Fitness-Apps sind beliebt, aber ihre Wirksamkeit ist zu wenig untersucht
Digital vermittelte Bewegungsprogramme gewinnen zunehmend an Bedeutung für die Behandlung von Übergewicht und Adipositas: Apps, Webprogramme und mobile Angebote („mHealth”) sind mittlerweile weit verbreitet. Sie sind orts- und zeitunabhängig einsetzbar, stellen beispielsweise Trainingspläne bereit und zeichnen Fortschritte auf.
Obwohl digitale Trainingsprogramme populär sind, ist unklar, wie wirksam sie im Vergleich zu traditionellen Ansätzen in Bezug auf die Bekämpfung von Übergewicht und Adipositas sind.
In den letzten zwei Jahrzehnten haben zwar zahlreiche Studien die Wirksamkeit von Gesundheits- und Fitness-Apps untersucht, die Ergebnisse sind jedoch uneinheitlich: Einige Studien berichten von signifikanten Vorteilen, während andere nur minimale oder gar keine Auswirkungen feststellten. Das lässt sich möglicherweise auf ein unterschiedliches Studiendesign, die untersuchten Gruppen, die App-Funktionen und inhomogene Maßnahmen zurückführen. Viele Studien führen auch keine Standardisierung von Art, Häufigkeit, Dauer und Intensität der Bewegung auf Basis internationaler Leitlinien für körperliche Aktivität durch. Diese Inkonsistenz erschwert den Vergleich und kann die Ergebnisse beeinflussen.
Forschungsfrage
Das Hauptziel dieser systematischen Übersichtsarbeit war die Bewertung der Wirksamkeit digitaler Bewegungsprogramme, die auf internationalen Empfehlungen zur körperlichen Aktivität basieren. Daraus sollten Erkenntnisse für die klinische Praxis zur Behandlung von Übergewicht und Adipositas abgeleitet werden.
Dafür wurde eine systematische Übersicht mit Metaanalyse nach gängigen und international anerkannten Methoden (PRISMA-Leitlinien) erstellt. Die Datenbanken PubMed, Cochrane Library, Web of Science und Ovid MEDLINE wurden durchsucht. Eingeschlossen wurden Studien mit Erwachsenen ab 18 Jahren mit objektiv bestätigtem Übergewicht oder Adipositas, die digitale Programme gemäß internationaler Leitlinien für körperliche Aktivität nutzten. Von 4948 identifizierten Studien erfüllten 30 die Einschlusskriterien (26 randomisierte und vier nicht-randomisierte klinische Studien). Sie kamen aus den USA, Australien, Korea, dem Vereinigten Königreich, Deutschland, Spanien, Schweden, Frankreich, Kanada, Belgien, Singapur, China und Hong Kong. Die Interventionsdauer reichte von acht Wochen bis 24 Monaten. 14 Studien umfassten digitale strukturierte Trainingsprogramme, die anderen flexible körperliche Aktivität oder Trainingsroutinen auf Basis internationaler Leitlinien. Bis auf drei Studien berücksichtigten alle auch weitere Lebensstilfaktoren wie Ernährung, Schlaf und Stressmanagement.
Digitale Angebote reduzieren Körpergewicht und BMI
Qualitative Analysen ergaben, dass digitale Bewegungsprogramme signifikante Reduktionen des Körpergewichts erzielten (22 von 25 Studien; Spannweite -1,3 bis -8,4 kg), außerdem des BMI (19 von 23 Studien; Spannweite -0,4 bis -3,4 kg/m²), des Taillenumfangs (15 von 16 Studien; Spannweite -2,1 bis -9,2 cm), des Körperfettanteils (9 von 9 Studien; Spannweite -0,3 bis -4,1 %) und der Fettmasse (7 von 7 Studien; Spannweite -0,4 bis -6,5 kg).
Die Ergebnisse zum Taille-Hüft-Verhältnis und zu körperlicher Aktivität waren hingegen uneinheitlich.
Die Metaanalyse zeigt, dass leitlinienbasierte digitale Bewegungsprogramme das Körpergewicht im Vergleich zu Kontrollgruppen signifikant reduzierten (mittlere Differenz [MD] -1,17 kg; 95% CI −1,92 bis −0,43; p = 0,003; I² = 0,0 %). Auch der BMI hatte durch digitale Angebote abgenommen (MD −0,50 kg/m2, 95% CI −0,82 bis −0,19; p = 0,003; I² = 70,0 %).
Der Körperfettanteil veränderte sich nicht signifikant.
Die Kontrollgruppen waren sehr variabel: Es gab aktive Kontrollen (z. B. alternative digitale oder nicht-digitale Interventionen oder eine Standardversorgung), passive Kontrollen (z. B. keine Intervention oder eine Warteliste) oder eine Kombination aus beidem.
Vergleiche mit nicht-digitalen, aktiven Kontrollgruppen lieferten uneinheitliche Ergebnisse: Einige Studien berichteten von einer Überlegenheit der digitalen Interventionen, während andere keine signifikanten Unterschiede oder auch eine Unterlegenheit feststellten.
Zu den gängigen nicht-digitalen Interventionen zählten Informationsbroschüren, Ratschläge zur Selbstfürsorge und Präsenz-Bewegungsprogramme.
Fazit
Die Ergebnisse zeigen, dass digitale Trainingsprogramme, die sich konsequent an den offiziellen Empfehlungen für Bewegung orientieren, bei Erwachsenen mit Übergewicht oder Adipositas eine moderate Gewichtsreduktion bewirken können.
Die Evidenz für die Überlegenheit digitaler Bewegungsprogramme gegenüber traditionellen Methoden ist uneinheitlich. Da die Studien im Schnitt ein halbes Jahr andauerten, bleibt der langfristige Effekte unklar.
Erhebliche Unterschiede in den Studiendesigns stellen eine Herausforderung dar, so dass es schwierig ist, endgültige Schlussfolgerungen zu spezifischen Merkmalen effektiver digitaler Programme zu ziehen. Anhand der verfügbaren Literatur und der vorliegenden Ergebnisse ist festzustellen, dass effektive digitale Bewegungsprogramme typischerweise menschliche Interaktion, Zielsetzung, personalisiertes Feedback, soziale Unterstützung und andere Gesundheitsstrategien wie ein Ernährungsmanagement umfassen.
Quellen:
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Motevalli M1,2, Drenowatz C3, Tanous D1,2, Ruedl G1, Kirschner W1, Schauer M1, Rosemann T4, Wirnitzer K1,2,5,6; mohamad.motevalli@uibk.ac.at
1Department of Sport Science, University of Innsbruck, Innsbruck, Austria, 2Department of Secondary Education, University College of Teacher Education Tyrol, Innsbruck, Austria; 3Division of Sport, Physical Activity and Health, University of Teacher Education Upper Austria, Linz, Austria; 4Institute of Primary Care, University of Zurich, Zurich, Switzerland; 5Department of Pediatric Oncology and Hematology, Charité - University of Medicine Berlin, Berlin, Germany; 6Charité Competence Center for Traditional and Integrative Medicine, Charité - University of Medicine Berlin, Berlin, Germany.
Guideline-Based Digital Exercise Interventions for Reducing Body Weight and Fat and Promoting Physical Activity in Adults with Overweight and Obesity: Systematic Review and Meta-Analysis
Interact J Med Res. 2025 Aug 7;14: e73656. doi: 10.2196/73656



