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Zuckerkonsum und Adipositas bei europäischen Jugendlichen: Ergebnisse der HELENA-Studie

Diese Querschnittstudie zeigt, dass die Aufnahme von freien Zuckern bei europäischen Jugendlichen zwar über der Empfehlung der WHO liegt, aber nicht mit dem BMI oder der Entstehung von Adipositas assoziiert ist. Es wurden auch keine Zusammenhänge zwischen einzelnen Lebensmittelgruppen und Adipositas beobachtet.

Extrinsische und intrinsische Zucker

2016 waren weltweit mehr als 340 Millionen Kinder und Jugendliche übergewichtig oder adipös. Das führt dazu, dass bereits Kinder an Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen leiden. Die Ursache für Adipositas sieht man unter anderem beim Verzehr energiedichter Lebensmittel in Verbindung mit anderen Risikofaktoren wie einem sitzenden Lebensstil und unzureichender körperlicher Aktivität.

Die Aufnahme von freiem Zucker steht im Verdacht, zur Entwicklung von Adipositas beizutragen, insbesondere in Form von zuckerhaltigen Getränken. Dabei wird oft zwischen intrinsischem und extrinsischem Zucker unterschieden. Letzterer befindet sich nicht in Zellen von Lebensmitteln, sondern wird bei der Herstellung, beim Kochen oder durch den Verbraucher zugesetzt oder stammt aus Honig, Sirup und ungesüßtem Fruchtsaft. Laktose (Milchzucker) wird davon oft ausgeschlossen, dann spricht man von „nonmilk extrinsic sugars“ oder freien Zuckern.

Laut Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sollte der tägliche Verbrauch von freiem Zucker 10 Prozent der Gesamtenergiezufuhr nicht überschreiten.

Die HELENA-Studie

Die Querschnittsstudie „Healthy Lifestyle in Europe by Nutrition in Adolescence Cross-Sectional Study“ (HELENA-CSS) war eine multizentrische Querschnittsstudie, an der in den Jahren 2006 und 2007 Jugendliche im Alter zwischen 12,5 und 17,5 Jahren aus zehn europäischen Städten teilnahmen. Von der Gesamtstichprobe betrachtet die vorliegende Studie 843 Jugendliche ohne Untergewicht, von denen je zwei plausible 24-Stunden-Ernährungsprotokolle sowie Informationen zu Körpergewicht und Größe vorlagen. Ihre körperliche Aktivität war an sieben aufeinander folgenden Tagen durch Akzelerometer erfasst worden. Aus den Ernährungsprotokollen wurde die Menge an freiem Zucker berechnet, die die Jugendlichen aufgenommen hatten. Dies wurde in linearen und logistischen Regressionsmodellen zum BMI und der Körperfettmasse in Beziehung gesetzt.

Höhere Zuckeraufnahme bei Jungen

Jungen hatten einen signifikant höheren Taillenumfang (p = 0,025), waren häufiger adipös (p = 0,044) und körperlich aktiver (p = 0,042) als Mädchen, hatten aber im Durchschnitt eine geringere Körperfettmasse (p < 0,001). Bei den Jungen betrug die mittlere Energieaufnahme 2813,49 Kilokalorien (SD ± 857,77) und die Aufnahme von freiem Zucker 102,60 Gramm (SD ± 63,74), bei den Mädchen 2156,17 Kilokalorien (SD ± 533,71) und 87,58 Gramm (SD ± 49,71). Der Zucker stammte vor allem aus Kuchen, Torten und Keksen, Frühstückscerealien, Getränken, Schokolade, anderen Süßwaren, Desserts, Obst- und Gemüsesäften sowie Honig und Marmelade.

Kaum klare Zusammenhänge mit BMI, Körperfettmasse oder Adipositas

Die Aufnahme von freiem Zucker aus den verschiedenen Lebensmittelgruppen war bei Jugendlichen mit Adipositas geringer als bei normalgewichtigen und übergewichtigen, der Unterschied erreichte aber keine Signifikanz. Während sich bei Jungen kein Zusammenhang zwischen der Zuckeraufnahme und dem BMI oder der Körperfettmasse zeigte, gab es bei Mädchen einen inversen Zusammenhang mit der Körperfettmasse.

Keine der Lebensmittelgruppen war mit dem BMI assoziiert, bei Mädchen war aber eine umgekehrte Assoziation von Schokolade, Säften und andere Zuckerquellen mit der Körperfettmasse zu beobachten (p < 0,05).

