Studien der vergangenen Jahre finden Evidenzen für eine zunehmende Prävalenz erosiver Läsionen. Damit wird die langfristige Zahngesundheit von Kindern und Erwachsenen auch im zunehmenden Maße von diesen mit bestimmt. Häufig sind Dentalerosionen an der Zahnoberfläche die Folge von erosiv wirkenden Getränken bzw. anderen Nahrungsmitteln.
##f#Diagnostik:#f## Frühe Stadien erosiver Schäden werden aufgrund der geringfügigen klinischen Zeichen und der meist fehlenden Symptome häufig nicht diagnostiziert. Zudem fehlen im Rahmen der Routineuntersuchungen geeignete Hilfsmittel zu deren spezifischer Detektion. Die Diagnose wird meist aufgrund von Veränderungen des klinischen Erscheinungsbildes gestellt. Zur besseren Beurteilung des klinischen Erscheinungsbildes sollte der Zahn vor der Untersuchung getrocknet und ausreichend beleuchtet werden, um auch geringfügige Veränderung an der Oberfläche identifizieren zu können. Typische Indizien für eine erosive Läsion des Zahnschmelzes sind glatte, seidig glänzende, manchmal auch matt erscheinende Zahnschmelzbereiche mit fehlenden Wachstumslinien (Perikymata), intakter Schmelz entlang der gingivalen Grenze, sowie Vertiefungen und Furchen auf den okklusalen Oberflächen. In weiter fortgeschrittenen Stadien verstärken sich die morphologischen Veränderungen. Man findet Abflachungen der Oberfläche oder die Entwicklung einer ausgeprägten Konkavität im Schmelz bis hin zum vollständigen Morphologieverlust des Zahnes. Am häufigsten werden erosive Läsionen im Bereich der okklusalen Oberflächen nachgewiesen. Neben der Diagnostik früher Erosionsstadien kann sich auch die Erkennung von exponiertem Dentin schwierig gestalten. Hierfür können z.B. bestimmte Agenzien eingesetzt werden, die eine Dentinbeteiligung sichtbar darstellen. Um die Neu- und Weiterentwicklung von Erosionen sowie die Wirksamkeit präventiver Maßnahmen beurteilen zu können, sollten die Erosionen in regelmäßigen Abständen (alle 6-12 Monate) kontrolliert werden. Dabei kann die Verwendung eines Erosions-Index oder eine fotografische Dokumentation hilfreich sein. Zahnoberflächen von Patienten mit aktiven Erosionen haben zwar keine Karies. Allerdings kann sich auch bei diesen Patienten in Bereichen, in denen Plaqueansammlungen möglich sind, Karies entwickeln.
##f#Chemische und biologische Faktoren:#f## Die Intensität eines erosiven Angriffs durch ein Getränk oder anderes Lebensmittel wird durch seinen pH-Wert, Kalzium-, Phosphat- und etwas weniger ausgeprägt auch durch seinen Fluoridgehalt beeinflusst. Diese Faktoren bestimmen den Sättigungsgrad des Getränks bezüglich des Mineralgehalts des Zahns. Lösungen, die hinsichtlich des Mineralgehalts der Zahnhartsubstanz übersättigt sind, führen auch nicht zum Mineralverlust der Zahnoberfläche. So kann der Zusatz von Kalzium zu Getränken ein Schutz für eine Aufweichung der Zahnoberfläche sein. Verfügt ein Getränk hingegen über eine hohe Pufferkapazität, so braucht der Speichel sehr viel länger für die Säureneutralisierung. Dies fördert wiederum den Aufweichungs- und Demineralisierungsprozess, da mehr Ionen aus der Zahnoberfläche als Ausgleich für die Säureinaktivierung benötigt werden. Der Säureangriff wird auch durch die Getränkemenge im Vergleich zur Speichelmenge im Mund, die Bewegung des Getränks im Mundraum (Umspülen der Zähne), sowie durch die Adhäsionseigenschaften des Getränks/Lebensmittels und den Zitratgehalt (Komplexbildung mit Speichel-Kalzium) mit bestimmt. Biologische Faktoren, die den Erosionsprozess beeinflussen sind Speichel, Pellikelbildung, Zahnstruktur und Zahnposition in Relation zum Weichgewebe und der Zunge. Letzteres beeinflusst die Clearance der erosiven Agenzien. Eine zentrale Rolle spielt dabei der Speichel, der für die Neutralisierung, Pufferung und Clearance saurer Agenzien im Mund zuständig ist und durch seine Kalzium- und Phosphatanteile den mineralischen Lösungsprozess an der Zahnoberfläche inhibiert. Daher sollte auch ein uneingeschränkter Speichelfluss gewährleistet sein. Es liegen auch Evidenzen für ein Remineralisierungs-/Wiedererhärtungspotenzial des Speichels vor. Allerdings wird diese Eigenschaft derzeit von Experten noch kontrovers diskutiert. Ebenfalls wichtig für den Erosionsschutz kann die Entstehung eines proteinhaltigen Speichelpellikels an der Zahnoberfläche sein, der vermutlich eine Barriere für den Säureangriff darstellt.
