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Zucker übt keinen negativen Einfluss auf die atopische Dermatitis aus

Der Verdacht vieler Patienten, Zucker verstärke die atopische Dermatitis (Neurodermitis), wird in einer Doppelblindstudie mit ambulanten Patienten beiderlei Geschlechts, auch Kindern, widerlegt. Nach Einnahme von Saccharose (Verum) bzw. Aspartam (Placebo) lässt sich keine Veränderung der Krankheitssymptome erkennen.

Zucker steht in dem Ruf, bei dafür prädestinierten Personen Überempfindlichkeits-Reaktionen im Sinne einer atopischen Dermatitis (Neurodermitis) auszulösen bzw. zu verstärken. Unter Zucker versteht man in diesem Zusammenhang in der Regel die isolierte Saccharose. In Deutschland kursieren zahllose Eliminationsdiäten ohne zugesetzten Zucker. Sie werden über die Medien propagiert und meist ohne ärztliche Überwachung angewandt, gelegentlich auch ärztlich empfohlen. Als Alternative zum Süßen von Speisen und Getränken werden vielfach Honig, Obstdicksäfte und andere ?natürlich? süß schmeckende Lebensmittel eingesetzt. Dass sie ebenfalls Saccharose enthalten, in jedem Fall aber die Spaltprodukte Glucose und Fructose, bleibt oft unbeachtet. Kontrollierte Studien zur Wirksamkeit der insbesondere für Kinder recht einschneidenden Therapiemaßnahme sind nicht bekannt.

 

Die vorliegende Studie geht der Frage nach. Sie ist prospektiv angelegt, doppelblind, randomisiert und Placebo-kontrolliert. Als Testpersonen (TP) stehen 30 ambulante, männliche und weibliche Patienten der Klinik zur Verfügung, davon 9 Kinder (Alter: 2-47 Jahre). Für alle TP wurde atopische Dermatitis nach den Kriterien von Hanifin und Rajka (Acta Derm Venereol, 92 (1980), Suppl. 44-47) diagnostiziert. Ausschlusskriterien für die Teilnahme an der Studie sind Diabetes mellitus und Phenylketonurie.

 

Während der 10-tägigen Studiendauer nehmen die TP eine Diät zu sich ohne Saccharose und ohne die Monosaccharide Glucose und Fructose, d. h. neben Saccharose und saccharosehaltigen Zubereitungen entfallen auch Honig, Ahornsirup und Obst; als Süßungsmittel darf Aspartam verwendet werden. Die Einnahme von Antihistaminika und/oder Corticosteroiden wird für die Dauer der Studie ausgesetzt. Am 7. und am 9. Tag werden einmalig Saccharose (Verum) bzw. Aspartam (Placebo) verabreicht, für die Erwachsenen in eisgekühltem Schwarztee, für die Kinder in einem Milch-Stärke-Dessert. Die Verum-Probe enthält 100g Saccharose, für Kinder <6 Jahre 40g und jeweils mit 200mg Aspartam zur geschmacklichen Angleichung an die Placebo-Probe. Letztere enthält 500mg Aspartam.

 

Zu Studienbeginn und an den Tagen 7, 8, 9 und 10 wird für jede TP der SCORAD-Index der European Task Force on Atopic Dermatitis ermittelt, ein Punktesystem, das sich aus objektiv erfassbaren Symptomen eines Ekzems und subjektiven Parametern (Hautjucken, Schlafstörungen) zusammensetzt. Die maximale Punktzahl beträgt 103. Wenn der Hautstatus sich nach der Belastung mit Verum bzw. Placebo augenfällig verschlechtert, wird zusätzlich das eosinophile kationische Protein (ECP) bestimmt (ELISA-Test).

Hautstatus und ECP-Spiegel bleiben bei allen auswertbaren TP (n = 29) während der gesamten Testperiode im Wesentlichen unverändert. Der mittlere SCORAD-Index liegt zu Studienbeginn bei 29,4, nach einer Woche zuckerfreier Diät bei 29,0; nach der Belastung mit Verum wird ein mittlerer Anstieg um 1,9 Punkte, nach Placebo ein Abfall um 1,2 Punkte ermittelt. Die Unterschiede sind nicht signifikant. Bei 7 TP steigt der SCORAD-Index nach Verum und nach Placebo um max. 10-15 Punkte; er bleibt jedoch innerhalb der Schwankungs-breite. Für Lebensmittelallergene gilt ein Anstieg um >30 Punkte als positiv, für Pollen-assoziierte Lebensmittelallergien >15.

 

Nur 2 TP zeigen in den ersten Tagen der Studie eine deutliche Verschlechterung des Hautstatus, die den SCORAD-Index um >15 Punkte ansteigen lässt, verursacht vermutlich durch das Weglassen der Medikamente. Die Belastung mit Zucker oder Aspartam bringt keine weitere Verschlechterung mit sich.

Zwischen Kindern und Erwachsenen lässt sich kein signifikanter Unterschied feststellen. Die Häufigkeit und Intensität von Hautjucken ist ebenfalls bei allen TP während der gesamten Testperiode praktisch unverändert.

 

Die Studie liefert keinerlei Anhaltspunkte für eine allergene bzw. pseudoallergene Wirkung von Zucker bei Patienten mit atopischer Dermatitis. Die häufig praktizierte zuckerfreie Diät ist danach wissenschaftlich nicht begründbar. Ein sachlicher Grund, sie beizubehalten besteht nicht.

 


IME

Ehlers, I., M. Worm, W. Sterry, T. Zuberbier
(Bereich Allergologie der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Charité, Humbold-Universität, Berlin, Deutschland): Sugar is not an aggravating factor in atopic dermatitis.
Acta Dermato-Venereologica, 81 (2001) pp. 282-284.