Jungen, die freien Zucker aus Kuchen, Torten und Keksen zu sich nahmen, hatten im Vergleich eine geringere Wahrscheinlichkeit für Adipositas als Jungen, die diese Produkte nicht aßen (OR = 0,455; 95 % CI 0,251 bis 0,824). Normalgewichtige Mädchen, die Frühstückszerealien aßen, hatten eine geringere Wahrscheinlichkeit, adipös zu werden (OR = 0,423; 95 % CI 0,204 bis 0,878). Der Verzehr von Säften war bei ihnen dagegen mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für Adipositas verknüpft (OR = 2,733; 95 % CI 1,286 bis 5,810). Jungen, die übergewichtig oder adipös waren, konsumierten im Vergleich zu normalgewichtigen tendenziell weniger Säfte (p = 0,013).

Fazit

Die Aufnahme von freiem Zucker überschritt in dieser Studie die Empfehlungen der WHO. Sie liegt im Bereich anderer europäischer Ernährungsstudien bei Jugendlichen, bei denen 14 bis 21 Prozent der Gesamtenergie aus Zucker aufgenommen wurden. Es zeigten sich keine Hinweise darauf, dass eine erhöhte Aufnahme von freiem Zucker oder bestimmten zuckerhaltigen Nahrungsmittelgruppen Auswirkungen auf den BMI oder die Körperfettmasse hat oder zu Adipositas führt. Insgesamt war zu beobachten, dass schlanke, körperlich aktive Jugendliche häufig eine energie- und zuckerreiche Ernährungsweise hatten.

Quellen:
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Sondos M Flieh1, Luis A Moreno1,2,3,4, María L Miguel-Berges1,2, Peter Stehle5, Ascensión Marcos6, Dénes Molnár7, Kurt Widhalm8, Laurent Béghin9, Stefaan De Henauw10, Anthony Kafatos11, Catherine Leclercq12, Marcela Gonzalez-Gross4,13, Jean Dallongeville14, Cristina Molina-Hidalgo15, Esther M González-Gil1,2,3,16; lmoreno@unizar.es 

1Growth, Exercise, Nutrition and Development (GENUD) Research Group, Faculty of Health Sciences, University of Zaragoza, 50009 Zaragoza, Spain; 2Instituto Agroalimentario de Aragón (IA2), 50013 Zaragoza, Spain; 3Instituto de Investigación Sanitaria Aragón (IIS Aragón), 50009 Zaragoza, Spain; 4CIBER Fisiopatología de la Obesidad y Nutrición, Instituto de Salud Carlos III, 28029 Madrid, Spain; 5Department of Nutrition and Food Sciences, University of Bonn, D-53115 Bonn, Germany; 6Inmunonutrition Research Group, Department of Metabolism and Nutrition, Instituto del Frío, Institute of Food Science and Technology and Nutrition (ICTAN), Spanish National Research Council (CSIC), 28040 Madrid, Spain; 7Department of Pediatrics, Medical School, University of Pécs, H-7624 Pécs, Hungary; 8Division of Clinical Nutrition and Prevention, Department of Pediatrics, Medical University of Vienna, 1090 Vienna, Austria; 9Inserm, U1286-INFINITE-Clinical Investigation Center-Institute for Translational Research in Inflammation and CIC 1403, University Lille, CHU Lille, F-59000 Lille, France; 10Department of Public Health and Primary Care, Faculty of Medicine and Health Sciences, Ghent University, 9000 Ghent, Belgium; 11Faculty of Medicine, University of Crete, GR-71003 Crete, Greece; 12Food and Nutrition Research Centre-Council for Agricultural Research and Economics, 00198 Rome, Italy; 13ImFINE Research Group, Department of Health and Human Performance, Faculty of Physical Activity and Sport-INEF, Universidad Politécnica de Madrid, 28040 Madrid, Spain; 14Department of Epidemiology and Public Health, Institut Pasteur de Lille, 59000 Lille, France;15EFFECTS 262, Department of Physiology, Faculty of Medicine, University of Granada, 18016 Granada, Spain; 16Center of Biomedical Research (CIBM), Department of Biochemistry and Molecular Biology II, Instituto de Nutrición y Tecnología de los Alimentos, University of Granada, 18071 Granada, Spain.

Free Sugar Consumption and Obesity in European Adolescents: The HELENA Study.

Nutrients. 2020 Dec 5;12(12):3747. Doi: 10.3390/nu12123747


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