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Von: - Ausgabe 1/2020 Beitrag Nr. 5

Der „Ess-Jet-Lag“: BMI und Variabilität der Essenszeiten sind miteinander assoziiert

Nicht nur was, sondern auch wann wir essen könnte eine Rolle für das Körpergewicht spielen: In einer großen Querschnittsstudie unter jungen Erwachsenen zeigte sich, dass ein großer Unterschied zwischen den Essenszeiten an Werktagen und Wochenenden mit einem höheren BMI verbunden war. Die Autoren gehen davon aus, dass der Stoffwechsel einen Tagesrhythmus aufweist, wodurch sich unregelmäßige Essenszeiten ungünstig auswirken und zur Entstehung von Adipositas beitragen könnten.

 

Der Stoffwechsel ist an die Tagesrhythmik angepasst

Unabhängig von der Art und Menge der Nahrung wurde auch der Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme mit Adipositas und einer ungünstigen Stoffwechsellage in Verbindung gebracht. Insbesondere eine Verzögerung der Nahrungsaufnahme wurde mit einem verringerten Energieverbrauch und einer beeinträchtigten Glukosetoleranz assoziiert. Man geht davon aus, dass unregelmäßige Mahlzeiten ungünstig für das Körpergewicht die Gesundheit des Herz-Kreislauf-Systems sind.

Der Körper unterliegt einer Zirkadianrhythmik, die unter anderem den Stoffwechsel auf die Nahrungsaufnahme vorbereitet und so dazu beiträgt, die Homöostase aufrechtzuerhalten. Unregelmäßige Mahlzeiten wirken sich entsprechend nachteilig auf den Stoffwechsel aus. Ein Beispiel dafür ist Essen während der üblichen Schlafphase: Dabei treffen die Ausschüttung von Melatonin und Insulin zusammen, was die Glukosetoleranz beeinträchtigt. Studien an Mäusen haben gezeigt, dass eine Fütterung ausschließlich während der Ruhephase Änderungen des Glukokortikoidspiegels im Plasma und der Körpertemperatur bewirkte. Die Entkopplung dieser Faktoren vom normalen nächtlichen Muster führte zu Stoffwechselstörungen und Fettleibigkeit.

Extrem betroffen sind Menschen, die in Nachschichten arbeiten. Eine abgemilderte Version stellen unterschiedliche Tagesrhythmen an Werktagen und Wochenende dar, die bei jungen Erwachsenen häufig ausgeprägt sind. Ob sich eine Verschiebung der Essenszeiten an Wochenenden im Vergleich zu Werktagen auf den Körpermassenindex (BMI) auswirken, war jedoch unbekannt.

Eine Untersuchung unter spanischen und mexikanischen Studenten

Um Zusammenhänge zwischen BMI und einem „Ess-Jetlag“ an Werktagen und Wochenenden aufzudecken wurde eine Querschnittsstudie mit 1106 Teilnehmern aus Spanien (72,1 %) und Mexiko im Alter von 18 bis 25 Jahren durchgeführt. Sie wurden nach ihren Schlaf- und Essgewohnheiten an Werktagen und Wochenenden, körperlicher Aktivität sowie Körpergröße und -gewicht befragt. In linearen und hierarchischen multivariaten Regressionsmodellen wurden die Assoziationen des Ess-Jetlags mit dem BMI unter Berücksichtigung von zirkadianen Variablen (z. B. Chronotyp, Essdauer, Schlafdauer und sozialem Jetlag) untersucht und die Form der Assoziation mit Hilfe kubischer Splines analysiert.

BMI und unregelmäßige Essenszeiten korrelieren

16,4 Prozent der Teilnehmer (78 % weiblich) waren übergewichtig oder adipös. 58 Prozent wiesen eine gute Ernährungsqualität auf und 50,7 Prozent übten regelmäßig ein intensives körperliches Training aus. Der soziale Jet lag zwischen Werktagen und Wochenende betrug durchschnittlich 1,7 ± 1,0 Stunden. Auch der Zeitpunkt der drei Hauptmahlzeiten war deutlich verschoben (1,3 ± 0,9 h; p < 0,001), wobei dies vor allem auf das Frühstück zutraf (2,0 ± 1,2 h). Bei zwei Drittel der Teilnehmer waren die Essenszeitpunkte um mehr als eine Stunde verschoben, bei 22,5 Prozent von ihnen um mehr als zwei Stunden.

Die Ergebnisse zeigten einen positiven Zusammenhang zwischen dem Ess-Jetlag und dem BMI (p = 0,008), d. h. Menschen, bei denen die Essenszeiten stärker variierten, hatten einen höheren BMI. Dieser Zusammenhang zeigte sich unabhängig von Nationalität, Alter, Geschlecht, körperlicher Aktivität, Ernährungsqualität, Schlafdauer, Chronotyp (Morgen-/ Abendmenschen) und sozialem Jetlag.

Weitere Analysen ergaben einen Hinweis auf eine Schwelle, ab der sich der BMI signifikant erhöhte: Mehr als 3,5 Stunden waren mit einem um 1,34 kg/m² (95 % CI: 0,026-2,40; p = 0,015) höheren BMI verbunden.

 

Die Autoren spekulieren, dass Intervallfasten, bei dem tägliche Essenspausen von 12 bis 16 Stunden eingehalten werden, zu einer regelmäßigen Nahrungsaufnahme und der Synchronisation mit der inneren Uhr beitragen. Sie leiten aus den Ergebnissen ab, dass sich der Zeitpunkt des Essens und ein Ess-Jetlag zwischen Werktagen und Wochenenden auf die Entstehung von Adipositas auswirken könnte. Andersherum könnte die Verringerung der Variabilität zwischen den Essenszeitpunkten der Prävention von Adipositas dienen.

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Quellen:

Zerón-Rugerio MF1,2, Hernáez Á3,4, Porras-Loaiza AP5, Cambras T6, Izquierdo-Pulido M2,4; maria_izquierdo@ub.edu

1Department of Nutrition, Food Science and Gastronomy, School of Pharmacy and Food Science, University of Barcelona, 08028 Barcelona, Spain. 2INSA-UB, Nutrition and Food Safety Research Institute, University of Barcelona, 08921 Santa Coloma de Gramenet, Spain. 3Cardiovascular Risk, Nutrition and Aging Research Unit, August Pi i Sunyer Biomedical Research Institute (IDIBAPS), Barcelona, 08036 Spain. 4CIBER Physiopathology of Obesity and Nutrition (CIBEROBN), Instituto de Salud Carlos III, 28029 Madrid, Spain. 5Department of Health Sciences, Universidad de las Americas Puebla, 72810 Puebla, Mexico. 6Department of Biochemistry and Physiology, School of Pharmacy and Food Science, University of Barcelona, 08028 Barcelona, Spain.

Nutrients. 2019 Dec 6;11(12). pii: E2980. doi: 10.3390/nu11122980.


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