Kosten trotz kostenloser Bereitstellung von Zahnpflegeprodukten

Die direkten Kosten der Intervention beliefen sich auf 45,50 US$ in der Testgruppe und 37,62 US$ in der aktiven Kontrollgruppe in neun Monaten. Pro Kind waren es 10,60 bzw. 9,41 US$. In der Testgruppe kamen weitere 5,41 US$ für die gedruckten und 1,48 US$ für die Sprachnachrichten hinzu.

52 % der 6-9-Jährigen dieser Studie hatten mindestens eine Kavität und 20 % eine unbehandelte Karies. Die Kosten für eine Zahnfüllung oder Extraktion übersteigen die Kosten für die hier verwendeten Interventionsmaßnahmen etwa um das Vier- bis Zehnfache. Trotz der Bereitstellung kostenloser Utensilien könnte sich die Präventionsmaßnahme demnach leicht rentieren und gleichzeitig komplexe Therapien und Schmerzen vermeiden helfen.

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Quellen: 
Cunha-Cruz J1, Huebner CE2, Ludwig S3, Dysert J3, Mitchell M3, Allen G3, Shirtcliff RM3, Scott JM4, Milgrom P1; dfrc@uw.edu

1Department of Oral Health Sciences, University of Washington, Seattle, WA, United States; 2Department of Health Services, University of Washington, Seattle, WA, United

States; 3Advantage Dental Services, LLC, Redmond, OR, United States; 4Research and Graduate Programs, University of Missouri-Kansas City, Kansas City, MO, United States.

Front Public Health. 2017 Sep 27;5:264. doi: 10.3389/fpubh.2017.00264


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