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Störungen der Mundflora sind mit frühkindlicher Karies vergesellschaftet

Frühkindliche Karies ist weltweit immer noch ein bedeutendes Gesundheitsproblem. Eine Dysbiose der Mundflora spielt für die Entstehung von Karies in Milchzähnen wahrscheinlich eine wichtige Rolle. Den Ergebnissen dieser Studie zufolge steht eine Veränderung der relativen Häufigkeit des Karieserregers Streptococcus mutans mit dem Auftreten von frühkindlicher Karies in Verbindung. Einer Demineralisierung des Zahnschmelzes durch Säuren, die diese Bakterien aus Kohlenhydraten der Nahrung bilden, lässt sich durch eine konsequente Zahnpflege mit fluoridhaltiger Zahnpasta effektiv vorbeugen. Zu diesem Zweck wurden neue, eindeutige Empfehlungen zur Verwendung von Fluoriden bei Kindern ausgesprochen.

Karies der Milchzähne

Unter frühkindlicher Karies (early childhood caries, ECC) versteht man jegliche kariöse Läsionen – egal, ob mit oder ohne Kavitation – sowie aufgrund von Karies gefüllte oder fehlende Milchzähne bei Kindern unter sechs Jahren. Frühkindliche Karies ist entgegen weit verbreiteter Annahmen keineswegs harmlos, denn sie kann zu Kaufunktionsstörungen, Malokklusion, Kieferdysplasie, Kiefergelenkserkrankungen, ästhetischen Problemen und einer veränderten Aussprache führen – Dinge, die das Leben eines Kindes nachhaltig beeinträchtigen können. Bei der Entstehung von Karies spielen vor allem vier Faktoren eine wichtige Rolle:

  • Bakterien im Biofilm an den Zahnoberflächen (Plaque),
  • die Ernährung,
  • die individuelle Kariesanfälligkeit und
  • Zeit.

Bakterien im Zahnbelag verstoffwechseln Kohlenhydrate zu Säure, was eine Demineralisierung des Zahnschmelzes zur Folge hat. Das lässt sich weniger auf einzelne Bakterienspezies zurückführen, sondern eher auf eine Dysbiose des oralen Mikrobioms, also eine Störung der Mundflora mit dem vermehrten Auftreten kariogener Arten wie Streptococcus mutans, Actinomyces oder verschiedene Laktobazillen. Dabei ist auch die individuelle Kariesresistenz von Bedeutung.

Welche Mikroorganismen sind besonders an der Entstehung von frühkindlicher Karies beteiligt?

Ob es bei dem Prozess der frühkindlichen Kariesentwicklung an Milchzähnen Spezies gibt, die eine besondere Rolle einnehmen, war Gegenstand der Studie. Dafür verglichen die Autoren die bakteriellen Mikrobiome im Speichel von je 15 Kindern im Alter zwischen vier und sechs Jahren mit (Kariesindex dmft ≥ 10) und ohne frühkindliche Karies (dmft = 0). Dies erfolgte durch die Isolierung der bakteriellen 16S rRNA, ihrer Vervielfältigung und einer anschließenden Sequenzierung.

Von beiden Gruppen wurden je zwei Proben ausgeschlossen, da sie zu wenige auswertbare Sequenzen ergeben hatten. Die restlichen 26 Proben führten zu insgesamt knapp 700.000 Sequenzen, die sich hinsichtlich der Diversität und der Anzahl der enthaltenen Arten in der Kontroll- und der Kariesgruppe nicht signifikant voneinander unterschieden (p > 0,05).

Unterschiede in der relativen Häufigkeit von Mutans-Streptokokken

Es gab jedoch Unterschiede zwischen den Gruppen hinsichtlich der relativen Häufigkeit von Streptococcus mutans (Wilcoxon-Rangsummentest, p < 0,05). Andere Spezies oder funktionelle Gene unterschieden sich zwischen den Gruppen nicht.