##f#Verhaltensbedingte Faktoren:#f## Das Ausmaß der Erosion wird vermutlich auch durch das Verhalten (Ernährung, Zahnpflege) mit bestimmt. Allerdings ist die Datenlage zu diesen Faktoren noch uneindeutig. Möglicherweise spielt die Ernährung, wie etwa ein hoher und regelmäßiger Konsum von Softdrinks, Zitrusfrüchten/-säften oder Kräutertees eine Rolle. So konnte bei Personen, die sich laktovegetarisch ernähren und viel (saures) Obst und Gemüse konsumieren, ein erhöhtes dentales Erosionsrisiko nachgewiesen werden. Möglicherweise erhöht auch sportliche Aktivität die Erosionsgefahr über einen verminderten Speichelfluss, Dehydrierung, Refluxverstärkung oder den Konsum von Sportgetränken. Eine regelmäßige Zahnpflege schützt zwar vor Karies, kann aber das Erosionsrisiko durch Abriebschäden verstärken. Die genannten Punkte weisen daraufhin, dass möglicherweise Personen mit einem allgemeinhin als gesund beurteilten Lebensstil (Obst- und Gemüseverzehr, Sport, Zahnpflege) ein höheres Erosionsrisiko haben. Allerdings gilt dies nicht uneingeschränkt, da sich etwa ein vermehrter Alkoholkonsum negativ auf Erosionsschäden auswirkt.
##f#Erosionen bei Kindern und Präventionsaspekte:#f## Erosive Zahnschäden werden besonders häufig bei Kindern beobachtet. Hier spielt der steigende Konsum saurer Lebensmittel (Frucht-/Softgetränke), aber auch Medikamenteneinnahme und Reflux/Erbrechen (Babys) und die empfindlichere Milchzahnstruktur (dünnerer Schmelz) eine besondere Rolle. Deshalb ist hier eine sorgfältige und regelmäßige Zahnkontrolluntersuchung von besonderer Bedeutung, um langfristigen Schäden vorzubeugen. Prävention: Patienten mit Erosionsschäden müssen mit Unterstützung des Zahnarztes ein Bewusstsein dafür entwickeln, wie ihr Lebensstil die weitere Entwicklung der Dentalerosionen beeinflusst. Außerdem sollten die erosiven Schäden bereits in frühen Stadien diagnostiziert (Zahnarztschulung) sowie kontrolliert und Risikopatienten identifiziert werden. Hierzu sind auch die weitere Abklärung der Ätiologie von Dentalerosionen sowie genaue Befragungen der Patienten zum Lebensstil (Ernährungsprotokolle) erforderlich. Weiterhin sollte die Wichtigkeit der Verwendung fluoridhaltiger Zahn- und Mundhygieneprodukte sowie ggfs. den Speichelfluss fördernder oder säureneutralisierender Lebensmittel (Kaugummi) beim Patienten kommuniziert werden. Mit dem Zähneputzen sollte nach dem Verzehr erosiver Lebensmittel abgewartet werden.



