Antimikrobielle Peptide (AMPs) als Bestandteile der angeborenen Immunabwehr im Speichel
Speichel hat vielfältige biologische Aufgaben, darunter auch antibakterielle, antimykotische und antivirale Wirkungen. Er besteht zu etwa 99 Prozent aus Wasser und enthält nur ca. 1 Prozent organische und anorganische Moleküle. Proteine des Speichels wie Enzyme, antimikrobielle Peptide (AMPs), Immunglobuline und Interleukine nehmen auf die Entstehung von Karies, Parodontitis und andere orale Erkrankungen Einfluss.
In dieser Studie wurde der Gehalt verschiedener AMPs im Speichel näher untersucht. Die Oligopeptide aus 5 bis 100 positiv geladenen Aminosäuren werden von Epithel- und Immunzellen des angeborenen Immunsystems gebildet, unter anderem in der Mundschleimhaut, der Zahnpulpa, den Speicheldrüsen, der Zunge und dem Knochenmark. AMPs fungieren als erste Verteidigungslinie gegen pathogene Mikroorganismen, indem sie elektrostatisch an deren häufig negativ geladene Oberflächen binden und immunmodulatorisch wirken. AMPs, die mit oralen Erkrankungen in Verbindung gebracht werden, sind unter anderem α- und β-Defensine, Histatine sowie Cathelicidin LL-37.
Im Vergleich zu funktionellen Speicheleigenschaften wie Flussrate, Pufferkapazität und pH-Wert sind AMPs als potenzielle Biomarker für das Kariesrisiko relativ wenig erforscht. In dieser Studie wurde deshalb untersucht, ob AMPs im Speichel mit dem Kariesstatus junger Erwachsener verbunden sind.
Untersuchung von 40 jungen Erwachsenen
An der Studie nahmen 40 gesunde junge Erwachsene im Alter von 18 bis 35 Jahren teil (23 weiblich).
Sie wurden ihrem Kariesstatus entsprechend in zwei gleich große Gruppen unterteilt:
- Gruppe mit geringer Karieserfahrung: Personen mit nicht-kavitierten, inaktiven Läsionen (ICDAS-Code 1–2)
- Gruppe mit hoher Karieserfahrung: Personen mit mindestens acht aktiven, nicht-kavitierten Läsionen (ICDAS-Code 3) oder mindestens vier aktiven, kavitierten Läsionen (ICDAS-Codes 4–6)
In der Kariesforschung ist der DMFS-Index (kariöse Zahnflächen, fehlende Zähne und gefüllte Zahnflächen) ein gängiges Instrument zur Erfassung des Kariesstatus. Hier wurde der sensitivere D1-6MFS-Index verwendet, da er auch frühe Demineralisation als Anzeichen beginnender Karies erfasst.
Die Speichelentnahme und -verarbeitung erfolgte nach einem standardisierten Verfahren morgens nach 8- bis 10-stündigem Fasten. Im Speichel wurden die Mengen an humanem β-Defensin (hBD)-1, -2 und -3 sowie Histatin-5 und Cathelicidin LL-37 bestimmt.
Mehr AMPs bei Personen mit geringer Karieserfahrung
Der mittlere D1-6MFS-Index lag in der Gruppe mit geringer Karieslast bei 3,4 und in der Gruppe mit hoher Karieslast bei 21,7 (p < 0,0001). Zahnfleischbluten wurde bei 40 Prozent der Personen mit geringer Karieslast und bei 60 Prozent der Personen mit hoher Karieslast beobachtet. Die Personen in der Gruppe mit geringer Karieslast putzten ihre Zähne deutlich häufiger (3,2 ± 0,5-mal/Tag im Vergleich zu 2,5 ± 0,8-mal/Tag; p < 0,05).
Die Konzentrationen aller gemessenen AMPs waren bei den Personen mit geringer Karieserfahrung signifikant höher als bei jenen mit hoher Karieserfahrung (p < 0,001). Zudem wurde ein negativer Zusammenhang zwischen den D1-6MFS-Werten und den AMP-Konzentrationen im Speichel beobachtet – auch nach Bereinigung um Geschlecht und Alter. Das deutet auf eine robuste und konsistente Beziehung zwischen den Komponenten des angeborenen Immunsystems im Speichel und dem Kariesstatus hin.
Höhere AMP-Konzentrationen bei Personen mit geringer Karieserfahrung könnten auf eine kompetentere oder besser regulierte angeborene Immunantwort hinweisen und als Biomarker einen mehr oder weniger schützenden Phänotyp des angeborenen Immunsystems anzeigen.
Fazit
Die Ergebnisse dieser Studie deuten an, dass die AMP-Spiegel im Speichel bei jungen Erwachsenen mit der Karieserfahrung assoziiert sind. Dies könnte Unterschiede in der individuellen angeborenen Immunantwort widerspiegeln. Die Beobachtungen stützen die Annahme, dass AMPs im Speichel zu einem protektiven biologischen Profil und zur oralen Homöostase beitragen. Deshalb könnten sie vielversprechende Biomarker für die Beurteilung des Kariesrisikos sein.
Quellen:
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Lozano CP1, Echeverría C2, García-Manríquez N2, Gambetta-Tessini K2, Giacaman RA3,4; giacaman@utalca.cl
1Faculty of Dentistry, Institute for Research in Dental Sciences, University of Chile, Santiago, Chile; 2Cariology Unit, Department of Oral Rehabilitation, Faculty of Dentistry, University of Talca, Talca, Chile; 3Cariology Unit, Department of Oral Rehabilitation, Faculty of Dentistry, University of Talca, Talca, Chile; 4VITALIS, Center for Longevity, University of Talca, Talca, Chile.
Salivary innate immune peptides are associated with dental caries experience in young adults.
Clin Oral Investig. 2026 Jun 15;30(7):291. doi: 10.1007/s00784-026-06963-z