Als Begründung für die geringfügigen Unterschiede in der Besiedelung der Mundhöhle führen die Autoren an, dass Streptococcus mutans im Anfangsstadium der Kariesbildung, der Phase der Demineralisierung, möglicherweise auch in geringer Häufigkeit als Schlüsselpathogen wirken kann: Diese Mikroorganismen wandeln Kohlenhydrate zu Säuren um, die den Zahnschmelz attackieren. Nach Beginn der Kariesbildung wird die lokale Nische von anderen Bakterien dominiert, so dass es relativ schwierig ist, Streptococcus mutans in größeren Mengen nachzuweisen.

Klare Empfehlungen zur Vorbeugung der frühkindlichen Karies[1]

Seit dem Frühjahr 2021 gelten gemeinsame Empfehlungen von Kinderärzten und Zahnärzten für die Kariesprävention bei Kindern im Alter von null bis sechs Jahren: 

  • Nach der Geburt erfolgt ab der zweiten Lebenswoche eine kombinierte Gabe von Fluorid und Vitamin D in einer Tablette (0,25 mg/Tag).
  • Ab dem Durchbruch des ersten Milchzahns bis zum ersten Geburtstag gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder weiterhin die Tablette mit Vitamin D und Fluorid

oder ein- bis zweimal täglich Zähneputzen mit einer Zahnpasta, die 1000 ppm Fluorid enthält. Dabei wird eine reiskorngroße Menge verwendet.

  • Ab dem ersten Geburtstag sollen bei allen Kindern die Zähne geputzt werden (Zahnpasta mit 1000 ppm Fluorid, reiskorngroße Menge).
  • Ab dem zweiten Geburtstag wird zwei- bis dreimal täglich mit einer erbsengroßen Menge Kinderzahnpasta geputzt (1000 ppm).

 

Wichtig dabei ist: Das Motto „Viel hilft viel“ ist bei Säuglingen und kleinen Kindern nicht angebracht, da sie die Zahnpasta noch nicht ausspucken können. Deshalb müssen Eltern darauf achten, dass nicht zu viel Zahnpasta auf die Zahnbürste gegeben wird. Sobald mit dem Zähneputzen begonnen wird, sollte die Fluoridtablette abgesetzt werden, damit es nicht zu einer zu hohen Fluoridaufnahme kommt. Bei Bedarf gibt es auch Tabletten mit Vitamin D, die kein Fluorid enthalten.

Quellen:
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Zheng H1, Xie T2, Li S, Qiao X3, Lu Y4, Feng Y5; fjlyg63@fjmu.edu.cn

1Stomatological Key Laboratory of Fujian College and University and Department of Orthodontics, School and Hospital of Stomatology, Fujian Medical University, Fuzhou, China; 2Fujian Provincial Engineering Research Center of Oral Biomaterial and Department of Preventive Dentistry, School and Hospital of Stomatology, Fujian Medical University, Fuzhou, Chin; 3School and Hospital of Stomatology, Fujian Medical University, Fuzhou, China; 4Institute of Stomatology and Department of Preventive Dentistry, School and Hospital of Stomatology, Fujian Medical University, 246 Middle Yangqiao Road, Fuzhou, 350000, China; 5Fujian Key Laboratory of Oral Diseases and Department of Preventive Dentistry, School and Hospital of Stomatology, Fujian Medical University, 246 Middle Yangqiao Road, Fuzhou, 350000, China.

Analysis of oral microbial dysbiosis associated with early childhood caries.

BMC Oral Health. 2021 Apr 7;21(1):181. doi: 10.1186/s12903-021-01543-x.

 


[1] Pressekonferenz und Fachgespräch: Kariesprävention im Säuglings- und frühen Kindesalter (29.04.2021). https://www.gesund-ins-leben.de/netzwerk-gesund-ins-leben/veranstaltungen/pressekonferenz-und-fachgespraech/

 


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