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Von: - Ausgabe 4/2018 Beitrag Nr. 3

Dysbiose des Zungen-Mikrobioms könnte bei älteren Menschen Atemwegserkrankungen begünstigen

Eine groß angelegte bevölkerungsbasierte Studie zeigte Unterschiede zwischen Zungenmikrobiomen von Erwachsenen im Alter von 70 bis 80 Jahren: Bei Menschen mit weniger Zähnen, schlechterer Zahnhygiene und mehr Zahnkaries war eine bestimmte Bakteriengruppierung häufiger anzutreffen, die möglicherweise zu Lun¬genin¬fektionen führen können, wenn sie versehentlich aspiriert werden. Die Autoren sind der Meinung, dass der Dysbiose der Zungenmikrobiota bei älteren Erwachsenen mit schlechterem Dentalstatus deshalb besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte.

Höheres Risiko für Lungeninfektionen bei Personen mit Schluckstörungen

Der Mundraum wird durch Bakterien besiedelt, die auch in den Speichel übergehen. Mit dem Speichel verschluckte Mikroorganismen werden normalerweise im Magen inaktiviert und später durch proteolytische Enzyme zersetzt. Beeinträchtigungen des Hustenreflexes und beim Schlucken treten besonders bei älteren Menschen häufiger auf und können zur unbeabsichtigten Aspiration von Speichel führen. Mikroorganismen gelangen so in die Lunge und können dort Infektionen auslösen. Menschen mit Schluckstörungen leiden vermehrt an Lungenentzündungen, die bei älteren Menschen eine häufige Todesursache sind. Eine gute Mundhygiene wirkt durch die Reduzierung der bakteriellen Last präventiv und sollte deshalb fester Bestandteil der Pflege gebrechlicher Personen sein.

Die Infektionen werden meist durch Bakterien der Zunge verursacht

Bakterien, die mit dem Speichel verschluckt werden, stammen zum großen Teil vom Zungenrücken, der aufgrund seiner Oberflächenbeschaffenheit große Mengen an Mikroorganismen beherbergt. Sie sind weniger dicht gepackt als in dentalen Plaques, was zusammen mit der Abschilferung von Epithelzellen den Übergang in den Speichel begünstigt. Die Autoren schlussfolgern deshalb, dass das Zungenmikrobiom bei der Pflege älterer Menschen mit Schluckbeschwerden berücksichtigt werden sollte.

Um das Zungenmikrobiom und Dysbiosen bei älteren Menschen näher zu charakterisieren, untersuchten sie mikrobielle Proben vom Zungenrücken japanischer Senioren zwischen 70 und 80 Jahren. Durch 16S rRNA Sequenzierung wurden Rückschlüsse auf die Mikrobiomzusammensetzung gezogen und analysiert, ob Zusammenhänge mit klinischen Parametern wie dem Kariesindex (DMFT), Tiefe der Parodontaltaschen und Blutung bei Sondierung (BOP) bestehen.

506 Personen zwischen 70 und 80 Jahren aus der Stadt Hisayama nahmen an der Untersuchung teil, was einem Anteil von 50,6 Prozent dieser Altersgruppe entsprach.

Das Zungenmikrobiom zeigte zwei Hautgruppen von Kommensalen

21 taxonomische Cluster (operational taxonomic units, OTUs) machten jeweils mehr als ein Prozent der vorkommenden Arten aus. Demnach war Streptococcus salivarius mit 9,5 ± 8,6 Prozent am häufigsten vertreten, gefolgt von Prevotella melaninogenica (9,2 ± 6,4 %), Rothia mucilaginosa (8,8 ± 8,1 %) und Veillonella atypica (6,0 ± 3,2 %). Diese Arten waren auch in anderen Studien mit jüngeren Personen gefunden worden. Durch Hauptkomponentenanalysen konnten zwei Hauptgruppen mit vier bzw. sieben Bakterienspezies identifiziert werden, die negativ miteinander assoziiert waren, d. h. wenn Kommensalen der ersten Gruppe vorhanden waren, fanden sich weniger der zweiten Gruppe und umgekehrt.

Kommensalen Gruppe I

Kommensalen Gruppe II

Prevotella histicola

Neisseria flavescens

Veillonella atypica

Haemophilus parainfluenzae

Streptococcus salivarius

Fusobacterium periodonticum

Streptococcus parasanguinis II

Porphyromonas pasteri

 

Gemella sanguinis

 

Prevotella melaninogenica

 

Prevotella pallens

Tabelle 1: Hauptgruppen von Kommensalen des Zungenmikrobioms

Bei schlechter Mundhygiene mehr Kommensalen der ersten Gruppe

Das Auftreten Parodontitis-assoziierter Arten ging mit einer größeren bakteriellen Vielfalt der Mikrobiota einher. Die Autoren vermuten, dass dies durch tiefere Zahnfleischtaschen bedingt ist, durch die diese Arten in den Speichel und somit auf die Zunge geraten. Gleichzeitig traten diese Arten seltener mit Kommensalen der zweiten Gruppe auf. Das Verhältnis der beiden Kommensalengruppen unterschied sich deutlich hinsichtlich Zahnstatus und Mundhygiene: Die erste Gruppe war bei Personen mit wenigen Zähnen, einem höheren Plaqueindex und kariesverdächtigen Zähnen häufiger vertreten, während Kommensalen der zweiten Gruppe bei diesen Personen seltener anzutreffen waren. Zur Ausprägung von Gingivitis und Parodontitis waren hingegen keine Zusammenhänge feststellbar.

Obwohl Prevotella, Veillonella und Streptococcus keine typischen Erreger für Infektionen der Lungen sind, wurden sie bereits bei Aspirationspneumonien und Lungenabszessen als Ursachen identifiziert. Eine vorangegangene prospektive Kohortenstudie dieser Arbeitsgruppe hatte bereits gezeigt, dass eine höhere relative Häufigkeit von Kommensalen der ersten Gruppe auf der Zunge bei gebrechlichen älteren Erwachsenen in Pflegeheimen mit einem erhöhten Mortalitätsrisiko durch Lungenentzündung verbunden war. Sie nehmen deshalb an, dass eine Aspiration von oralen Mikroorganismen für ältere Menschen mit schlechterer Dentalhygiene stärker gesundheitsgefährdend sei als bei Menschen mit besserem Mundhygienestatus.

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Quellen:

Asakawa M1, Takeshita T1,2, Furuta M1, Kageyama S1, Takeuchi K1,2, Hata J3,4, Ninomiya T3,4, Yamashita Y5; yoshi@dent.kyushu-u.ac.jp

1Section of Preventive and Public Health Dentistry, Division of Oral Health, Growth and Development, Faculty of Dental Science, Kyushu University, Fukuoka, Japan; 2OBT Research Center, Faculty of Dental Science, Kyushu University, Fukuoka, Japan; 3Department of Epidemiology and Public Health, Graduate School of Medical Sciences, Kyushu University, Fukuoka, Japan; 4Center for Cohort Studies, Graduate School of Medical Sciences, Kyushu University, Fukuoka, Japan; 5Section of Preventive and Public Health Dentistry, Division of Oral Health, Growth and Development, Faculty of Dental Science, Kyushu University, Fukuoka, Japan.

mSphere. 2018 Aug 15;3(4). pii: e00332-18. doi: 10.1128/mSphere.00332-18

IME 15-10591

 


IME