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Von: - Ausgabe 4/2019 Beitrag Nr. 1

Neues zur Kariesprophylaxe mit Fluorid bei Kindern

Auf der diesjährigen Tagung der Deutschen Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde in Wien berichteten Prof. Dr. Katrin Bekes (Leiterin des Fachbereichs Kinderzahnheilkunde an der Universitätszahnklinik Wien) und Prof. Dr. Ulrich Schiffner (Oberarzt am Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf) über neue Empfehlungen zur Kariesprophylaxe mit Fluorid bei Kindern: Ab dem ersten Zahn wird zweimal täglich das Putzen mit einer kleinen Menge (erbsengroß) „Baby-Zahnpasta“ empfohlen, die 500 ppm Fluorid enthält – alternativ kann eine reiskorngroße Menge einer Kinder-Zahnpasta mit 1000 ppm Fluorid verwendet werden. Auch der Leistungskatalog hat sich verändert, damit frühkindliche Karies künftig besser vermieden wird: Vorsorgeuntersuchungen und die Verwendung von Fluoridlack werden jetzt auch für kleinere Kinder von den Krankenkassen übernommen.

 

Fast die Hälfte aller Kinder haben Karies im Milchzahngebiss

Während Karies unter den Zwölfjährigen in den vergangenen Jahren um über 80 Prozent abgenommen hat, ist die frühkindliche Karies nur um 40 Prozent gesunken. Knapp 14 Prozent der Dreijährigen weisen Karies auf, die zu 73 Prozent unversorgt sind, unter den Sechs- bis Siebenjährigen sind es die Hälfte aller Kinder. Deshalb wurden Neuempfehlungen ausgesprochen, die eine Reduktion von Karies im Milchzahngebiss bewirken sollen.

Für die Kariesprophylaxe ist Fluorid, das lokal wirkt, von entscheidender Bedeutung. Eine systemische Aufnahme reicht für den Schutz der Zähne nicht aus, weil dadurch keine Remineralisation erfolgt und Fluorid nicht auf der Zahnoberfläche deponiert wird. Deshalb ist die lokale Fluorid-Verwendung beim Zähneputzen so wichtig. Für Kinder unter zwei Jahren bzw. bis zu sechs Jahren stehen jetzt spezielle Pasten zur Verfügung.

 

Eine Übersicht über die Empfehlungen zur Verwendung von Zahnpasta bei Kindern:

 

Alter

Fluorid-Konzentration

Häufigkeit

Menge

Ab Durchbruch des ersten Zahns bis zum zweiten Geburtstag

500 ppm

zweimal täglich

erbsengroß

alternativ

1000 ppm

zweimal täglich

reiskorngroß

Vom 2. bis zum 6. Geburtstag

1000 ppm

zweimal täglich

erbsengroß


Häufige „Fluoriddiskussionen“ mit Patienten

In den Medien und auch in Zahnarztpraxen wird immer wieder über Fluorid diskutiert. Bekes erläuterte, dass dies unter anderem daran liegt, dass viele Patienten Fluorid und Fluor verwechseln: Während Fluor giftig ist, kommt Fluorid natürlicherweise in Knochen und Zähnen vor. Eine ähnliche Situation gibt es beim Chlor, das giftig ist, während Chlorid Hauptbestandteil des alltäglich verwendeten Speisesalzes (in Form von Natriumchlorid) ist. Das falsche Verständnis wird auch durch Produkte hervorgerufen, die irreführend benannt sind: Man findet in Supermärkten z. B. „Speisesalz mit Jod und Fluor“, richtig wäre aber „Fluorid“.

Weitere Ängste wurden vor einiger Zeit durch eine Studie aus Mexiko geschürt, die von den Medien aufgegriffen und unter Titeln wie „Fluorid macht dumm“ verbreitet wurde. In der Studie hieß es, dass der Intelligenzquotient (IQ) von Kindern, deren Mütter während der Schwangerschaft viel Fluorid im Urin hatten, mit vier und sechs bis zwölf Jahren niedriger sei (M. Bashash et al., “Prenatal Fluoride Exposure and Cognitive Outcomes in Children at 4 and 6-12 Years of Age in Mexico.” Environ Health Perspect. 2017 Sep 19;125(9):097017. doi: 10.1289/EHP655).

