Frühkindliche Karies lässt sich durch richtiges Mundhygiene- und Ernährungsverhalten verhindern
Frühkindliche Karies (Early Childhood Caries, ECC) zählt zu den wichtigsten gesundheitlichen Beeinträchtigungen bei Kindern bis zum Schulalter: Mit einer Prävalenz von 10 bis 17 Prozent bei Dreijährigen ist sie in Deutschland ein relevantes Problem. Insbesondere in schweren Fällen stellt die Behandlung eine Herausforderung dar, und oft ist nur eine Extraktion der betroffenen Zähne unter Vollnarkose möglich.
Neben einer unzureichenden Mundhygiene trägt das Ernährungsverhalten zu frühkindlicher Karies bei, zum Beispiel ausgedehntes Flaschenfüttern („Nuckelflaschenkaries“). Dies kann durch eine frühzeitige Beratung der Eltern verhindert werden. Viele Studien zeigen zudem, dass die Anwendung altersgerechter fluoridhaltiger Zahnpasta eine günstige und äußerst wirksame kariespräventive Maßnahme ist. Gemäß aktuellen zahnmedizinischen Leitlinien soll sie verwendet werden, sobald der erste Milchzahn durchbricht.
Die Rolle der Zahnärztinnen und Zahnärzte bei der Kariesprävention ist nicht gut untersucht
Sowohl Zahnärztinnen und Zahnärzte für allgemeine Zahnmedizin als auch für Kinderzahnheilkunde spielen eine wichtige Rolle bei der Vorbeugung von Karies im Milchzahngebiss, indem sie regelmäßige Kontrollen durchführen, vorbeugende Behandlungen vornehmen und die Eltern über geeignete Mundhygiene- und Ernährungsgewohnheiten für Kleinkinder aufklären. Da Daten zum Beitrag der Zahnärztinnen und Zahnärzte in Deutschland zur Prävention von frühkindlicher Karies fehlen, wurden im Rahmen dieser Studie kariesvorbeugende Maßnahmen in Zahnarztpraxen bei Kindern im Alter von 6 bis 33 Monaten anhand eines Fragebogens untersucht. Auf der 26. Schleswig-Holsteinischen Zahnärztekonferenz und online wurden 511 beantwortete Fragebögen gesammelt, die in die Analyse einflossen. Knapp 37 Prozent davon hatten Zahnärztinnen und Zahnärzte beantwortet, die auf Kinderzahnheilkunde spezialisiert waren. 69 Prozent der Befragten behandelten nur bis zu fünf Prozent ihrer Arbeitszeit Kinder im Alter unter 33 Monaten – 44 Prozent führten routinemäßig präventive Untersuchungen und Maßnahmen bei Kindern in diesem Alter in ihrer Praxis durch.
Kinderzahnärzte engagieren sich mehr bei der Beratung von Eltern
Etwa 59 Prozent der Zahnärztinnen und Zahnärzte berichteten von mangelnder Kooperation während der Untersuchung als Haupthinderungsgrund. Darauf folgte, dass die Kinder keine Untersuchungsinstrumente im Mund tolerierten, sowie mangelnde Mitarbeit und fehlendes Interesse der Eltern.
Vier Prozent der Zahnärztinnen und Zahnärzte ohne pädiatrischen Hintergrund hielten eine Untersuchung in so jungem Alter nicht für notwendig. Kinderzahnärztinnen und Kinderzahnärzte hatten dazu eine andere Haltung. Sie investierten auch signifikant mehr Zeit für die Beratung der Eltern in Bezug auf vorbeugende Maßnahmen, Ernährung und Mundhygiene.
Empfehlungen zum Zähneputzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta
Zahnärztinnen und Zahnärzte für Kinderzahnheilkunde empfahlen etwas häufiger, die Zähne ab dem Durchbruch des ersten Milchzahns mit fluoridhaltiger Zahnpasta zu putzen (kein signifikanter Unterschied). Es gab aber auch eine relevante Anzahl von Teilnehmenden, die fluoridfreie Zahnpasta empfahlen. Das weist auf Lücken in der Einhaltung zahnmedizinischer Leitlinien hin. Zudem schulten nur 15 Prozent die Eltern praktisch und regelmäßig beim Zähneputzen der Kinder.
Fluoride sind in der Kariesprophylaxe bewährt
Der Fragebogen war nicht darauf ausgelegt, die Gründe für die Empfehlung fluoridfreier Zahnpasta zu ermitteln. Die Studienautoren benennen als einen möglichen Grund, dass manche Zahnärztinnen und Zahnärzte noch die alten Empfehlungen für Kinder mit Fluoridtabletten als ausreichend betrachten.
Studien belegen, dass eine systemische Aufnahme, zum Beispiel durch Fluoridierung des Trinkwassers, die Kariesprävalenz reduziert. Sie kann aber mit einem erhöhten Risiko für dentale Fluorose einhergehen. Aktuelle Erkenntnisse belegen keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen optimal fluoridiertem Wasser und einem erhöhten Risiko für Krebs, Knochenbrüche oder andere systemische Risiken. Dennoch geben aktuelle Leitlinien lokal (topisch) angewendetem Fluorid den Vorzug, weil es eine starke kariespräventive Wirkung bei minimaler systemischer Aufnahme hat. Das Risiko einer ästhetisch relevanten Fluorose ist bei sachgemäßer Anwendung sehr gering.
Neuere Forschungsarbeiten zu Fluoridalternativen wie Hydroxylapatit (HAP)-basierter Zahnpasta zeigen ein vielversprechendes kariespräventives Potenzial. Dennoch empfehlen die aktuellen Leitlinien führender zahnärztlicher Organisationen weiterhin fluoridierte Zahnpasta in altersgerechten Mengen als sicherste und wirksamste Methode zur Kariesprävention bei Kleinkindern.
Fazit
Sowohl in Praxen für allgemeine Zahnmedizin als auch für Kinderzahnmedizin ist die Kariesprävention im frühen Kindesalter ein wichtiges Thema, wobei Kinderzahnärztinnen und Kinderzahnärzte mehr diagnostische Untersuchungen durchführten und sich mehr Zeit für die Aufklärung der Eltern über Mundhygiene nahmen. Allerdings entsprachen die Empfehlungen zum Fluoridgebrauch und Zeitpunkt nicht immer den aktuellen nationalen oder internationalen Leitlinien. Dennoch deuten die Ergebnisse auf eine solide Grundlage für die kürzlich eingeführten, kostenlosen Maßnahmen zur Kariesprävention im frühen Kindesalter hin, insbesondere bei Zahnärztinnen und Zahnärzten mit Spezialisierung auf Kinderzahnheilkunde.
Quellen:
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Takriti A1, Geiken A2, Graetz C2, Doerfer CE2, Mourad MS1,3, Splieth CH3; mhd.mourad@uni-greifswald.de
1Department Pediatric Dentistry, University Greifswald, 17489 Greifswald, Germany; 2Clinic for Conservative Dentistry and Periodontology, University Schleswig-Holstein, 24105 Kiel, Germany; 3Department of Orthodontics, University Greifswald, 17489 Greifswald, Germany
Involvement of Dentists in Preventing Early Childhood Caries in Germany
Medicina (Kaunas). 2025 Oct 30;61(11):1947. doi: 10.3390/medicina61111947



