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Von: - Ausgabe 2/2018 Beitrag Nr. 2

Frühkindliche Karies erzeugt Schuldgefühle bei Eltern

Eltern von zwei- bis vierjährigen Kindern in einer brasilianischen Region mit hoher Prävalenz für frühkindliche Karies werden zu 24 % von Schuldgefühlen wegen der Mundgesundheit ihrer Kinder geplagt. Die Schuldgefühle waren besonders ausgeprägt, wenn die Eltern Zahnprobleme bei ihren Kindern vermuteten, wenn sie glaubten, dass das Problem hätte vermieden werden können und wenn tatsächlich Dentalkaries bei ihren Kindern diagnostiziert wurde.

Auftreten von Karies bei Kindern

Dentalkaries ist eine weltweit verbreitete Krankheit. Bei Kindern bis sechs Jahren und Befall des Milchzahngebisses spricht man von frühkindlicher Karies. Obwohl die Prävalenz frühkindlicher Karies im Allgemeinen international stark zurückgegangen ist, gibt es in manchen lateinamerikanischen Gemeinden noch hohe Erkrankungsraten. Beispielsweise sank die Prävalenz in Diadema (Bundesstatt Sao Paulo, Brasilien) von 34,9 % im Jahre 1977 auf 23,5 % im Jahr 2008.

Frühkindliche Karies wirkt sich auf das Familienleben aus

Frühkindliche Karies beeinträchtigt die Lebensqualität von Kindern und Eltern. Viele Eltern fühlen sich schuldig, weil ihre Kinder erkrankt sind, was sich innerhalb der Familie negativ auswirken kann. Welche Faktoren dazu beitragen und wie diese sich psychologisch auswirken war Gegenstand dieser Studie.

Befragung von Eltern und klinische Untersuchung ihrer Kinder

Diadema ist eine mittelgroße brasilianische Stadt mit knapp 400.000 Einwohnern. Die Akzeptanz des nationalen Impftages ist in Diadema sehr hoch und führt zu einer Teilnehmerquote von mehr als 94 %. Deshalb wurden in 16 Gesundheitszentren im Rahmen der Impfung an diesem Tag 1.313 Eltern-Kind-Paare als Probanden für die Studie akquiriert. Gesunde Kinder im Alter von zwei bis vier Jahren nahmen mit ihren Eltern freiwillig teil. Die Eltern beantworteten in einem persönlichen Interview Fragen zu sozioökonomischen und demografischen Faktoren sowie zu psychologischen Variablen bei dentalen Problemen ihrer Kinder. Währenddessen wurden die Kinder zahnmedizinisch untersucht. 16 Zahnärzte beurteilten die Mundhygiene, frühkindliche Karies, dentale Fehlstellungen und traumatische Verletzungen. Zusammenhänge wurden in einem hierarchischen multivariaten Regressionsmodell näher untersucht.

Schlechte Mundhygiene und hohe Kariesprävalenz bei brasilianischen Kleinkindern

Die Mundhygiene wurde bei 54,2 % der Kinder als schlecht eingestuft, und 26,3 % hatten mindestens einen kariösen Zahn. Die Mehrzahl der Eltern hatten mehr als acht Jahre Schulbildung (66,8 % der Mütter und 59,9 % der Väter), das Familieneinkommen war im Durchschnitt aber gering (63,8 %).

Gründe für Schuldgefühle bei den Eltern

24 % der Eltern fühlten sich wegen der oralen Probleme ihrer Kinder schuldig. Von ihnen waren 82 % der Meinung, dass die Probleme hätten vermieden werden können. 54 % der betroffenen Eltern waren der Meinung, dass Dentalkaries das Hauptproblem ihrer Kinder sei. 30 % glaubten, dass eine gesündere Ernährung die Probleme vermieden hätte, 34 % waren der Meinung, dass eine bessere Zahnpflege vonnöten gewesen wäre, und 21 % mutmaßten, dass häufigere Zahnarztbesuche geholfen hätten. Nur 68 % der Kinder von Eltern, die Zahnprobleme vermuteten, waren tatsächlich von Karies, Malokklusion oder Trauma betroffen.

Statistische Ergebnisse

Im bivariaten Regressionsmodell waren signifikante Zusammenhänge zwischen Schuldgefühlen der Eltern und folgenden Variablen zu beobachten: dem Alter des Kindes, der Vermutung von Zahnproblemen bei den Kindern, der Annahme der Eltern, dass dies hätte vermieden werden können sowie dem Schweregrad frühkindlicher Karies. In multivariaten Regressionsanalysen waren die Annahme der Eltern, ihr Kind habe Zahnprobleme, die Annahme der Eltern, dass dies hätte vermieden werden können sowie der Schweregrad frühkindlicher Karies mit den Schuldgefühlen bei den Eltern assoziiert.

Deutungen der Schuldgefühle

Zwischen Scham und Schuld wurde im Rahmen dieser Studie nicht unterschieden. Schuldgefühle beziehen sich in der Regel auf (ggf. unterlassene) Handlungen. Dafür spricht, dass 82 % der Eltern der Meinung waren, dass die Probleme hätten vermieden werden können. D. h. sie waren der Meinung, das Problem durch ihre falsche Handlungsweise hervorgerufen zu haben, indem sie keine oder unzureichende Präventionsmaßnahmen ergriffen haben. Die Schuldgefühle der Eltern zeigten keine Zusammenhänge zu sozioökonomischen Faktoren. Dies spricht dafür, dass die Eltern genügend Kenntnisse hinsichtlich einer guten Mundhygiene hatten, diese aber vermutlich nicht ausreichend in aktive vorbeugende Maßnahmen umsetzen konnten.

Fazit

In einer brasilianischen Kohorte von zwei- bis vierjährigen Kindern wurden eine schlechte Mundhygiene sowie frühkindliche Karies mit hoher Prävalenz beobachtet. 24 % aller Eltern machten sich Selbstvorwürfe wegen der Mundhygiene ihrer Kinder. Diese Schuldgefühle waren signifikant mit der Annahme der Eltern, ihr Kind habe Zahnprobleme sowie der Annahme, dass dies hätte vermieden werden können und dem Schweregrad frühkindlicher Karies assoziiert.

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Quellen: 

Carvalho TS1, Abanto J2, Pinheiro ECM3, Lussi A1, Bönecker M2; thiago.saads@zmk.unibe.ch

1Department of Preventive, Restorative and Pediatric Dentistry, University of Bern, Bern, Switzerland; 2Department of Pediatric Dentistry and Orthodontics, Dental School, University of São Paulo-USP, São Paulo, Brazil; 3Private Practice, Biel/Bienne, Switzerland.

Int J Paediatr Dent. 2018 Jan;28(1):23-32. doi: 10.1111/ipd.12306


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