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Milchprodukte, Calcium und Prostatakarzinom-Risiko in der Physicians? Health Study

Die Ernährungsdaten der Physicians? Health Study von 1982- 1984 und das in den Folgejahren bis einschließlich 1995 registrierte Auftreten von kardiovaskulären und Tumorerkrankungen lässt eine Korrelation zwischen der Calcium- Aufnahme über Milchprodukte und der Häufigkeit des Prostatakarzinoms erkennen. Der pathophysiologische Mechanismus über Calcitriol wird diskutiert.

Das Prostatakarzinom ist in den USA, vermutlich auch in Deutschland, der häufigste bösartige Tumor des Mannes. Epidemiologische Studien zeigen eine vergleichsweise hohe Inzidenz in Ländern mit regelmäßigem Verzehr von Milchprodukten. Fall-Kontroll-Studien in den USA (prospective Health Professionals Follow-up Study) und Schweden deuten auf Calcium als Tumorpromotor hin, andere können diese Korrelation nicht bestätigen. Als möglicher Mechanismus wird die Hemmwirkung von Calcium auf das Steroidhormon 1,25-Dihydrocholecalciferol (= Calcitriol) diskutiert. Calcitriol gilt als wirksamer Schutz vor Prostatakarzinom.

Das umfangreiche Datenmaterial der von 1982 bis 1984 über 24 Monate durchgeführten randomisierten, Placebo-kontrollierten Prospektivstudie zum Einfluss von Aspirin und/oder b-Carotin auf das Auftreten kardiovaskulärer Herz- und Gefäßerkrankungen und bösartiger Tumoren in den nachfolgenden 11 Jahren (Physicians? Health Study) soll die Frage einer Klärung näher bringen. Testpersonen (TP) waren 22.071 Ärzte, alle männlich, die meisten kaukasischer Herkunft. In die vorliegende Auswertung einbezogen werden 20.885 TP, für die vollständige Angaben zu Ernährung und anderen Lebensstilfaktoren aus der Studienperiode und der Folgezeit vorliegen und bei denen zu Studienbeginn kein bösartiger Tumor bekannt war. Bis 1995 werden 1.012 Fälle von Prostatakarzinom registriert; davon befinden sich 411 bei Diagnosestellung bereits im fortgeschrittenen Stadium (Stadien C und D der Whitmore-Jewett Klassifikation) und 437 im Anfangsstadium; für 164 Fälle fehlen differenzierte Angaben.

Nach der Ernährungserhebung stammen ca. 82% des Nahrungs-Calciums (Ca) aus nur 5 Lebensmitteln/Zubereitungen: Vollmilch, entrahmte Milch (307,5 bzw. 291mg Ca/-Serving = Portion definierter Größe), Frühstückscerealien mit Milch, Käse und Eiscreme, davon mehr als die Hälfte (57%) aus entrahmter Milch. Untersuchungen anderer Autoren bestätigen die Lebensmittel-Auswahl als typisch für den gewählten Personenkreis. Nur <5% der TP geben an, regelmäßig (für mindestens 6 der 24 Testmonate) Ca- und/oder Vitamin E-Supplemente eingenommen zu haben. Vor diesem Hintergrund beschränkt sich die Ernährungsauswertung auf die 5 genannten ?Milchprodukte?. Die Ca-Aufnahme berechnet sich aus dem Ca-Gehalt eines Servings und der Verzehrhäufigkeit. Nach der Verzehrmenge der 5 'Milchprodukte', ausgedrückt in Serving, werden die TP in folgende Gruppen eingeteilt:

Gruppe 1: 0 -0,50 Servings/d 62± 35mg Ca 52± 9 Jahre n = 2.980

Gruppe 2: 0,51-1,00 Servings/d 176± 53mg Ca 52± 9 Jahre n = 4.287
Gruppe 3: 1,01-1,50 Servings/d 309± 65mg Ca 53± 9 Jahre n = 4.232

Gruppe 4: 1,51-2,50 Servings/d 507± 99mg Ca 54±10 Jahre n = 5.798

Gruppe 5: >2,50 Servings/d 928±253mg Ca 55±10 Jahre n = 3.588

Weitere Variable sind Körpermasse-Index (body mass index = BMI), Rauchen (nie; früher; jetzt) und die Häufigkeit sportlicher Betätigung (1-3/Monat; 1-4/Woche; 5-7/Woche). Die große Teilnehmerzahl ermöglicht Signifikanzen auch bei prozentual vergleichsweise geringen Unterschieden.

Bei einem Teil der TP wurde zu Studienbeginn und am Ende der Follow-up-Periode Plasma-Vitamin D3 und dessen Metabolit Calcitriol ermittelt. Der Calcitriol-spiegel korreliert indirekt mit der Prostatakarzinom-Inzidenz, das Vitamin selbst nicht (1996 veröffentlicht in Cancer Epidemiol. Biomarkers Prev.). In einer Untergruppe (n = 373), die bis zum Ende der Beobachtungsperiode keine Tumoren entwickelte, wird die Relation zur Calciumaufnahme (aus den 5 genannten Lebensmitteln/Zubereitungen) überprüft.

Die Auswertung des Datenmaterials ergibt:

1. Das relative Risiko, ein Prostatakarzinom zu entwickeln, ist am niedrigsten in Gruppe 1; es steigt bis Gruppe 5 an und ist dort ca. 30% höher als in Gruppe 1; der Trend (basierend auf den Medianwerten der einzelnen Gruppen) ist signifikant. Eine Beziehung zum Schweregrad der Erkrankung bei Diagnosestellung lässt sich aus den Daten nicht herstellen.

2. Calcium-Aufnahme und Plasma-Calcitriol erweisen sich in einem linearen Regressionsmodell unter Berücksichtigung von Alter, BMI und Rauchgewohnheiten der TP als indirekt korreliert. Je 300mg Ca aus den 5 Milchprodukten steht die Reduktion des Plasma-Calcitriols um 2 pmol/l gegenüber (p = 0,007), bei Bezug auf entrahmte Milch allein sogar um 3pmol/l Plasma. Eine Korrelation mit Milchfett und/oder -protein besteht nicht.

Die Studie bestätigt frühere Beobachtungen und Hypothesen, wonach calciumreiche Milchprodukte das Risiko erhöhen, an Prostatakarzinom zu erkranken. Schlussfolgerungen für die Ernährungspraxis sind nach Ansicht der Autoren jedoch verfrüht. Weitere Prospektivstudien unter Einbeziehung der gesamten Calciumaufnahme (auch aus Supplementen) sollten abgewartet werden.

 


IME

Chan, J. M., M. J. Stampfer, J. Ma, P. H. Gann, J. M. Gaziano, E. L. Giovannucci
(Departments of Nutrition and Epidemiology, Harvard School of Public Health, Boston, USA.; Channing Laboratory, Department of Medicine, Brigham and Women?s Hospital and Harvard Medical School, Boston, USA; Department of Preventive Medicine, Northwestern University Medical School, Chicago, USA; Division of Preventive Medicine, Brigham and Women?s Hospital, Boston, USA; Massachusetts Veterans Epidemiology and Information Center, VA Boston Health Care System): Dairy products, calcium and prostate cancer risk in the Physicians? Health Study.
American Journal of Clinical Nutrition, 74 (2001) pp. 549-554.