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Von: - Ausgabe 1/2019 Beitrag Nr. 2

Wie wichtig ist das Verhalten der Mutter für die Karieserfahrung ihrer Kinder?

Häufig sind es die Mütter, die sich vorwiegend um ihre Kinder kümmern und ihnen als Vorbild dienen. Dies betrifft auch das Verhalten bei der Zahnpflege und hat Folgen für die Mundgesundheit der Kinder. Welche Verhaltensweisen der Mutter für die Karieserfahrung ihrer Kinder besonders von Bedeutung sind, sollte durch die vorliegende Untersuchung herausgefunden werden. Dabei zeigte sich, dass sich Angst vor Zahnarztbesuchen, die Anzahl zahnmedizinischer Konsultationen und die Frequenz des Zähneputzens der Mutter indirekt auf die Karieserfahrung ihrer Kinder auswirken. Ein direkter Zusammenhang konnte nur mit dem sozioökonomischen Status beobachtet werden.

Eine schlechte Mundgesundheit wird an die Folgegeneration weitergegeben

Allgemein wird angenommen, dass die Gesundheit und das Verhalten von Kindern stark durch ihre Betreuungspersonen beeinflusst wird. Vor allem die Mütter üben einen großen Einfluss aus. Dies wurde von einer Reihe von Studien hinterfragt und bestätigt, z. B. gebären Mütter, die selbst mit einem geringen Gewicht auf die Welt gekommen sind, häufig ebenfalls leichte Kinder. Soziale Benachteiligung und besonders ein geringer sozioökonomischer Status wirken sich auf die Gesundheit der Folgegeneration aus. Dies gilt auch für Karies, eine häufige chronische Erkrankung im Kindesalter. Neben genetischen Merkmalen werden auch Umweltfaktoren mit den Eltern geteilt. Mehrere Studien haben entsprechende Zusammenhänge zwischen der Mundgesundheit von Kindern und der ihrer Eltern aufgezeigt, wobei die zugrundeliegenden Mechanismen jedoch weitgehend unklar geblieben sind. Das Ziel dieser Untersuchung war deshalb, nicht nur Zusammenhänge zwischen der Mundgesundheit der Mütter und ihrer Kinder zu identifizieren, sondern auch herauszufinden, durch welche Verhaltensweisen der Mütter Assoziationen zu Dentalkaries bei Vorschulkindern vermittelt werden.

Die Pelotas Studie

Die Querschnittsuntersuchung stützt sich auf die Pelotas Geburtskohorte aus dem Jahr 2004. Sie umfasst Kinder, die im Stadtgebiet der brasilianischen Gemeinden Pelotas und Capão do Leão geboren wurden. 2009 wurden 1303 Mütter zur Teilnahme eingeladen, deren Kinder zwischen September und Dezember 2004 geboren wurden. Die Fünfjährigen wurden zu Hause zahnmedizinisch untersucht und ihr Kariesindex (dmfs) bestimmt. Außerdem wurden die Mütter zu ihrem Mundgesundheitsverhalten befragt, beispielsweise wie oft sie Zähne putzen, ob sie Angst vor Zahnbehandlungen haben, wie oft sie Vorsorgemaßnahmen wahrnehmen oder den Zahnarzt besuchen und wie sie ihre Mundgesundheit sowie das Auftreten von Karies bei sich selbst einschätzen. Als Kovariablen wurden der sozioökonomische Status zum Zeitpunkt der Geburt und der Bildungsgrad der Mutter einbezogen.

Brasilianische Kinder haben häufig Karieserfahrung

Von 1303 eingeladenen Kindern nahmen 86,6 Prozent an der Untersuchung teil. Für 1122 Kinder waren Informationen zum Kariesindex verfügbar: 48,3 Prozent von ihnen wiesen zerstörte, fehlende oder gefüllte Milchzähne auf, mit einem mittleren dmfs von 4,1 (95 % CI: 3,6 –4,5). Dabei trugen zerstörte Zahnoberflächen am meisten zu dem Index bei, sie lagen im Bereich zwischen null und 69 mit einem Durchschnitt von 3,8. Füllungen hatten die Kinder an durchschnittlich 0,2 Zahnoberflächen (Wertebereich 0 bis 16), und fehlende Zähne trugen mit 0,1 zum Kariesindex bei (Wertebereich 0 bis 10).

 

Direkten Einfluss nimmt nur der sozioökonomische Status

Der Kariesindex bei Kindern stand im Zusammenhang mit einem niedrigen Familieneinkommen sowie einem geringen Bildungsgrad, hoher Karieserfahrung und geringer Zahnputzfrequenz der Mutter. Auch bei Kindern, die ihre Zähne seltener als zweimal täglich putzten und häufiger beim Zahnarzt gewesen waren, wurde ein höherer Kariesindex beobachtet.

In Modellen wurden direkte und indirekte Einflüsse bestimmter Merkmale untersucht. Es zeigte sich, dass sich nur der sozioökonomische Status direkt auf die Karieserfahrung der Kinder auswirkte. Sämtliche untersuchte Verhaltensweisen der Mutter wirkten sich nur indirekt aus: Zahnarztbesuche der Kinder standen mit denen der Mutter sowie deren Angst vor Behandlungen im Zusammenhang. Ebenso waren Assoziationen zwischen der Häufigkeit, mit der Mütter und Kinder ihre Zähne putzten, zu beobachten. Die Häufigkeit des Zähneputzens und von Zahnarztbesuchen der Kinder wiederum nahm Einfluss auf deren Karieserfahrung.

Weitergabe über Generationen

Die Untersuchung zeigt, dass Verhaltensweisen der Mütter von den Kindern übernommen werden. Die Kindheit ist eine wichtige Phase, um Wissen und Gewohnheiten zu entwickeln, die sich auf ihre Gesundheit auswirken, auch wenn es sich um indirekte Einflüsse handelt. Präventionsmaßnahmen sollten deshalb die Mütter einbeziehen und auch den sozioökonomischen Status der Familie berücksichtigen.

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Goettems ML1, Nascimento GG2, Peres MA3, Santos IS4, Matijasevich A5, Barros AJD4, Peres KG3, Demarco FF1,4.

1Graduate Program in Dentistry, Federal University of Pelotas, Pelotas, Brazil; 2Section of Periodontology, Department of Dentistry and Oral Health, Aarhus University, Aarhus, Denmark;

3Australian Research Centre for Population Oral Health, Adelaide, SA, Australia; 4Postgraduate Program in Epidemiology, Federal University of Pelotas, Pelotas, Brazil; 5Department of Preventive Medicine, Faculty of Medicine, University of São Paulo, São Paulo, Brazil.

Community Dent Oral Epidemiol. 2018 Oct;46(5):435-441. doi: 10.1111/cdoe.12406.

 

IME 15-10595


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