Die berufliche Belastung hat sich in der Vergangenheit durch veränderte Arbeitsbedingungen erhöht, was häufig mehr Stress bewirkt, der im Extremfall zu einem Burnout- Syndrom führt. Kennzeichnend dafür sind eine überwältigende Erschöpfung, Distanziertheit gegenüber der beruflichen Aufgabe, das Gefühl der Wirkungslosigkeit und verminderte Leistungsfähigkeit.
Vorangegangene Studien zeigten Zusammenhänge zwischen Burnout und Diabetes Typ 2 sowie kardiovaskulären Erkrankungen. Stress kann emotionales oder unkontrolliertes Essen verursachen und über einen veränderten Hormonstatus die Präferenz für hochkalorische Nahrungsmittel und Alkohol erhöhen. Weiter wurden Assoziationen zwischen Stress und einem höheren Körpergewicht gefunden, jedoch fehlen Belege dafür, dass hohe berufliche Belastungen mit Adipositas assoziiert sind.
Ziel dieser Studie war es, zu klären, ob beruflicher Stress das Körpergewicht oder Essverhalten beeinflusst.
Über eine Umfrage zur Gesundheit wurden im Herbst 2007 etwa 10.900 städtische Angestellte aus Espoo (Finnland) im Alter zwischen 30 und 55 Jahren rekrutiert. Die Studie sollte dazu dienen, Freiwillige mit ungesunder Lebensweise zu identifizieren und diese dabei zu unterstützen, ungünstige Verhaltensweisen zu ändern. 783 Individuen mit erhöhtem Diabetesrisiko sowie mindestens zwei weiteren ungesunden Lebensgewohnheiten (geringe körperliche Aktivität, Übergewicht, geringe Schlafdauer, erhöhter Alkoholkonsum, Rauchen oder abweichendes Essverhalten) erfüllten die Auswahlkriterien für die Studie. Von ihnen wurden 352 Personen zufällig ausgewählt. Unter den 352 Personen befanden sich 65 Männer, die aufgrund ihrer geringen Anzahl und von den Frauen deutlich abweichenden Essgewohnheiten von der Auswertung ausgenommen wurden.
Zu Beginn der Studie und nach zwölf Monaten wurden Fragebögen zur beruflichen Arbeitsbelastung (Bergen Burnout Indicator 15, BBI-15) und zum Essverhalten (Three- Factor Eating Behaviour Questionnaire 18, TFEQ-18) beantwortet, außerdem wurden anthropometrische Daten (Körpergewicht, -größe, Körpermassenindex BMI in kg/m², Taillenumfang und Körperfettanteil) ermittelt.
Die Probanden wurden nach Perzentilen in vier Klassen unterteilt: kein (0-70%, n= 179), milder (75-80%, n = 18), moderater (85-90%, n = 26) und schwerer Burnout (95- 97,5%, n = 7). Außerdem wurden zwei Gruppen je nach Veränderung des Stressempfindens innerhalb des beobachteten Jahres gebildet, bei der ersten reduzierten sich die Anzeichen eines Burnout und bei der zweiten blieb der Schweregrad konstant oder nahm zu.
Beim Essverhalten wurde der Grad von emotionalem Essen bei negativer Stimmung, unkontrolliertem Essen aufgrund äußerer Einflüsse sowie reduziertem Essen mit dem Ziel des Gewichtsverlustes ermittelt.
Zu Beginn der Studie erhielten alle Teilnehmer eine Rückmeldung über ihren Gesundheitsstatus und wurden über die Ziele der Studie informiert. Eine Intervention erfolgte einmal wöchentlich über zehn Wochen hinweg. Dabei wurden die Ergebnisse detailliert besprochen, personalisierte Ziele festgelegt, lösungsorientierte Methoden und Wissen für ein gesünderes Verhalten vermittelt, Hilfestellung bei Problemen in der Umsetzung gegeben, das Vorgehen beurteilt und Pläne für die Zukunft erstellt. Die Probanden erhielten eine Waage und ein Pedometer und führten zehn Wochen lang eine Selbstbeobachtung durch, bei der sie für eigene Zwecke körperliche Betätigung, Essverhalten, Schlafdauer, Stressempfinden, Rauchen, Alkoholkonsum oder andere Faktoren festhielten.
Die Frauen waren im Mittel 44,8 Jahre alt und hatten einen durchschnittlichen BMI von 27,8. 33,5% von ihnen waren normalgewichtig (BMI < 25), 33,5% übergewichtig (BMI 25-29,9) und 33% adipös (BMI ≥ 30). 22,2% der Frauen zeigten milde bis schwere Anzeichen eines Burnout, von ihnen hatten 62,7% einen akademischen Grad.
Der BMI korrelierte mit emotionalem und unkontrolliertem Essverhalten (beide p < 0,001), und bei Personen mit Burnout wurden diese Verhaltensweisen vermehrt gefunden (p = 0,002 und p = 0,001).
Nach zwölf Monaten zeigten sich keine Unterschiede im Körpergewicht, aber Taillenumfang und Körperfettanteil waren signifikant gesunken. Emotionales und unkontrolliertes Essverhalten traten seltener auf, während reduziertes Essen mit dem Ziel eines Gewichtsverlustes zugenommen hatte. Bei den Personen ohne Erschöpfungszustände nahm unkontrolliertes Essen innerhalb der zwölf Monate signifikant ab, was bei Frauen, die an einem Burnout-Syndrom litten, nicht der Fall war.
Möglicherweise ist die Erkennung eines Burnout-Syndroms bei der Behandlung von Adipositas von Bedeutung, da Personen mit ausgeprägten Erschöpfungszuständen vermehrt zu emotionaler oder unkontrollierter Nahrungsaufnahme neigen, welche wiederum mit einem erhöhten BMI assoziiert sind. Gleichzeitig könnte das Syndrom die effiziente Umsetzung von Maßnahmen zum Erhalt oder dem Erreichen eines gesunden Körpergewichtes erschweren, da die Personen neben ihrer beruflichen Belastung in der Regel nicht mehr genügend Energie aufbringen, ihr Essverhalten ausreichend zu kontrollieren. In solchen Fällen erscheint es ratsam, bei adipösen Menschen zunächst die Erschöpfungszustände zu behandeln, damit die Patienten bei Ernährungsumstellungen aktiv mitwirken können.
Informationskreis Mundhygiene und Ernährungsverhalten



