In den USA haben bis zu 29 Prozent der Kinder frühkindliche Karies
Frühkindliche Karies (Early Childhood Caries, ECC) entsteht in einem dynamischen Prozess, an dem die genetische Veranlagung, die mikrobielle Besiedelung und umweltbedingte Einflüsse wie die Ernährung beteiligt sind. ECC kann für betroffene Kinder weitreichende Folgen haben, zum Beispiel Zahnschmerzen, Schwierigkeiten beim Kauen, Stigmatisierung, Mangelernährung, Wachstumsverzögerung und eine verringerte Lebensqualität. Unbehandelte Karies im frühen Kindesalter erhöht zudem das Risiko für Karies an den bleibenden Zähnen und für systemische Entzündungen im Erwachsenenalter.
Der „National Health and Nutrition Examination Survey“ (NHANES) ist eine repräsentative, fortlaufende Untersuchung des Gesundheits- und Ernährungszustandes der US-Bevölkerung. Daten daraus zeigen, dass die Prävalenz von ECC mit zunehmendem Alter ansteigt und bei 6-Jährigen bis zu 29 Prozent beträgt. Ziel der Studie war, aus den NHANES-Daten die Aufnahme von Nährstoffen wie Kalzium, Fett und Vitamin D zu erfassen und ihre Effekte auf die Entstehung von ECC zu analysieren.
Kalzium, Fett und Vitamin D als beeinflussbare Risikofaktoren für ECC
Der Kalziumstoffwechsel beeinflusst direkt die Säureresistenz des Zahnschmelzes, indem er zur Hydroxylapatit-Struktur beiträgt und die Fähigkeit des Speichels zur Remineralisierung steigert. Studien zeigen, dass Kinder mit einer geringen täglichen Kalziumaufnahme ein etwa 1,5- bis 2-fach höheres Risiko für ECC haben als Kinder mit einer ausreichenden Zufuhr.
Vitamin D nimmt Einfluss auf den Kalziumstoffwechsel. Ein Mangel an Vitamin D könnte zudem indirekt das orale Mikrobiom verändern, indem er die Bildung des antimikrobiellen Peptids LL-37 beeinflusst.
Nahrungsfette können die Bildung kariogener Biofilme begünstigen. Insbesondere die Aufnahme gesättigter Fettsäuren steht in einem positiven Zusammenhang mit der Häufigkeit des Karieserregers Streptococcus mutans.
Analyse der NHANES-Daten
Es wurden Daten aus drei NHANES-Zyklen der Jahre 2009–2010, 2011–2012 und 2013–2014 verwendet. In die finale Analyse gingen Daten von 2.564 Kindern im Alter von zwei bis sechs Jahren ein.
Mithilfe multivariabler logistischer Regressionen wurden die unabhängigen Effekte von Faktoren wie Alter, Kalzium-, Fett- und Vitamin-D-Aufnahme auf das Kariesrisiko ermittelt. Außerdem wurde eine innovative Methode namens Restricted Cubic Spline (RCS) Regression eingesetzt, um gezielt den nichtlinearen Zusammenhang zwischen der Kalziumaufnahme und ECC zu untersuchen und Schwellenwerte zu identifizieren.
Die Nährstoffprofile von Kindern mit und ohne Karies unterscheiden sich
347 der 2.564 Kinder hatten Karies, Mädchen und Jungen etwa gleich häufig. Der Anteil der Kinder mit Karies stieg mit dem Alter und betrug in den Altersgruppen der 2-, 3-, 4-, 5- und 6-Jährigen 6, 16, 25, 24 und 29 Prozent (p < 0,01). Die Altersverteilung zeigt, dass Kinder verstärkt ab vier Jahren an Karies erkranken.
Es zeigte sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen Stillen und dem Auftreten von Karies: 61 Prozent der Kinder, die gestillt worden waren, wiesen Karies auf, während dies nur bei 39 Prozent der nicht-gestillten Kinder der Fall war (p = 0,002). Die Autorinnen und Autoren halten häufiges nächtliches Stillen für eine mögliche Erklärung.
In Bezug auf die Nährstoffaufnahme zeigten sich zwischen den Gruppen der Kinder mit und ohne Karies signifikante Unterschiede bei der Zufuhr von Energie (p = 0,039), Fett (p = 0,022), Vitamin D (p = 0,029) und Kalzium (p = 0,021). Die durchschnittliche Energie- und Fettaufnahme war in der Karies-Gruppe etwas höher als in der kariesfreien Gruppe, während die Zufuhr an Vitamin D und Kalzium niedriger war. Die Aufnahme anderer wichtiger Nährstoffe wie Gesamtzucker, Ballaststoffe, Protein sowie weiterer Vitamine und Mineralstoffe zeigte keine signifikanten Unterschiede. In beiden Gruppen lag der mittlere BMI bei 16,1.
Der „Kalzium-Schwellenwert“
Kinder mit Karies nahmen mit 838 Milligramm im Durchschnitt weniger Kalzium zu sich als Kinder ohne Karies, die eine Zufuhr von durchschnittlich 893 Milligramm pro Tag hatten.
Es fand sich eine signifikante nichtlineare Beziehung zwischen der täglichen Kalziumaufnahme und dem Kariesrisiko. Ein Wendepunkt schien bei einer Aufnahme von 1.000 Milligramm pro Tag zu liegen: Das Kariesrisiko von Kindern, die weniger aufnahmen, sank bei einer Steigerung der Zufuhr deutlich. Bei einer Zufuhr über 1.000 Milligramm täglich gab es jedoch keinen nennenswerten weiteren Rückgang mehr.
Fazit
Die Studie deutet einen Zusammenhang zwischen frühkindlicher Karies (ECC) und der Kalziumaufnahme an. Sie legt nahe, dass eine Steigerung der Zufuhr auf 1.000 Milligramm Kalzium pro Tag das ECC-Risiko signifikant senken können – möglicherweise, weil Kalzium die Remineralisierung des Zahnschmelzes unterstützt und ein gesundes mikrobielles Gleichgewicht im Mundraum fördert. Dieses Ergebnis liefert eine Grundlage für die Entwicklung von Präventionsstrategien, die eine ausreichende Kalziumzufuhr sicherstellen.
Quellen:
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Ren LS1, Ji ZY2, Ma SC1, Li HY1, Zhang XX1, Sun Q1, Li TK2, Liu LH2.
1Department of Stomatology, Children's Hospital of Hebei Province (Hebei Provincial Clinical Research Center for Child Health and Disease), Hebei Medical University, Shijiazhuang, Hebei, China; 2Department of Stomatology, The Fourth Affiliated Hospital of Hebei Medical University, Shijiazhuang, Hebei, China.
The relationship between nutrition, diet, and early childhood caries: A cross-sectional study using 2009 to 2014 NHANES data.
Medicine (Baltimore). 2026 Jun 5;105(23):e49124. doi: 10.1097/MD.0000000000049124



