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Frühkindliche Karies und Bildungsgrad der Mutter

Dieser systematische Review untersucht weltweit den Zusammenhang zwischen dem Bildungsgrad der Mutter und dem Auftreten von frühkindlicher Karies (early childhood caries, ECC) bei Kindern unter sechs Jahren. Umfangreiche Daten aus 144 Ländern belegen, dass Kinder von Müttern mit geringerer Schulbildung ein signifikant höheres Risiko für frühkindliche Karies haben. Dieser Trend war über verschiedene Einkommensklassen und Sozialsysteme hinweg konsistent zu beobachten. In einkommensstarken Ländern mit höheren Sozialausgaben scheint der schützende Effekt eines höheren Bildungsniveaus stärker ausgeprägt zu sein.

Zum Einfluss des Bildungsgrads der Mutter auf frühkindliche Karies fehlen weltweite systematische Datenanalysen

Frühkindliche Karies ist die häufigste chronische Erkrankung im Kindesalter. Seit 1990 sind etwa 45 bis 55 Prozent aller Kinder weltweit betroffen. Dadurch ist die Lebensqualität von schätzungsweise 500 Millionen unbehandelten Kindern beeinträchtigt. Weiterhin hohe Kariesraten zeigen die Grenzen von Maßnahmen auf, die sich nur auf biologische oder verhaltensbezogene Faktoren beschränken.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ordnet die mütterliche Bildung als eine grundlegende Determinante ein, die Faktoren wie das Gesundheitsverhalten, psychosoziale Ressourcen und materielle Lebensumstände von Kindern beeinflusst. Man weiß, dass verhaltensbedingte Risikofaktoren für frühkindliche Karies stark sozioökonomisch geprägt sind. Der Einfluss der mütterlichen Bildung wurde bisher aber noch nicht systematisch global quantifiziert. Unklar ist unter anderem, wie stark dieser Zusammenhang ist und wie er zwischen verschiedenen Ländern variiert.

Ziel dieser systematischen Übersichtsarbeit und Metaanalyse war deshalb, die weltweite Evidenz zum Zusammenhang zwischen mütterlicher Bildung und frühkindlicher Karies zusammenzutragen. Dabei wurde die Hypothese aufgestellt, dass ein höherer mütterlicher Bildungsgrad mit einem geringeren Auftreten von Karies einhergeht. Außerdem wurde postuliert, dass Faktoren auf Länderebene wie das Einkommensniveau, die Sozialpolitik oder die Versorgung mit Fluorid die Stärke des Zusammenhangs beeinflussen.

Umfangreiche Metaanalyse mit 141 Studien

Die Studie wurde gemäß anerkannten Richtlinien durchgeführt (PRISMA). Betrachtet wurden Studien bis Oktober 2025 mit Kindern unter sechs Jahren, bei denen das Auftreten von frühkindlicher Karies erfasst wurde. Dabei wurden Kariesbefunde für Kinder von Müttern mit niedrigem (bis zu acht Jahre) und höherem Bildungsniveau (mehr als acht Jahre) gegenübergestellt. 155 Studien aus 44 Ländern wurden eingeschlossen, wovon 141 in die quantitative Metaanalyse eingingen. Das Verzerrungsrisiko der Studien wurde mithilfe der Newcastle-Ottawa-Skala eingestuft und die Heterogenität in Q-Tests und I²-Statistik erfasst.

Deutlich mehr Karies bei Kindern von Müttern mit geringerem Bildungsniveau

Im Durchschnitt hatten 50,1 Prozent der Kinder von Müttern mit niedrigem Bildungsgrad Karies, verglichen mit 37,5 Prozent der Kinder von Müttern mit höherer Bildung.

Kinder von Müttern mit niedrigem Bildungsgrad hatten im Verhältnis eine um 82 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit für frühkindliche Karies als Kinder von Müttern mit höherer Bildung (Odds Ratio 1,82; 95 % Konfidenzintervall: 1.65–2.02). Dieses Ergebnis basiert auf Daten von 191.538 Kindern und 63.306 Kariesfällen.

Weltweit nahezu überall dasselbe Muster

In über 90 Prozent der einbezogenen Studien war der schützende Effekt eines höheren Bildungsniveaus der Mutter in ähnlicher Weise zu beobachten. Die genaue Stärke des Zusammenhangs war zwar von Studie zu Studie sehr heterogen, das Grundmuster war jedoch weltweit stabil.

Die Heterogenität ließ sich nicht durch einzelne methodische Faktoren wie das Studiendesign, Diagnosekriterien oder das Erhebungsjahr und auch nicht durch Merkmale auf Länderebene wie das Einkommensniveau, den Gini-Index, Trinkwasserfluoridierung oder Sozialausgaben erklären.

Überraschenderweise waren die Unterschiede in Ländern mit hohem Einkommen etwas ausgeprägter (Odds Ratio = 1,92). Auch in Staaten mit hohen Sozialausgaben schien das Bildungsniveau einen größeren Einfluss zu haben (Odds Ratio = 1,98).

Die Autoren der Studie vermuten ein Transfer-Paradoxon als Ursache: Höhere Sozialausgaben fließen oft in die Infrastruktur, beispielsweise in eine kostenlose Zahnvorsorge. Gut informierte, bildungsnahe Schichten nutzen Präventionsangebote zudem deutlich schneller und effizienter als bildungsferne Schichten.

Fazit

Mütterliche Bildung ist weltweit ein robuster und grundlegender Einflussfaktor für die Zahngesundheit von Kindern im Alter bis sechs Jahre. Die Autoren der Studie schlussfolgern, dass Investitionen in die Schulbildung von Mädchen und Frauen wirksame und langfristige Maßnahmen sind, um das Auftreten von frühkindlicher Karies weltweit zu senken.

Quellen:
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Celeste RK1,2, Goulart MA1,3, Coelho E4, Arbildo H5, Villena R6, Foláyan MO7, Feldens CA1; roger.keller@ufrgs.br

1Federal University of Rio Grande do Sul, Porto Alegre, Brazil; 2Aging Research Center, Karolinska Institute, Solna, Sweden; 3University of Glasgow, Glasgow, UK; 4Pontifical Catholic University of Rio Grande do Sul, Porto Alegre, Brazil; 5University San Martin de Porres, Lima, Peru; 6Committee of Experts on Oral Health, Ministry of Health, Lima, Peru; 7Department of Child Dental Health, Obafemi Awolowo University, Ile-Ife, Nigeria

Early Childhood Caries and Maternal Education: Systematic Review and Meta-Analysis

Community Dent Oral Epidemiol. 2026 Aug 20. doi: 10.1111/cdoe.70110

 


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