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Adipositas im Vorschulalter: Welche Rolle spielen Bewusstsein und Ernährungsverhalten der Eltern?

Diese Querschnittsstudie mit 347 Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren stellt fest, dass der Body-Mass-Index (BMI) von Kindern mit Faktoren wie dem Alter und dem BMI der Eltern, deren Ernährungspraktiken sowie der täglichen Bildschirmzeit der Kinder verbunden ist. Zudem zeigte sich eine ausgeprägte Fehleinschätzung des Körpergewichts der Kinder seitens der Eltern, denn kein Elternteil von 31 Kindern mit Adipositas nahm das eigene Kind als adipös wahr.

Eltern prägen die Essgewohnheiten und den Lebensstil ihrer Kinder

Die frühe Kindheit ist eine entscheidende Phase für die Ausbildung lebenslanger Ernährungsgewohnheiten. Adipositas im Kindesalter wird durch viele Faktoren beeinflusst, die sich auf die körperliche und die psychische Gesundheit auswirken. Dazu zählen der sozioökonomische Status, der BMI der Eltern, das Geburtsgewicht, das Geschlecht und die Häufigkeit des Verzehrs energiedichter Lebensmittel. Weiter tragen die Bildschirmzeit und ein bewegungsarmes Verhalten der Kinder zu einem erhöhten BMI bei. Auch die Selbstwirksamkeit der Eltern in Bezug auf das Ernährungsverhalten steht im Zusammenhang mit der Gewichtskontrolle und der Übernahme gesunder Verhaltensweisen durch die Kinder.

Eine zentrale Rolle spielen zudem Ernährungspraktiken der Eltern. So sind Restriktionen in der Ernährung mit einem höheren Gewicht von Kindern verbunden, während Druck zur Nahrungsaufnahme eher mit einem niedrigeren oder normalen Gewicht einhergeht.

Studien zeigen, dass die Mütter das Körpergewicht ihrer Kinder oft falsch einschätzen, was Gegenmaßnahmen verzögert. Zur Prävention von Übergewicht und Adipositas im Kindesalter ist es jedoch entscheidend, Risikogruppen schon vor Beginn der Adipositas zu identifizieren.

Deskriptive Querschnittstudie aus der Türkei

Die Studie basiert auf Daten von 347 in der Türkei lebenden Kindern im Alter von 36 bis 72 Monaten und deren Eltern. Anhand von Fragebögen wurden Daten erhoben zur täglichen Bildschirmzeit, der Kontrolle der Ernährung durch die Eltern und zur optischen Wahrnehmung des Körpergewichts. Größe und Gewicht wurden durch Messungen ermittelt.

Die Daten dienten der statistischen Erfassung von:

  • Prävalenz von Übergewicht und Adipositas

  • Zusammenhang des BMI der Mütter und Väter mit dem ihrer Kinder

  • Wahrnehmung des Körpergewichts und des Erscheinungsbildes der Kinder durch die Eltern

  • Zusammenhang der Ernährungspraktiken der Eltern (z. B. Druckausübung beim Essen, Einschränkungen oder Aufsicht) und dem BMI ihrer Kinder

Kinder von jüngeren Eltern haben im Schnitt einen höheren BMI

Von den 347 untersuchten Kindern hatten 234 Normalgewicht (67,4 %), 52 Untergewicht (15,0 %), 30 Übergewicht (8,6 %) und 31 Adipositas (8,9 %).

Es zeigte sich ein signifikanter positiver Zusammenhang zwischen dem BMI der Eltern und dem BMI ihrer Kinder (p = 0,001). Gemeinsam erklärten der BMI der Mutter und des Vaters etwa 17 Prozent der Gewichtsabweichungen der Kinder, wobei der BMI der Mutter einen stärkeren Einfluss hatte (p = 0,001) als der BMI der Väter (p = 0,005). Der BMI der Kinder verhielt sich umgekehrt proportional zum Alter der Eltern. Kinder von jüngeren Müttern und Vätern wiesen im Durchschnitt also einen höheren BMI auf.

Gemäß einer multifaktoriellen Regressionsanalyse nahmen folgende drei Faktoren maßgeblich auf den BMI der Kinder Einfluss:

  • die Wahrnehmung des eigenen Gewichts durch die Eltern

  • das durch die Eltern wahrgenommene Gewicht des Kindes 

  • Drängen/Zwingen des Kindes zum Essen

Zusammen erklären diese Faktoren 15 Prozent der Varianz des BMI der Kinder.

Die Bildschirmzeit ist mit dem BMI der Kinder verbunden

Die tägliche Nutzung von Bildschirmen wie Smartphone, Tablet, Fernseher, Computer, Spielekonsolen hing signifikant mit dem Gewichtsstatus der Kinder zusammen (p = 0,002). Mit zunehmendem Gewichtsstatus verbrachten die Kinder stetig mehr Zeit an Bildschirmen – bei Kindern mit Adipositas waren es durchschnittlich 202 Minuten pro Tag, also über 3,3 Stunden.

Eltern erkennen Adipositas und Übergewicht extrem häufig nicht

Keines der Elternteile von 31 Kindern mit Adipositas hielt sein Kind für adipös. 14 Eltern stuften ihr adipöses Kind als normalgewichtig ein, 13 als übergewichtig und 4 als untergewichtig.

Nur 9 Eltern von 30 übergewichtigen Kindern hielten ihr Kind für übergewichtig, 17 schätzten es als normalgewichtig und 4 als untergewichtig ein.

122 der 234 Eltern von normalgewichtigen Kindern schätzten ihr Kind als untergewichtig ein, also knapp die Hälfte.

Die Diskrepanz zwischen dem Eindruck der Eltern und dem tatsächlichen Gewichtsstatus ihrer Kinder war statistisch hochsignifikant (p = 0,001).

Fazit

Die Ergebnisse der vorliegenden Studie zeigen, dass verschiedene familiäre Faktoren auf den BMI von Kindern Einfluss nehmen. Eine besondere Stellung nahm die Einschätzung der Eltern des eigenen Körpergewichts und dem ihrer Kinder ein: Alle Eltern unterschätzten Adipositas bei ihren betroffenen Kindern. Diese Fehleinschätzung verhindert präventive Maßnahmen und geeignete Lebensstiländerungen.

Insgesamt legen diese Ergebnisse nahe, dass umfassende familienbasierte Ansätze wirksam zur Adipositasprävention beitragen könnten. Aufgrund des Querschnittsdesigns dieser Studie sind allerdings keine direkten Rückschlüsse auf Ursachen möglich.

Quellen:
__________________________________

Kavak E1, Sezici E2; emel.sezici@ksbu.edu.tr. 

1Department of Medical Services and Techniques, Kütahya Vocational School, Kütahya Health Sciences University, Kütahya, Türkiye; 2Department of Pediatric Nursing, Faculty of Health Sciences, Kütahya Health Sciences University, Kütahya, Türkiye

Preschool Childhood Obesity: The Role of Parental Awareness and Nutrition Practices

J Paediatr Child Health. 2026 Sep 11. doi: 10.1111/jpc.70579


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