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Prävention von Zahnkaries: Überblick über die Verbesserungen von Zahnpasta-Rezepturen von 1900 bis 2023

Erste Rezepturen zur Zahnreinigung wurden schon 4000–1500 v. Chr. erwähnt. Damals verwendete man Pulver aus Asche, Myrrhe, Eierschalen und Bimsstein, später Kreide und Seife. Seit dem 20. Jahrhundert haben sich Zahnpflegeprodukte deutlich verändert: Sie sind durch den gezielten Einsatz von remineralisierenden, antimikrobiellen und abrasiven Stoffen sehr viel komplexer und wirksamer geworden.

Vom selbstgemachten Pulver bis zur modernen Zahnpasta

Moderne Zahnpasten beugen durch komplexe Rezepturen mit unterschiedlichen Inhaltsstoffen Karies und Zahnfleischerkrankungen vor. Strategien zur Kariesprävention umfassen eine Vorbeugung von Demineralisierung und Verbesserung der Remineralisierung der Zähne, den Einsatz antibakterieller Mittel sowie die effiziente Entfernung von Plaque mithilfe von Schleifmitteln. Häufig werden zum Schutz vor Karies Fluoridverbindungen wie Natriumfluorid, Zinnfluorid, Aminfluorid und Natriummonofluorphosphat eingesetzt.

Zusätzlich zu diesen Wirkstoffen enthalten Zahnpasten auch verschiedene Zusatzstoffe, die die Beschaffenheit regulieren, sowie Aromen, Farbstoffe, Konservierungsmittel und Wasser.

Zahnpasta-Formulierungen haben sich in der Vergangenheit und insbesondere in den letzten Jahrzehnten stark verbessert: Zu Beginn des 19. Jahrhunderts verwendete man meist noch selbstgemachte Pulver aus Kreide und Seife zur Zahnreinigung. Um den Seifengeschmack zu überdecken, wurde häufig Zucker hinzugefügt. 1914 wurde die erste Zahnpasta-Rezeptur mit Fluorid patentiert – von den Inhaltsstoffen dieser Rezeptur werden heute jedoch nur noch wenige verwendet. Heutzutage sind Zahnpasta-Formulierungen wesentlich komplexer und auf die spezifischen Bedürfnisse verschiedener Zielgruppen zugeschnitten.

Ziel dieser Studie war es, die Verbesserung von Zahnpasta-Formulierungen von 1900 bis 2023 im Hinblick auf ihre remineralisierenden, antibakteriellen oder Plaque-entfernenden Wirkungen zu analysieren.

Suche nach Zahnpasta-Formulierungen in Patent- und Produktdatenbanken

Mithilfe der internationalen Datenbank Espacenet des Europäischen Patentamts wurden weltweite Patentanmeldungen zu Zahnpasta-Formulierungen gesichtet. Darüber hinaus wurde in der Mintel-Produktdatenbank von 1996 bis 2023 recherchiert.

Gesucht wurde nach folgenden Inhaltsstoffen, von denen bekannt ist, dass sie remineralisierend, antibakteriell oder gegen Plaque wirksam sind:

  • Calciumcarbonat: milde abrasive Wirkung, Pufferwirkung, setzt unter sauren Bedingungen Calcium frei
  • Calciumphosphate (verschiedene): remineralisierend, hemmen die Besiedelung von Zahnoberflächen durch Bakterien, wirksam gegen Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH)
  • Kieselsäure: mild abrasiv bei guter Plaque-Entfernung
  • Natriumfluorid: remineralisierend und antibakteriell
  • Natriumlaurylsulfat: antibakteriell, unterstützt die Verteilung der Wirkstoffe in der Mundhöhle
  • Triclosan: antibakteriell
  • Zinksalze: antibakteriell

Seit den 1970er Jahren wurden Rezepturen für Zahnpasten deutlich komplexer

Zwischen 1900 und 1959 umfassten die meisten Patentanmeldungen Calciumcarbonat, Calciumphosphat und Natriumlaurylsulfat als Inhaltsstoffe. Zwischen 1950 und 1959 nahmen die Patentanmeldungen deutlich zu, wobei 91 Rezepturen Calciumcarbonat enthielten. Danach nahm die Entwicklung weiter Fahrt auf: In den Zeiträumen 1960–1969 und 1970–1979 verdoppelten sich die Patentanmeldungen und nahmen seitdem stetig weiter zu.

Bei einer Analyse der Inhaltsstoffe seit 1996 zeigte sich, dass der überwiegende Teil der Produkte Kieselsäure, Natriumfluorid und Natriumlaurylsulfat enthielt. Aber auch die Vielfalt an Zahnpasten mit anderen Inhaltsstoffen hat zugenommen, beispielsweise ist die Verwendung von Hydroxylapatit (ein Calciumphosphat) seit 2008 deutlich gestiegen. Lediglich Rezepturen für Triclosan-haltige Zahnpasten sind zurückgegangen.

Fazit

Insgesamt enthalten nahezu alle Zahnpasten seit den 1950er Jahren kariespräventive Inhaltsstoffe. Mit Beginn der 1970er Jahre wurden an den Rezepturen nochmals deutliche Optimierungen vorgenommen, und sie wurden komplexer. Gleichzeitig war ein deutlicher Kariesrückgang in der Bevölkerung zu verzeichnen, was auf den gezielteren Einsatz von Wirkstoffen zurückzuführen ist, die remineralisierend, antibakteriell und Plaque-entfernend wirken. Der überwiegende Teil der in jüngeren Jahren vermarkteten modernen Zahnpasten enthält Kieselsäure, Natriumfluorid und Natriumlaurylsulfat.

Quellen:
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Unterbrink P1, Schulze Zur Wiesche E1,2, Meyer F2, Fandrich P2, Amaechi BT 3, Enax J2; joachim.enax@drwolffgroup.com

1Research Department, Dr. August Wolff GmbH & Co. KG Arzneimittel, Sudbrackstr. 56, 33611 Bielefeld, Germany; 2Research Department, Dr. Kurt Wolff GmbH & Co. KG, Johanneswerkstr. 34-36, 33611 Bielefeld, Germany; 3Department of Comprehensive Dentistry, School of Dentistry, University of Texas Health San Antonio, 7703 Floyd Curl Drive, San Antonio, TX 78229-3900, USA.

Prevention of Dental Caries: A Review on the Improvements of Toothpaste Formulations from 1900 to 2023.

Dent J (Basel). 2024 Mar 4;12(3):64. https://doi.org/10.3390/dj12030064


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