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Soziales Gefälle bei Übergewicht im Kindesalter

Übergewicht bei Kindern im Kindergartenalter zeigte in dieser Querschnittsstudie aus Baden-Württemberg Zusammenhänge mit dem Bildungshintergrund der Eltern, dem BMI der Mutter und dem Haushaltseinkommen bei Familien mit Migrationshintergrund. Darüber hinaus halten viele Eltern von übergewichtigen Kindern deren Gewicht für normal. Dies bietet Ansatzpunkte für Präventionsprogramme, die bereits in der frühen Kindheit greifen.

Bei jungen Kindern haben die Eltern viel Einfluss auf die Gesundheit

31 Prozent der Jungen und 28 Prozent der Mädchen im Alter von sieben bis neun Jahren haben Übergewicht, wobei Eltern übergewichtiger Kinder dazu neigen, den Gewichtsstatus ihrer Kinder zu unterschätzen. Es ist allgemein bekannt, dass Kinder aus Familien mit niedrigem sozioökonomischen Status ein höheres Risiko für Übergewicht und Adipositas haben, da soziokulturelle und gesellschaftliche Faktoren Einfluss auf die Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten nehmen. Insbesondere bei jungen Kindern spielen die Eltern eine wichtige Rolle für die Prävention von Übergewicht, indem sie die Ernährung und Freizeitaktivitäten steuern, Überzeugungen vermitteln und als Vorbild dienen.

Obwohl bekannt ist, dass die Ungleichheiten in der Prävalenz von Übergewicht bereits bei Kindern unter sechs Jahren bestehen, gibt es dazu zu wenige Forschungsergebnisse. Das Ziel dieser Studie war deshalb, Ungleichheiten in der Prävalenz und Wahrnehmung von Übergewicht bei Kindern zu analysieren und Zusammenhänge mit kulturellen, wirtschaftlichen und pädagogischen Faktoren aufzudecken.

Daten von 850 Kindern und ihren Eltern

Für die Studie wurden Gewicht, Größe, Bauch- und Hüftumfang von Kindergartenkindern in Baden-Württemberg gemessen. Die Eltern machten Angaben zu ihrem sozioökonomischen Hintergrund (Einkommen und Bildungsgrad), Körpergröße und -gewicht sowie zur Einschätzung des Gewichtsstatus ihrer Kinder. Um die Wahrscheinlichkeit von Übergewicht bei Kindern zu ermitteln, wurde eine binäre logistische Regression angewendet, angepasst an den BMI der Eltern.

Daten zum familiären Bildungsniveau und zu Körpermaßen lagen von 850 Kindern (durchschnittlich 4,6 ± 0,83 Jahre; 51,4 % Jungen) und ihren Eltern vor. Die Eltern (n = 299) hatten zu 47 Prozent ein hohes Bildungsniveau mit abgeschlossener Berufsausbildung bzw. Studium.

Kinder von Eltern mit niedrigem und mittlerem Bildungsniveau sind mehr als doppelt so häufig übergewichtig

Kinder waren häufiger übergewichtig, wenn

  • ihre Eltern einen mittleren oder niedrigen Bildungshintergrund hatten,
  • ihre Mutter übergewichtig war,
  • das Kind in einer Familie mit Migrationshintergrund aufwuchs und über ein niedriges Haushaltseinkommen verfügte.

Eltern waren häufiger übergewichtig, wenn ihr Bildungshintergrund niedrig war.

Nach Bildungsstufe kategorisierte Gruppen unterschieden sich deutlich in der Prävalenz von Übergewicht: Bei niedrigem und mittlerem Bildungsgrad der Eltern waren 11,9 Prozent der Kinder übergewichtig, bei hohem Bildungsgrad 3,7 Prozent (p ≤ 0,001). Insgesamt war die Wahrscheinlichkeit für Übergewicht bei Kindern von Eltern mit niedrigem oder mittlerem Bildungshintergrund mehr als doppelt so hoch (OR: 2,123, KI: 1,010–4,461, p < 0,05; unter Berücksichtigung des BMI der Eltern).

27 Prozent der Mütter und 23 Prozent der Väter schätzten den BMI ihrer Kinder zu niedrig ein. Obwohl in dieser Studie zehn Prozent der Kinder übergewichtig waren, davon zwei Prozent adipös, stuften 2,6 Prozent der Mütter und 2,7 Prozent der Väter ihr Kind als „leicht übergewichtig“ ein, kein Elternteil schätzte es als „sehr übergewichtig“ ein. In weiteren Analysen zeigte sich, dass insbesondere Eltern, die selbst übergewichtig waren, den BMI ihrer Kinder unterschätzten.

Adipositas ist multifaktoriell und erfordert mehr als generelle Prävention

Diese Studie unterstützt die Theorie der „Syndemie“ der Adipositas, also dem gemeinsamen Wirken von biologischen, psychologischen und sozialen Faktoren auf die Gesundheit und gesundheitsbezogene Verhaltensweisen.

Kinder aus Familien mit niedrigem Bildungshintergrund haben bereits in sehr jungen Jahren ein erhöhtes Risiko für Übergewicht. Der Bildungsgrad scheint eine enorme Rolle bei der Prävention von Übergewicht und Adipositas zu spielen und sollte den Autoren zufolge in Maßnahmen zur Verbesserung der gesundheitlichen Chancengleichheit einbezogen werden.

Universelle Programme können wirkungsvoll sein, aber um Ungleichheiten erfolgreicher anzugehen, sind frühe und stärker individuell zugeschnittene Programme erforderlich, die bereits während der Schwangerschaft und in den ersten Lebensjahren greifen. Die Autoren halten es für sinnvoll, Erzieherinnen und Erzieher in Schulen und Kindergärten zu schulen, um ungesundes Gewicht bei Kindern zu erkennen.

Quellen:
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Hermeling L, Steinacker JM, Kobel S; susanne.kobel@uni-ulm.de

Division of Sports- and Rehabilitation Medicine, Centre of Medicine, Ulm University Hospital, Ulm, Germany.

Beyond correlates: the social gradient in childhood overweight.

Arch Public Health. 2024 Jan 9;82(1):3. doi: 10.1186/s13690-023-01232-x.


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