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Von: - Ausgabe 3/2018 Beitrag Nr. 1

Mundgesundheit: Unterschiede zwischen Stadt und Land

In einer kanadischen Querschnittsstudie wurde der Einfluss des Wohnortes auf die Mundgesundheit untersucht. Dabei stellten die Forscher fest, dass sich Einwohner aus ländlichen Gegenden durch ihre Mundgesundheit eher in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt fühlten als Städter. Sie klagten häufiger über Schmerzen sowie psychische und soziale Belastung durch orale Probleme. Die Autoren schlussfolgern, dass ein Bedarf an speziellen Präventionsmaßnamen für die ländliche Bevölkerung besteht.

Auf dem Land ist die zahnmedizinische Versorgung häufig schlechter

Nicht nur individuelle Unterschiede, sondern auch der Wohnort und kulturelle Merkmale können die Gesundheit nachhaltend beeinflussen. Dies trifft auch auf die Mundgesundheit zu, auf die neben prädisponierenden Faktoren auch die Zahnpflege und vorhandene Ressourcen Einfluss nehmen. In diesem Kontext wurde bereits gezeigt, dass Unterschiede zwischen ländlichen und städtischen Gebieten bestehen, z. B. bedingt durch geographische Abgeschiedenheit, sozioökonomische Benachteiligung und unzureichendem Zugang zu zahnmedizinischer Versorgung. Weltweit haben Studien aus verschiedenen Ländern gezeigt, dass Menschen, die in ländlichen Gebieten leben, mit ihrer Mundgesundheit weniger zufrieden sind und eine höhere Rate an unbehandelter Zahnkaries, Parodontitis und Zahnverlust haben. Darüber hinaus stehen ländlichen Bewohner weniger Präventionsprogramme mit gesundheitsfördernden Maßnahmen zur Verfügung. Die Inanspruchnahme von Gesundheitsdienstleistungen ist jedoch eine wichtige Determinante der Mundgesundheit. Die Benachteiligung der ländlichen Bevölkerung erklärt sich hauptsächlich durch die geringere Dichte an zahnmedizinischen Fachkräften in ländlichen und abgelegenen Gebieten. Beispielsweise waren in der Provinz Quebec 2009/10 etwa 90,3 % der zahnmedizinischen Arbeitskräfte in städtischen Gebieten tätig, in abgelegenen ländlichen Gebieten fanden sich dagegen nur 0,3 % der Praxen.

Allgemeine Unterschiede zwischen der Stadt- und Landbevölkerung

Mittels eines validierten Fragebogens wurden Daten von 1.788 Bezugspersonen von Schulkindern aus acht Regionen der Provinz Quebec gesammelt. 333 (18,6 %) von ihnen stammten aus ländlichen und 1455 (81,4 %) aus städtischen Gebieten.

Im Vergleich zu Bewohnern aus städtischen Gebieten hatten die Landbewohner ein niedrigeres Bildungsniveau, eine niedrigere Beschäftigungsquote und ein niedrigeres Einkommen (jeweils p < 0,001).

Nutzung zahnmedizinischer Dienste auf dem Land

In Bezug auf die Nutzung der zahnärztlichen Versorgung gab es keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen ländlichen (82,3 %) und städtischen Einwohnern (86,3 %; p = 0,124); Verglichen mit den Städtern hatten die Bewohner des ländlichen Raums jedoch seltener einen Zahnarzt für Routineuntersuchungen (p = 0,03) aufgesucht, und nur halb so viele der ländlichen Bewohner wie die in der Stadt hatten eine zahnmedizinische Versicherung (p < 0,001). Für die ländlichen Bewohner war die Entfernung, die zu einer Zahnpraxis zurückgelegt wurde, etwa 1,5-mal größer (p < 0,001).

Die Mundgesundheit beeinträchtigt die Lebensqualität stärker bei ländlichen Bewohnern

Insgesamt war ein deutlicher Unterschied an negativen Einflüssen auf die Mundgesundheit bei ländlichem Wohnort zu beobachten (p = 0,02). Im Vergleich zu Stadtbewohnern berichteten Landbewohner von einer signifikant höheren Prävalenz negativer Auswirkungen auf die Mundgesundheit in den Bereichen Schmerzen, psychische Beschwerden und soziale Nachteile (p < 0,05).

Weitere Zusammenhänge zwischen einer durch die Mundgesundheit negativ beeinflussten Lebensqualität fanden sich zu prädisponierenden Variablen (Geburtsort, Muttersprache, Familienstand, Bildung, Beruf, Rauchen, allgemeine Gesundheit, eigene Einschätzung der Mundgesundheit), zu Ressourcen (Einkommen, Krankenversicherung, Art der Klinik/Praxis sowie Schwierigkeiten, einen Zahnarzt zu finden) und dem Grund, warum zahnärztliche Dienstleistungen in Anspruch genommen wurden.

Eine durch die Mundgesundheit eingeschränkte Lebensqualität war signifikant mit dem Aufenthaltsort korreliert (OR = 1,6; 95% CI = 1,1-2,5; p = 0,022). Sie trat häufiger bei Personen mit zahnärztlichem Behandlungsbedarf auf (OR = 8,7; 95 % CI = 4,8–15,6; p < 0,001), sowie bei einer als schlecht wahrgenommenen Mundgesundheit (OR = 9,4; 95 % CI = 5,7–15,5; p < 0,001) und niedrigerem Bildungsniveau (OR = 2,7; 95 % CI = 1,8– 3.9; p < 0,001).

Schlussfolgerung

Die Ergebnisse legen eine Notwendigkeit nahe, Strategien zur Förderung der Mundgesundheit für ländliche Regionen zu entwickeln. Dafür ist die Zusammenarbeit von staatlichen Stellen, Gesundheitspolitikern und Fachleuten für Mundgesundheitspflege erforderlich, um zahnmedizinische Dienste, pädagogische Interventionen und bedarfsorientierte Strategien zu implementieren, die auf benachteiligte Bevölkerungsgruppen zugeschnitten sind.

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Gaber A1,2, Galarneau C2, Feine JS1, Emami E1,2,3; elham.emami@umontreal.ca

1Faculty of Dentistry, McGill University, Montréal, QC, Canada; 2Faculty of Dentistry, Université de Montréal, Montréal, QC, Canada; 3School of Public Health, Public Health Research Institute, CRCHUM, Université de Montréal, Montréal, QC, Canada.

Community Dent Oral Epidemiol. 2018 Apr;46(2):132-142. doi: 10.1111/cdoe.12344.


IME