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Von: - Ausgabe 3/2018 Beitrag Nr. 4

Ein niedriges Geburtsgewicht geht mit einer veränderten Fettaufnahme im Kindesalter einher

Perinatale Programmierung könnte ein zusätzlicher entscheidender Faktor bei der Entstehung von Übergewicht und Adipositas sein. Dies vermuten die Autoren dieser kanadischen Studie, die bei Jungen Assoziationen zwischen einem niedrigen Geburtsgewicht und einer erhöhten Energiedichte der Nahrung im Kindesalter beobachteten. Der Effekt war durch die Fettaufnahme vermittelt und könnte ein möglicher Faktor für die Entstehung von Übergewicht sein.

Hypothesen zum Geburtsgewicht und späteren Erkrankungen

Der Zusammenhang zwischen dem Geburtsgewicht und der Entwicklung chronischer nichtübertragbarer Krankheiten im Erwachsenenalter ist gut belegt. Die „Thrifty Phenotype Hypothese“ beschreibt, dass Kinder mit niedrigem Geburtsgewicht oder intrauteriner Wachstumsverzögerung im Laufe ihres Lebens häufiger an kardiovaskulären Erkrankungen, Typ-2-Diabetes und metabolischem Syndrom erkranken. Als Gründe dafür werden biochemische, hormonelle und strukturelle Ursachen genannt, die eine entsprechende Programmierung hervorrufen. Aber auch Kinder mit hohem Geburtsgewicht tragen ein höheres Risiko für Fettleibigkeit und Stoffwechselerkrankungen, was der „Pederson-Hypothese“ nach durch fetale Überernährung und frühe Fettansammlung verursacht wird.

Welche Faktoren könnten das Essverhalten von Kindern beeinflussen?

Das Essverhalten von Kindern wird durch genetische und umweltbedingte Faktoren beeinflusst. Wichtige Parameter sind das Verhalten der Eltern, Organisation und Art der Ernährung, Reaktionen der Eltern auf das kindliche Verhalten sowie die Wahrnehmung der Eltern bezüglich des kindlichen Wachstums und Appetits. Das Verständnis der Faktoren, die zur Entwicklung ungesunden Essverhaltens beitragen, ist ein wichtiger Schritt zur Förderung eines gesünderen Lebensverlaufs.

Die Autoren hatten zuvor bei Vorschulkindern und Erwachsenen, die mit einem niedrigen Geburtsgewicht geboren wurden, bereits veränderte Ernährungsgewohnheiten festgestellt. Für Zusammenhänge zwischen einer intrauterinen Wachstumsverzögerung und der Präferenz für bestimmte Makronährstoffe bei Kindern fehlten jedoch noch Belege. Deshalb untersuchten die Autoren dieser Studie, ob das Geburtsgewicht mit einer erhöhten Energieaufnahme und/oder einer besonderen Präferenz für bestimmte Makronährstoffe im Alter von 6–12 Jahren assoziiert ist.

Ein niedriges Geburtsgewicht begünstigt spätere spezifische Nahrungsvorlieben

Assoziationen zwischen dem Geburtsgewicht und einer unterschiedlichen Aufnahme von Fett, Kohlenhydraten und/oder Protein im Alter von 6–12 Jahren wurden mit Hilfe einer Befragung von 255 Erziehungsberechtigten untersucht. Dabei wurden anthropometrische und demographische Daten sowie Angaben zu Regeln beim Essen und der Nahrungsaufnahme im vorangegangenen Monat gesammelt.

Das Geburtsgewichtsverhältnis (Birth Weight Ratio, BWR) beschreibt das beobachtete Geburtsgewicht, dividiert durch das mittlere Geburtsgewicht für das Gestationsalter. Es zeigte bei Jungen eine statistisch signifikant negative Assoziation mit der Energiedichte. Zusammenhänge mit einzelnen Makronährstoffen waren nur für Fett zu beobachten, was andeutet, dass die statistisch signifikante Korrelation der Energiedichte mit dem Geburtsgewichtsverhältnis durch die Fettaufnahme vermittelt war. Der relative Unterschied in der Fettaufnahme zwischen dem niedrigsten und höchsten Geburtsgewichtverhältnis wurde auf 9 % geschätzt (2,4 % der Energieaufnahme).

Bei den Mädchen zeigte sich im Gegensatz dazu eine positive statistisch signifikante Assoziation zwischen dem Geburtsgewichtsverhältnis und der Fettaufnahme, ein Effekt, der unter Berücksichtigung der Kovariablen Alter, Familieneinkommen und Alter der Mutter bei Geburt allerdings verloren ging. Die demographischen Daten und Essensregeln unterschieden sich zwischen den Geschlechtern jedoch nicht.

Fazit

Die Studie zeigt, dass ein niedriges Geburtsgewicht geschlechtsspezifisch mit einer im Verhältnis zur Gesamtenergie veränderten prozentualen Fettaufnahme im Kindesalter einhergeht.

Die Autoren vermuten, dass biologische Faktoren an diesem Prozess beteiligt sind, z. B eine fetale Programmierung von homöostatischen und/oder hedonischen Signalwegen, die die Nahrungsvorlieben bei Jungen beeinflussen. Die Vulnerabilität der Jungen hinsichtlich ihres Ernährungsverhaltens in Verbindung mit dem erhöhten Risiko für Fettleibigkeit und metabolische Erkrankungen im weiteren Lebensverlauf könnte das Geburtsgewicht zu einem wichtigen Element in der klinischen Praxis machen.

 

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Bischoff AR1, Portella AK2, Paquet C3, Dalle Molle R4, Faber A2, Arora N5, Levitan RD6, Silveira PP7, Dube L2;

1Department of Pediatrics, Division of Neonatology, Hospital for Sick Children, University of Toronto, Toronto, ON, M5G 1X8, Canada; 2McGill Center for the Convergence of Health and Economics, Desautels Faculty of Management, McGill University, Montreal, QC, H3A 1G5, Canada; 3School of Health Sciences, Centre for Population Health Research, University of South Australia, Adelaide, SA 5001, Australia; 4Programa de Pós-Graduação em Saúde da Criança e do Adolescente, Faculdade de Medicina, Universidade Federal do Rio Grande do Sul, Porto Alegre, RS, 90035003, Brazil; 5The INCLEN Trust, New Delhi, 110020, India; 6Institute of Medical Science, University of Toronto, ON, M5S 1A8, Canada; 7Department of Psychiatry, McGill University, Montreal, QC, H3A 1A1, Canada;

m-hattori@aoni.waseda.jp, kenya@keio.jp

Br J Nutr. 2018 Jun;119(11):1295-1302. doi: 10.1017/S0007114518000892


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