Je länger, desto besser?
Das Zähneputzen zu Hause spielt eine wichtige Rolle bei der Vorbeugung von oralen Erkrankungen. Neben dem mechanischen Putzen zur Entfernung von Zahnbelag dient Fluorid in der Zahnpasta der Kariesprävention. Beim Vergleich der Wirksamkeit von Handzahnbürsten und elektrischen Zahnbürsten kommen Übersichtsarbeiten zu dem Ergebnis, dass elektrische Zahnbürsten Plaque wirksamer entfernen und damit Gingivitis und Sondierungsbluten besser vorbeugen.
Neben der Art der Zahnbürste und der Häufigkeit des Zähneputzens ist die Putzdauer ein einfach zu beeinflussender Faktor. Sowohl für manuelle als auch für elektrische Zahnbürsten deuten Forschungsergebnisse an, dass es je nach Dauer Unterschiede bei der Plaque-Entfernung gibt.
Allgemein wird empfohlen, die Zähne mindestens zweimal täglich für je zwei Minuten zu putzen. Ob längeres Putzen langfristig zu besseren klinischen Ergebnissen für die Mundgesundheit führt, wird kontrovers diskutiert.
Ziel dieses systematischen Reviews war deshalb, die Auswirkungen einer Putzdauer von zwei und drei Minuten miteinander zu vergleichen.
Daten aus zwanzig Einzelvergleichen
Für die Übersicht wurden die Datenbanken MEDLINE-PubMed, Cochrane-CENTRAL und Embase bis Mai 2025 nach Studien durchsucht, in denen dentale Plaque-Werte nach zwei und drei Minuten Zahnputzzeit mit demselben Zahnbürstenmodell verglichen wurden. Einbezogen wurden nur kontrollierte klinische Studien mit gesunden Erwachsenen ohne Parodontitis, Zahnspangen, Implantaten oder Zahnersatz. Die extrahierten Daten wurden deskriptiv sowie mittels Metaanalyse zusammengefasst. Dabei wurden separate Analysen für das Zähneputzen durch die Teilnehmenden und professionelles Zähneputzen sowie für manuelle und elektrische Zahnbürsten durchgeführt. Die Evidenzsicherheit wurde nach dem GRADE-Ansatz beurteilt, das Verzerrungsrisiko wurde mit standardisierten Werkzeugen der Cochrane Collaboration überprüft.
Basierend auf den Auswahlkriterien wurden sechs geeignete Publikationen identifiziert, die auf insgesamt zwanzig Vergleichen beruhten und 295 Teilnehmende umfassten.
Geringer bis kein Effekt
Sowohl die deskriptive Auswertung als auch die Metaanalyse zeigten einen sehr geringen bis gar keinen zusätzlichen Effekt in Bezug auf eine Verringerung der Plaque-Werte, wenn die Putzdauer von zwei auf drei Minuten verlängert wurde. Die Verlässlichkeit dieser Evidenz wurde nach dem GRADE-System als moderat eingestuft.
Die statistische Heterogenität (I²) lag bei allen Subgruppen zwischen 0 und 19 Prozent und damit im unbedeutenden Bereich.
Unterschiede in Subgruppen
Wenn Teilnehmende mit einer Handzahnbürste putzten, zeigte sich zwar ein statistisch signifikanter Unterschied beim Endwert zugunsten einer Putzzeit von drei Minuten. Da die Gruppen aber schon vor dem Putzen leichte Unterschiede aufwiesen, ist dieses Ergebnis mit Vorsicht zu interpretieren.
Wenn Teilnehmende eine elektrische Zahnbürste verwendeten, waren die Plaque-Werte nach drei Minuten etwas geringer. Der zusätzliche Nutzen im Alltag wurde aber als sehr klein eingeschätzt.
Wenn die Zähne professionell mit einer elektrischen Zahnbürste geputzt wurden, gab es ebenfalls einen Unterschied beim Plaque-Endwert zugunsten von drei Minuten. Dieser entsprach gemäß der Einordnung nach Cohen jedoch nur einem sehr kleinen bis vernachlässigbaren Effekt.
Für professionelles Zähneputzen mit einer Handzahnbürste lagen keine Daten vor.
Fazit
Die Autoren der Studie folgern aus den Ergebnissen, dass bereits nach zwei Minuten Zähneputzen die maximale Reinigungsleistung erreicht wird. Die mechanische Entfernung von Plaque kann durch eine längere Putzzeit kaum noch gesteigert werden.
Laien benötigen zwar etwas mehr Zeit, um auch schwer erreichbare Stellen gründlich zu reinigen, doch grundsätzlich reichen auch hier zwei Minuten aus.
Angesichts der geringen Effektstärke des Unterschieds stufen die Autoren die klinische Relevanz als vernachlässigbar ein.
Ein zusätzlicher Zeitaufwand könnte gerechtfertigt sein, um gezielt die schwerer zugänglichen Zahnzwischenräume zu reinigen. Dadurch ließe sich Plaque vermutlich weiter reduzieren. Eine längere Zahnputzdauer könnte auch die Einwirkzeit von Fluorid verlängern und damit eine stärkere Remineralisation des Zahnschmelzes fördern.
Quellen:
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Toonen LSJ1,2, Thomassen TMJA1, Loeffen AWM1,2, Timmerman MF3, van der Weijden FA1, Slot DE1; d.slot@acta.nl
1Department of Periodontology, Academic Centre for Dentistry Amsterdam (ACTA), A Joint Venture Between the Faculty of Dentistry of the University of Amsterdam and the Faculty of Dentistry of the Vrije Universiteit Amsterdam, Amsterdam, the Netherlands; 2Department of Dental Hygiene, Hogeschool Arnhem Nijmegen (HAN), University of Applied Sciences, Nijmegen, the Netherlands; 3Department of Dentistry, Section Implantology and Periodontology, Radboud University Medical Center (Radboud UMC), Nijmegen, the Netherlands
Dental Plaque Scores After 2 or 3 Minutes Toothbrushing: A Systematic Review and Meta-Analysis
Int J Dent Hyg. 2026 Sep 4. doi: 10.1111/idh.70154



