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Von: - Ausgabe 3/2019 Beitrag Nr. 4

Trends für Adipositas im Erwachsenenalter zwischen 1990 und 2011 in Deutschland: Sozioökonomische Ungleichheiten nehmen zu

Trendanalysen zeigen, dass die Zunahme von Adipositas unter Erwachsenen in Deutschland weitgehend auf das mittlere und untere Ende des sozioökonomischen Spektrums beschränkt ist: Der Unterschied der Adipositasprävalenz zwischen den oberen und unteren sozioökonomischen Gruppen vergrößerte sich zwischen 1990 und 2011. Steigende Adipositasraten zeigten sich insbesondere bei Männern mit einem niedrigeren Einkommen und bei Frauen mit geringem Bildungsniveau.

 

Risikofaktor sozioökonomische Benachteiligung

Während Übergewicht bis ins frühe 20. Jahrhundert ein Zeichen von Reichtum und Einfluss war, ist heute das Gegenteil der Fall. Insbesondere in Ländern mit hohem Einkommen wird bei der Verteilung der Adipositas ein umgekehrtes soziales Gefälle beobachtet: Je niedriger die sozioökonomische Position ist, desto höher ist der Anteil von übergewichtigen Männern und Frauen. Damit trägt Übergewicht wesentlich zum sozialen Gefälle bei Morbidität und Mortalität bei.

Medizinsoziologen gehen davon aus, dass Menschen in den oberen sozioökonomischen Schichten besser geschützt sind, weil sie über andere Voraussetzungen verfügen. Dies können materielle Ressourcen sein, beispielsweise genügend Geld, um gesunde Lebensmittel zu kaufen oder um sich eine Wohnung in einer Gegend leisten zu können, in der körperliche Aktivität leicht möglich ist. Aber auch immaterielle Faktoren spielen eine Rolle, z. B. die Fähigkeit, Kenntnisse über eine gesunde Ernährung oder andere Möglichkeiten zur Gewichtskontrolle zu erwerben.

Bisher inkonsistente Ergebnisse zur Entwicklung der Adipositas-Prävalenz

Bisherige Untersuchungen zur Adipositas-Epidemie sind sich uneinig darüber, ob sich das Auftreten von Adipositas in niedrigeren und höheren sozioökonomischen Gruppen unterschiedlich entwickelt hat. Trendanalysen erfordern Daten, die aus wiederkehrenden Untersuchungen mit möglichst identischen Bedingungen stammen. Dafür nutzten die Autoren drei bundesweite Erhebungen, die 1990-1992, 1997-1999 (BGS98) und 2008-2011 (DEGS) unter insgesamt 18.541 Erwachsenen im Alter von 25 bis 69 Jahren durchgeführt wurden. Von den eingeladenen Personen wurde der Body-Mass-Index anhand der gemessenen Körpergröße und des Gewichts ermittelt (Adipositas bei BMI ≥ 30 kg/m²). Als Indikatoren für die sozioökonomische Position wurden der Bildungsgrad und das verfügbare Haushaltseinkommen herangezogen.

Mehr Adipositas in niedrigen und mittleren sozioökonomischen Schichten

Die Prävalenz von Adipositas stieg von 19,7 % (95 % Konfidenzintervall [CI] 18,5–21,0) in den Jahren 1990–1992 über 21,7 % (95 % CI 20,1–23,4) in den Jahren 1997–1999 auf 23,7 % (95 % CI 22,1–25,4) im Zeitraum 2008–2011 (pTrend < 0,001).

In jedem Erhebungszeitraum wiesen die höchsten sozioökonomischen Gruppen die niedrigste Prävalenz von Adipositas auf. Im Gegensatz zur hohen sozioökonomischen Gruppe zeigten die niedrigen und mittleren sozioökonomischen Gruppen eine Zunahme der Adipositas. Vor allem bei den Männern zeigte der Anstieg einen Zusammenhang mit dem Einkommen: Die absolute Ungleichheit nach Einkommen stieg um durchschnittlich 0,53 Prozentpunkte pro Jahr (95 % CI 0,01–1,05, p = 0,047). Bei den Frauen machte sich der Bildungsgrad stärker bemerkbar, die Ungleichheiten bei Adipositas durch Bildung stiegen im Durchschnitt um 0,64 Prozentpunkte pro Jahr (95 % CI 0,19–1,08, p = 0,005).

Relativ betrachtet bestanden über alle Erhebungszeiträume Ungleichheiten bei der Adipositas. Bei Männern änderten sich die relativen Ungleichheiten bei der Adipositas im Zeitverlauf nicht wesentlich, aber die Prävalenzrate für Adipositas bei Frauen mit einem niedrigen Bildungsgrad stieg im Vergleich zu Frauen mit hohem Bildungsniveau von 1,97 im Zeitraum 1990–1992 auf 3,23 im Zeitraum 2008–2011.

Diese Ergebnisse, die auf einem Zeitraum von gut 20 Jahren basieren, deuten auf eine zunehmende Kluft der Adipositas im sozioökonomischen Spektrum hin. Ähnliche Ergebnisse wurden aus unseren Nachbarländern Österreich, der Schweiz und Frankreich beschrieben. Dies könnte in den kommenden Jahrzehnten nachteilige Folgen für die Gesundheit von Teilen der Bevölkerung haben. Die Autoren halten deshalb Maßnahmen für erforderlich, mit denen Adipositas in sozial benachteiligten Gruppen wirksam verhindert und verringert werden kann.

Quellen:
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Hoebel J1, Kuntz B2, Kroll LE2, Schienkiewitz A3, Finger JD3, Lange C3, Lampert T2; j.hoebel@rki.de

1Division of Social Determinants of Health, Department of Epidemiology and Health Monitoring, Robert Koch Institute, Berlin, Germany; 2Division of Social Determinants of Health, Department of Epidemiology and Health Monitoring, Robert Koch Institute, Berlin, Germany, 3Division of Health Behaviour, Department of Epidemiology and Health Monitoring, Robert Koch Institute, Berlin, Germany.

Obes Facts. 2019;12(3):344-356. doi: 10.1159/000499718.


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