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Von: - Ausgabe 5/2017 Beitrag Nr. 1

Die Mundgesundheit dänischer Jugendlicher zeigt soziale Ungleichgewichte

Zwischen 1995 und 2013 ist Zahnkaries bei dänischen Jugendlichen stark zurückgegangen. Benachteiligte soziale Gruppen profitierten von diesem Fortschritt jedoch weniger stark als sozial besser gestellte Jugendliche. In dieser groß angelegten Untersuchung zeigte sich, dass soziale Ungleichheiten sich weiterhin auf die Mundgesundheit auswirkten: Sowohl der Bildungsgrad der Eltern, ihre berufliche Stellung als auch das Familieneinkommen waren negativ mit dem Kariesindex ihrer jugendlichen Kinder assoziiert. Relativ gesehen waren die sozialen Gradienten seit 1995 angestiegen.

Trotz guter Gesundheitsversorgung gibt es auch in skandinavischen Ländern Unterschiede in der Mundgesundheit zwischen sozialen Schichten. In Dänemark wurde dies bereits 1941 erstmals beschrieben. 1972 wurde in Dänemark eine kostenlose zahnmedizinische Vorsorge und Behandlung für Kinder und Jugendliche eingeführt. Die Versorgung an Schulen stiegt seitdem von 33 % auf 100 % im Jahr 1993 an. Im selben Zeitraum nahm die Karieserfahrung bei Kindern und Jugendlichen deutlich ab. Trotz dieser positiven Entwicklung bestehen nach wie vor Unterschiede in der Mundgesundheit, die mit der sozioökonomischen Position (SEP) in Verbindung gebracht werden. Wie sich die Ungleichheiten im Lauf der Zeit verändert haben, ist jedoch nicht im Detail bekannt. Trends in der Entwicklung der Mundgesundheit bei 15-Jährigen zwischen 1995 und 2013 und etwaige soziale Gradienten wurden deshalb von den Autoren dieser Studie näher untersucht.

Grundlage der landesweiten Querschnittsstudie waren die Daten aller 15-Jährigen der Jahre 1995, 2003 und 2013. Zahnmedizinische Daten von insgesamt 154.750 Jugendlichen wurden dem nationalen zahnärztlichen Register der dänischen Gesundheitsbehörde (Sundhedsstyrelsens Centrale Odontologiske Register SCOR) entnommen, Daten zu sozialen Parametern entstammten den Verwaltungsregistern von Statistics Denmark.

Variablen der sozioökonomischen Position waren der Bildungsgrad und die Berufsgruppe der Eltern sowie das Familieneinkommen (verfügbares Äquivalenzhaushaltseinkommen). Als Kovariablen wurden Einwanderungsstatus, Herkunftsland, Anzahl der Kinder und Personen in der Familie sowie der Haushaltstyp berücksichtigt. Für die Beurteilung der Mundgesundheit wurde der Kariesindex DMFS hinzugezogen, der sich aus der Anzahl der verfallenen, fehlenden und gefüllten Zahnoberflächen zusammensetzt.

Entwicklung der Kariesprävalenz zwischen 1995 und 2013

Die Kariesprävalenz sank von 71 % im Jahr 1995 über 63 % im Jahr 2003 auf 45 % im Jahr 2013. Auch der mittlere Kariesindex ging zurück: 1995 betrug er noch 4,4, 2003 war der durchschnittliche DMFS 3,3 und 2013 nur noch 1,4.

Soziale Ungleichheiten der Kariesprävalenz 2013

Der mittlere Kariesindex ging in allen sozialen Schichten zurück, am geringsten war er bei Kindern dänischer oder westlicher Eltern, männlichen Kindern und bei Kindern, die mit beiden Elternteilen zusammenlebten. Auch Jugendliche aus Familien der höchsten Einkommensgruppe oder aus Familien, in denen ein Elternteil der Gruppe mit höchstem Bildungsgrad angehörte, wiesen geringere DMFS-Werte auf. Z. B. war 2013 die Karieserfahrung von Kindern bildungsferner Eltern mehr als doppelt so hoch wie die von Kindern, bei denen mindestens ein Elternteil sehr gut ausgebildet war (2,04; 95 % CI: 1,47-2,5). Auch eine niedrigere berufliche soziale Klasse war mit einer bis zu 2,4-fach höheren Karieserfahrung assoziiert (95 % CI: 2,2-2,6).

Trends der Kariesprävalenz seit 1995

Relativ gesehen nahm die soziale Ungleichheit in Bezug auf den Bildungsgrad und die Berufsklasse der Eltern sowie das Einkommen von 1995 bis 2013 zu. In absoluten Zahlen war der soziale Gradient hinsichtlich Bildungsgrad und Berufsstand der Eltern leicht geschrumpft. Beim Einkommen waren die sozialen Unterscheide zwischen 1995 und 2013 deutlich gewachsen, besonders stark war dieser Trend zwischen 1995 und 2003. Auch unter Berücksichtigung aller Kovariablen blieben die Trends erhalten.

Die Unterschiede zwischen der relativen und absoluten Entwicklung sind durch die generell deutlich gesunkene Kariesprävalenz binnen dieses Zeitraums erklärbar und deuten an, dass Jugendliche aus Familien mit hohem sozialen Status stärker bzw. schneller von der positiven Entwicklung profitieren als ihre Altersgenossen aus Familien mit geringerem Bildungsstand, niedrigem beruflichem Status oder Familieneinkommen.

Fazit

In Dänemark hat die Karieserfahrung bei Jugendlichen innerhalb von 18 Jahren deutlich abgenommen. Dennoch hängt die Mundgesundheit der Jugendlichen trotz umfassender Präventionsmaßnahmen an Schulen vom sozialen Status ihrer Eltern ab. Obwohl die zahnmedizinische Versorgung für Kinder kostenlos ist, nahmen die relativen Ungleichheiten zwischen 1995 und 2013 zu. Fortschritte in der Kariesprävention wirken sich somit nicht auf alle sozialen Schichten der dänischen Gesellschaft gleichermaßen aus. Durch die Messung des Sozialstatus der Eltern könnten kariesanfällige Kindern identifiziert und speziellen Präventionsmaßnahmen zugeführt werden.

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Quellen: 
Sengupta K1,2, Christensen LB2, Mortensen LH1,3, Skovgaard LT4, Andersen I1; kase@sund.ku.dk 

1Section of Social Medicine, Department of Public Health, Faculty of Health and Medical Sciences, University of Copenhagen, Copenhagen, Denmark. 2Department of Odontology, Faculty of Health and Medical Sciences, University of Copenhagen, Copenhagen, Denmark. 3Methods and Analysis, Statistics Denmark, Copenhagen, Denmark. 4Section of Biostatistics, Department of Public Health, Faculty of Health and Medical Sciences, University of Copenhagen, Copenhagen, Denmark.

Community Dent Oral Epidemiol. 2017 Oct;45(5):458-468. doi: 10.1111/cdoe.12310


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