Übermäßige Fürsorge kann sich ins Gegenteil umkehren
Überfürsorgliche Eltern haben das starke Bedürfnis, ihre Kinder vor Misserfolgen, Enttäuschung und Frustration zu bewahren. Das führt oft dazu, dass die Eltern ihrem Kind weniger Aufgaben und Verantwortung übertragen.
Was gut gemeint ist, kann das Kind daran hindern, mit alltäglichen Herausforderungen und angstauslösenden Situationen umgehen zu lernen und Resilienz aufzubauen. So kann sich der Schutzinstinkt der Eltern, der eigentlich die Gesundheit und das Wohlbefinden des Kindes bewahren will, unbeabsichtigt nachteilig auswirken und Probleme verursachen oder verschlimmern. Studien zeigen beispielsweise, dass elterliche Überbehütung bei den Kindern mit geringeren sozioemotionalen Fähigkeiten, mehr Angst und psychischen Auffälligkeiten später im Leben einhergeht.
Ob sich ein übermäßig fürsorglicher Erziehungsstil auch auf die Mundgesundheit auswirkt, ist nicht klar nachgewiesen.
Untersuchung der Zusammenhänge zwischen elterlicher Fürsorge, der Mundhygiene, der Zahngesundheit und dem Verhalten beim Zahnarztbesuch
Um mögliche Zusammenhänge zwischen überfürsorglichen Eltern und der Mundgesundheit näher zu beleuchten, wurden Betreuungspersonen von fünf- bis sechsjährigen Kindern beim Zahnarztbesuch in sieben niederländischen Praxen zur Teilnahme an der Querschnittsstudie eingeladen. Sie füllten Fragebögen zum Erziehungsstil und dem Verhalten beim Zähneputzen ihrer Kinder aus. Das Verhalten der Kinder während der zahnärztlichen Behandlung wurde auf Video aufgezeichnet und später anhand einer Skala erfasst. Der Kariesindex im Milchzahngebiss (dmft, Anzahl der kariösen, fehlenden und gefüllten Zähne) wurde aus der Patientenakte ermittelt.
Kinder von überfürsorglichen Eltern verhalten sich beim Zahnarztbesuch schwieriger
Insgesamt nahmen 120 Kinder an der Studie teil (54 Prozent Mädchen). Im Schnitt hatten die Kinder einen Kariesindex von 2,9 ± 1,4.
Folgende Zusammenhänge waren aus den Fragebögen und Beobachtungen abzulesen:
- Verhalten während zahnärztlicher Behandlungen: Verhaltensauffälligkeiten der Kinder nahmen mit zunehmend stärker ausgeprägtem fürsorglichem Verhalten der Eltern zu (r = 0,510, p < 0,001). Regressionsanalysen ergaben auch nach Berücksichtigung von Störfaktoren eine um sieben Prozent höhere Wahrscheinlichkeit für ein auffälliges Verhalten beim Zahnarztbesuch bei Kindern mit überfürsorglichen Eltern.
- Kariesindex im Milchzahngebiss (dmft): Kariesbefall nahm ebenfalls mit überfürsorglichem Erziehungsverhalten zu (r = 0,251, p = 0,006). Eine Subanalyse von Kindern, kategorisiert nach einem Kariesindex von 0, 1, 2, 3 oder 4 und mehr ergab ebenfalls tendenziell mehr überfürsorgliches Verhalten der Eltern bei höheren dmft-Werten. Die Unterschiede erreichten hier aber keine Signifikanz.
- Häufigkeit beim täglichen Zähneputzen: Kinder von überfürsorglichen Eltern putzten ihre Zähne seltener zwei- oder mehrmals täglich (p = 0,027). Regressionsanalysen ergaben eine um vier Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, dass Kinder ihre Zähne maximal einmal am Tag putzten, wenn ihre Eltern überfürsorglich waren. Durch die Berücksichtigung von Störfaktoren ging dieser Zusammenhang aber verloren.
Fazit
Überfürsorgliches Erziehungsverhalten ist signifikant mit mehr Verhaltensauffälligkeiten von Kindern während der Zahnbehandlung verbunden. Auch das Zähneputzen zu Hause könnte sowohl in Frequenz als auch Gründlichkeit dadurch beeinträchtigt werden.
Der Zusammenhang mit schwierigem Verhalten während der zahnärztlichen Behandlungen könnte darauf hindeuten, dass ein überfürsorglicher Erziehungsstil bei den Kindern vermeidende oder ängstliche Verhaltensweisen begünstigt und die Entwicklung eigener Bewältigungsstrategien weniger bestärkt. Ein Querschnittdesign wie in dieser Studie kann aber keine Hinweise auf zugrunde liegende Ursachen geben oder Belege für zeitliche Zusammenhänge zwischen einer überfürsorglichen Erziehung und der Mundgesundheit von Kindern liefern. Dafür sind größere Untersuchungen mit anderen Studiendesigns notwendig.
Quellen:
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Geuns E1, de Jong-Lenters M1, Duijster D2; D.Duijster@acta.nl
1Department of Paediatric Dentistry, Academic Centre for Dentistry Amsterdam, University of Amsterdam and VU University, Gustav Mahlerlaan 3004, 1081LA, Amsterdam, The Netherlands; 2Department of Oral Public Health, Academic Centre for Dentistry Amsterdam, University of Amsterdam and VU University, Gustav Mahlerlaan 3004, 1081LA, Amsterdam, The Netherlands
Associations between overprotective parenting and children's cooperation during dental treatment, toothbrushing behaviour and dental caries experience
Eur J Paediatr Dent. 2025 Dec 7;26(4):272-279. doi: 10.23804/ejpd.2025.2296



