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Adipositas, Ernährungsgewohnheiten und soziodemografische Faktoren bei Studierenden in Deutschland

Diese große Querschnittsstudie unterstreicht das komplexe Zusammenspiel von soziodemografischen Faktoren und dem Lebensstil bei der Entstehung von Adipositas unter Studierenden in Deutschland. Das Leben in Wohngemeinschaften scheint eine schützende Wirkung zu haben, während eine starke Abhängigkeit von Studienkrediten mit einem erhöhten Risiko korrelierte.

In der Studienzeit bilden sich langfristige Gewohnheiten aus 

Die zunehmende Häufigkeit von Adipositas unter Studierenden ist besorgniserregend, da sie mit einem Risiko für chronische Erkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bestimmte Krebsarten einhergeht. Verschiedene dieser Adipositas-bedingten Krankheiten, die normalerweise erst später im Leben auftreten, kommen zunehmend schon in jüngerem Alter vor.

Als junge Erwachsene festigen Studierende Verhaltensweisen, die sie ihr Leben lang beibehalten. Dies wurde unter anderem für die Ernährung und den Konsum von Alkohol und Nikotin nachgewiesen. Der Übergang ins Studentenleben ist oft mit Veränderungen der Ernährungsgewohnheiten, der körperlichen Aktivität und der Stressbewältigung verbunden – Faktoren, die mit dem Risiko für Übergewicht und Adipositas verbunden sind. Begrenzte finanzielle Möglichkeiten, wenig Kochkenntnisse und unzureichendes Ernährungswissen begünstigen eine ungünstige Lebensmittelauswahl. Bei jungen Erwachsenen spielt zudem Stress eine Rolle für die Entstehung und den Verlauf von Adipositas.

Die Bevölkerungsgruppe der Studierenden ist unzureichend untersucht

Da in Deutschland offizielle Statistiken zu Studierenden und Adipositas fehlen, sind auch die sozioökonomischen Faktoren und Ernährungsgewohnheiten in diesem Kontext nicht ausreichend erfasst.

Deshalb untersucht diese Studie, ob es bei Studierenden in Deutschland Zusammenhänge zwischen Adipositas und soziodemografischen Faktoren wie dem Alter, Geschlecht, Bildungsgrad der Eltern, Migrationsstatus und Einkommen sowie dem Lebensstil und der Ernährung gibt.

Umfangreiche Daten von fast 10.000 Teilnehmenden

Die Querschnittsstudie nutzte Daten von mehr als 9.960 Teilnehmenden der 10. Erhebung der Umfrage „Fachkraft 2020“ aus dem Jahr 2017. Erfasst wurden Körpergröße, Gewicht, Alter, Geschlecht, elterliche Bildung, Migrationshintergrund, Einkommen, Wohnsituation, Beziehungsstatus, Art der Essenszubereitung und die Verzehrhäufigkeit bestimmter Lebensmittel.

Es wurden drei sequentielle logistische Regressionsmodelle erstellt:

  • Modell 1: soziodemografische Basisdaten (Alter, Geschlecht, Bildung der Eltern, Einkommen)
  • Modell 2: zusätzlich sozialer Kontext (Wohnsituation, Beziehungsstatus)
  • Modell 3: zusätzlich Verhaltensfaktoren (Art der Essenszubereitung)

Viele soziodemografische Basisdaten sind bei Studierenden mit Adipositas assoziiert

Die Ergebnisse der logistischen Regression zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit für Adipositas mit jedem weiteren Lebensjahr steigt: Während unter den 18- bis 19-jährigen Studierenden 3,4 Prozent adipös waren, waren es im Alter von 30 bis 34 Jahren 9,8 Prozent. Das Geschlecht hatte auf diesen Trend keinen Einfluss, Frauen wiesen aber in allen Altersgruppen eine geringere Adipositasrate auf.

Studierende, deren Eltern über einen Hochschulabschluss verfügten, hatten deutlich seltener Adipositas (4 %) im Vergleich zu Studierenden mit Eltern ohne (Fach-)Abitur (7,8 %). Auch Studierende, bei denen mindestens ein Elternteil eingewandert war, hatten häufiger Adipositas (7,8 % im Vergleich zu 5,3 %). Das Einkommen war bei Studierenden mit und ohne Adipositas vergleichbar (953 bzw. 958 Euro). Eine genauere Betrachtung ergab aber, dass adipöse Studierende mehr Geld aus Krediten oder BAföG bezogen und jene ohne Adipositas mehr privat von Eltern, Verwandten oder Nahestehenden. 

Beziehungsstatus, Wohnform und Ernährungsgewohnheiten 

Das Wohnen allein oder mit einem Partner war im Gegensatz zum Wohnen in einer Wohngemeinschaft mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für Adipositas verbunden (OR = 1,878). Verheiratete Studierende waren häufiger adipös, aber auch insgesamt älter. 

Die Ernährungsgewohnheiten waren bei Studierenden mit und ohne Adipositas ähnlich, mit Ausnahme von Bestellungen bei Lieferdiensten, die bei jenen mit Adipositas deutlich häufiger vorkamen (OR = 1,498). Die Verzehrhäufigkeit verschiedener Lebensmittelkategorien war weitgehend vergleichbar. 

Fazit

Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen das komplexe Zusammenspiel von soziodemografischen Faktoren und Lebensstilfaktoren hinsichtlich Adipositas unter Studierenden. Die Förderung von Wohngemeinschaften, gesünderen Ernährungsangeboten zur Verringerung der Abhängigkeit von Lieferdiensten und eine Fokussierung von Präventionsmaßnahmen auf Studierende aus bildungsfernen Haushalten könnten Potenzial zur Vermeidung von Adipositas bieten.

Quellen:
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Lemken D1, Magnasco AE1, Hartmann M2, Bach L2, Risius A3, Seegers PK4, von Philipsborn P5dominic.lemken@ilr.uni-bonn.de 

1 Chair for Socioeconomics of Sustainable Nutrition, Institute for Food and Resource Economics, University of Bonn, 53115, Bonn, Germany; 2Chair for Agriculture and Food Market Research, Institute for Food and Resource Economics, University of Bonn, 53115, Bonn, Germany; 3Food and Consumer Sciences, Sustainable Nutrition and Distribution, Department of Nutritional Sciences, University of Applied Science Fulda, 36037, Fulda, Germany; 4Economics of Education, School of Business and Economics, University of Maastricht, 6211 LK, Maastricht, Netherlands; 5Chair of Public Health Nutrition, Universität Bayreuth, 95447, Bayreuth, Germany.

Obesity, food habits and socio-demographic factors among university students in Germany: a cross-sectional study. 

Sci Rep. 2026 Jun 14;16(1):18374. doi: 10.1038/s41598-026-57347-y


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