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Wirkungen von Thiocyanat-Wasserstoffperoxid-Kombinationen in Zahnpasten auf die Plaque und die Gingivitis

In einer placebo-kontrollierten Doppelblindstudie ließ sich zeigen, dass Zusätze von 0,5% Thiocyanat und 0,1% Wasserstoffperoxid die Wirksamkeit von Zahnpasten gegen Plaque und Gingivitis signifikant erhöhen können.

Durch weitgehende Beseitigung der Zahnplaque lässt sich ein sehr wirksamer Schutz vor Karies und Parodontitis erzielen. Nur wenige Menschen bringen allerdings die Motivation und Geschicklichkeit auf, die eine regelmäßige und vollständige Plaque-Entfernung erfordert. Chemische Anti-Plaque-Wirkstoffe lassen sich kaum in hinreichender Konzentration als Zusatz zu Zahnpasten verwenden, ohne dass unerwünschte Nebenwirkungen wie Veränderungen des Geschmacksempfindens, Verfärbungen der Zähne und der Zunge oder mikrotoxische Langzeiteffekte in Kauf zu nehmen wären. Ein alternativer Ansatz, der seit einiger Zeit verfolgt wird, besteht in der Verstärkung der antimikrobiellen Funktion des Speichels.

Der Speichel enthält ein System von Peroxidase-Enzymen, welche die Oxidation von Thio-cyanat (SCN-) zu antimikrobiell wirksamen Substanzen katalysieren. Diese Reaktionen sind an die Verfügbarkeit von Wasserstoffperoxid (H2O2) gebunden. Geringe Zusätze von Wasserstoffperoxid-erzeugenden Enzymen zu Zahnpasten und Mundspülungen vermögen die Funktion des Peroxidase-Systems im Speichel zu stimulieren. Dieses Prinzip wird bereits in kommerziell verfügbaren Zahnpasten genutzt, deren klinische Wirkung allerdings kontrovers beurteilt wird. Vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit wurde bisher dem Thiocyanat entgegengebracht. Diese Substanz spielt eine wichtige Rolle bei vielen Resistenz- und Schutzmechanismen und fördert regenerative Prozesse wie die Wundheilung und das Haarwachstum. In Verbindung mit einigen Enzymen vermag Thiocyanat außerdem toxische Sauerstoffradikale zu inaktivieren. Eine erhöhte Konzentration von Thiocyanat im Speichel könnte hiernach eine positive Wirkung auf den Zustand des Zahnfleisches ausüben und synergistisch mit den antibakteriellen Systemen eine Hemmung des Plaque-Wachstums bewirken.

Ausgehend von dieser Hypothese unternahmen die Verfasser eine Versuchsreihe mit Zahnpasten, denen Thiocyanat und Wasserstoffperoxid in unterschiedlichen Konzentrationen zugefügt waren. Als Versuchspersonen dienten 140 Männer im Alter von 18 bis 30 Jahren, die nach dem Zufallsprinzip einer von sechs Gruppen zugeordnet wurden. Im Doppelblind-Design erhielten die Teilnehmer jeder Gruppe einen Vorrat an Zahnpasta sowie neue Zahnbürsten. Die Zahnpasta war auf Gel-Basis mit Zusatz von Geschmacksstoffen hergestellt und enthielt keinerlei abrasive Substanzen. Für fünf der sechs Probandengruppen waren der Zahnpasta entweder 0,1% oder 0,5% Thiocyanat, 0,1% Wasserstoffperoxid oder Kombinationen aus 0,1% Wasserstoffperoxid und 0,1% bzw. 0,5% Thiocyanat zugefügt. Die sechste Gruppe erhielt Zahnpasta ohne Wirkstoff und diente als Kontrolle. Aller Teilnehmer waren angewiesen, für einen Zeitraum von acht Wochen jeden Morgen und jeden Abend die Zähne mit der zugewiesenen Zahnpasta zu putzen. Für weitere zwei Wochen nach Ende der Versuchsphase erhielten alle Teilnehmer die Placebo-Zahnpasta. Untersuchungen des Plaque-Index, des Sulcus Bleeding Index (SBI) sowie der Fließrate der Gingivaflüssigkeit an ausgewählten Zähnen erfolgten vor Beginn der Studie sowie nach einer, vier, acht und zehn Wochen.

Ein statistisch signifikanter Rückgang des Plaque-Index war nach achtwöchiger Verwendung der Zahnpasta mit 0,5% Thiocyanat und 0,1% Wasserstoffperoxid sowie jener mit 0,1% Wasserstoffperoxid zu verzeichnen. Eine signifikante Erhöhung des Sulcus Bleeding Index ließ sich nach einwöchiger Verwendung der Zahnpasta mit 0,1% Wasserstoffperoxid beobachten. Nach acht Wochen hatte sich der Sulcus Bleeding Index bei der Probandengruppe, die die Zahnpasta mit 0,5% Thiocyanat und 0,1% Wasserstoffperoxid verwendet hatte, gegenüber der Kontrollgruppe signifikant verringert.

Wasserstoffperoxid als Zahnpastenbestandteil verbesserte vor allem den Plaque-Index. Dies könnte sowohl auf eine direkte Wirkung wie auch auf eine indirekte Wirkung unter Beteiligung des Speichel-Peroxidase-Systems zurückgehen. Der Effekt wurde verstärkt, wenn die Zahnpasta gleichzeitig Thiocyanat enthielt. Alle Versuchsgruppen, die Zahnpasta mit Thiocyanat verwendet hatten, zeigten bei mindestens einer Untersuchung eine Verbesserung des Sulcus Bleeding Index im Vergleich zum Ausgangswert. Die erhöhte entzündungshemmende Wirkung von Thiocyanat in Kombination mit Wasserstoffperoxid kann als synergistischer Effekt der beiden Komponenten aufgefasst werden. Hiermit dürfte ein Beleg dafür erbracht sein, dass eine Kombination von Thiocyanat und Wasserstoffperoxid als Bestandteil von Zahnpasten einen Betrag zur Plaque-Reduktion und zur Hemmung von Zahnfleischentzündungen leisten kann.

 


IME

Rosin, Michael; Thomas Kocher und Axel Kramer (Abt. operative Zahnheilkunde der Univ. Greifswald): Effects of SCN-/H2O2 combinations in dentifrices on plaque and gingivitis.
Journal of Clinical Periodontology 28 (2001) pp.270-276