Karies und Zahnverlust folgen einem sozialen Gradienten
Karies ist weltweit eine der häufigsten nichtübertragbaren Krankheiten. Durch Schmerzen, eine verminderte Lebensqualität und erhebliche Kosten stellt die Erkrankung eine erhebliche Belastung für Milliarden von Betroffenen und für die Gesundheitssysteme dar.
Die Verbreitung dieser weitgehend vermeidbaren Erkrankung folgt einem sozialen Gradienten. In früheren systematischen Übersichtsarbeiten aus den Jahren 2012 und 2018 haben die Autoren dieser Arbeit Daten aus zahlreichen Beobachtungsstudien zusammengetragen und gezeigt, dass es Assoziationen zwischen einem niedrigeren sozioökonomischen Status (gemessen an Bildung, Einkommen und Beruf) und einem höheren Schweregrad von Karies bei Erwachsenen gibt.
Seit der Aktualisierung von 2018 hat sich die Forschungslage erweitert. Es gibt Hinweise darauf, dass sich Karies und Zahnlosigkeit in manchen Ländern zwar verringert haben, aber nur in besser gestellten Bevölkerungsgruppen, sodass sich die soziale Kluft möglicherweise noch vergrößert haben könnte.
Diese aktualisierte systematische Übersichtsarbeit bewertet den Zusammenhang zwischen sozioökonomischen Indikatoren und Karies bei Erwachsenen im Alter von 19 bis 60 Jahren deshalb erneut.
22 Studien seit 2017 liefern weitere Erkenntnisse
Für die Übersicht wurden in acht elektronischen Datenbanken systematisch Beobachtungsstudien gesucht, die Erwachsene im Alter von 19 bis 60 Jahren umfassten. Als Messgrößen für den sozioökonomischen Status dienten z. B. Bildungsstand, Einkommen, Berufsstatus oder Indizes auf Gruppenebene wie der Gini-Koeffizient. Die Studien verglichen Gruppen mit unterschiedlichem sozioökonomischen Status im Hinblick auf die Karieserfahrung, gemessen am Kariesindex DMFT (zerstörte, fehlende oder gefüllte Zähne aufgrund von Karies), der Prävalenz unbehandelter Karies oder dem Vorhandensein von Wurzelkaries.
22 Studien aus dem Zeitraum März 2017 und April 2024 wurden von zwei unabhängigen Gutachtern ausgewählt, die Daten wurden extrahiert und das Verzerrungsrisiko anhand der Newcastle-Ottawa-Skala bewertet. Aufgrund der erheblichen methodischen Heterogenität der eingeschlossenen Studien erfolgte eine narrative Synthese.
Einkommen und Bildung beeinflussen das Kariesrisiko und die Versorgung
Die Studien stammten überwiegend aus Asien und Europa sowie aus Ozeanien (1), Nordamerika (2) und Südamerika (3), außerdem gab es eine mit weltweitem Umfang. Die methodische Qualität war moderat bis hoch.
Wie in den vorangegangenen Übersichtsarbeiten zeigte sich durchgängig ein starker, inverser Zusammenhang zwischen dem sozioökonomischen Status und der Kariesbelastung. Ein geringeres Einkommen, niedriger Bildungsgrad, Arbeitslosigkeit und Beschäftigung in manuellen oder ungelernten Berufen gingen mit einer höheren Karieserfahrung einher.
Dieser soziale Gradient beschränkte sich nicht auf Länder mit hohem Einkommen, sondern wurde auch in Ländern mit mittlerem Einkommen in Südamerika und Asien beobachtet.
Sozial Benachteiligte sind schlechter versorgt
Eine wichtige Erkenntnis dieser aktualisierten Übersicht ist der unterschiedliche Einfluss des sozioökonomischen Status auf den Kariesindex: Der Zusammenhang ist bei unbehandelten kariösen Zähnen deutlicher und konsistenter. Das spricht dafür, dass soziale Benachteiligung sowohl das Kariesrisiko erhöht als auch mit einem eingeschränkten Zugang zu rechtzeitiger restaurativer Zahnbehandlung verbunden ist und dadurch Zahnverlust beschleunigt. Das gilt auch für Wurzelkaries.
Die Mundgesundheit als Indikator des lebenslangen sozioökonomischen Status
Tiefergehende Analysen unter Berücksichtigung des Lebensverlaufs bestätigten, dass eine anhaltende soziale Benachteiligung das größte Risiko für Karies und Zahnverlust darstellt. Die Mundgesundheit im Erwachsenenalter spiegelt somit die kumulativen sozioökonomischen Belastungen im Lebensverlauf wider.
Die Bekämpfung von Karies bei Erwachsenen erfordert nach Meinung der Autoren integrierte Ansätze, die neben klassischer medizinischer Prävention auch soziale und politische Maßnahmen zur Reduzierung struktureller Ungleichheiten umfassen.
Quellen:
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Cunha MAGM1, Cruz AJSD1, Martins-Pfeifer C2, Costa SM3, Abreu MHNG4; maurohenrique@ufmg.br
1 Graduate Program in Dentistry, School of Dentistry, Universidade Federal de Minas Gerais, Belo Horizonte 31270-901, MG, Brazil; 2 Center for Integrative Global Oral Health, School of Dental Medicine, University of Pennsylvania, Philadelphia, PA 19104, USA; 3 Department of Dentistry, Universidade Estadual de Montes Claros, Montes Claros 39401-089, MG, Brazil; 4Department of Community and Preventive Dentistry, School of Dentistry, Universidade Federal de Minas Gerais, Belo Horizonte 31270-901, MG, Brazil
Caries and Socioeconomic Factors in Adults (19-60 Years Old): An Updated Systematic Review of Observational Studies
Int J Environ Res Public Health. 2026 Jan 16;23(1):112. doi: 10.3390/ijerph23010112