Schiffner hielt dagegen, dass Morgen- oder Spontanurin, wie in der Studie verwendet, nicht geeignet sei, um die Fluorid-Aufnahme zu messen, dafür wäre ein 24-Stunden-Urin erforderlich. Insgesamt sei es in der Studie nicht um die Fluoridaufnahme durch Zähneputzen gegangen, sondern um eine Trinkwasser-Fluoridierung, die in Deutschland nicht erfolgt: In Mexiko befänden sich 0,15-1,38 ppm Fluorid im Trinkwasser, während in Deutschland weniger als 0,3 ppm Fluorid enthalten seien.

Zu guter Letzt führte er an, dass Schwangere Zahnpasta ausspucken können, so dass die systemische Wirkung durch Zähneputzen äußerst gering sei.

Selbst bei „Unfällen“ könnten besorgte Eltern beruhigt werden: Wenn Kinder den Inhalt einer ganzen Tube Kinder-Zahnpasta essen würden, werde der untere Grenzwert für akute Toxizität nur gerade eben erreicht, was außer Erbrechen keine Folgen nach sich ziehen würde, und damit gelange das Fluorid wieder aus dem Körper.

Schiffner kam zu der klaren Aussage, dass Fluorid auch in der Schwangerschaft sicher ist. Die einzige Nebenwirkung ist eine Fluorose. Bei uns in Deutschland seien aber über 90-95 Prozent der Fluorosefälle fraglich, sehr mild oder mild und somit ohne Krankheitswert.

Was sagen die Experten zu Fluorid-Tabletten für Kinder?

Schon lange streiten Fachleute darüber, ob die Einnahme von Fluorid-Tabletten und/oder die Verwendung fluoridhaltiger Zahnpasta empfohlen werden soll. Schiffner rät von Fluorid-Tabletten ab, weil sie vor dem Zahndurchbruch keinen karieshemmenden Effekt haben. Nach dem Zahndurchbruch müssten sie gelutscht werden, um gegen Karies wirksam zu sein, was bei Säuglingen und Kleinkindern aber eher unwahrscheinlich sei.

Neue Leistungen zur Vermeidung von Karies bei Kleinkindern

Weitere Maßnahmen zur Senkung der Prävalenz frühkindlicher Karies wurden vor einigen Monaten vom Gemeinsamen Bundesausschuss beschlossen und stehen seit Mitte des Jahres zur Verfügung:

-          Zahnärztliche Früherkennungsuntersuchungen ab dem sechsten Lebensmonat (bisher erst ab dem dritten Lebensjahr)

-          Das Auftragen von Fluoridlack zur Zahnschmelzhärtung wird für Kinder zwischen dem sechsten und 34. Lebensmonat Kassenleistung (zweimal je Kalenderhalbjahr).

-          Betreuungspersonen sollen über die Ursachen von Erkrankungen im Mund aufgeklärt werden, und in der Anamnese wird die Anwendung von Fluoridierungsmitteln wie Zahnpasta erfragt.

-          Betreuungspersonen können in der Zahnarztpraxis praktisch zum Zähneputzen bei ihrem Kleinkind angeleitet werden.

Quellen:
_______________________________________________________________

Prof. Dr. K. Bekes1, Prof. Dr. U. Schiffner2

 

1Fachbereich Kinderzahnheilkunde, Universitätszahnklinik Wien GmbH; kinder-unizahnklinik@meduniwien.ac.at
2Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (ZMK), Poliklinik für Parodontologie, Präventive Zahnmedizin und Zahnerhaltung, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf; schiffner@uke.de

 

26. Jahrestagung der DGKiZ, 26.-28.9.2019, Wien

IME 15-10209


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